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Novo Nordisk Aktie: 8,92-Prozent-Sturz nach ZEUS-Flop

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Scheitern der ZEUS-Studie zu Ziltivekimab kostet Novo Nordisk Milliarden an Börsenwert und stellt die Diversifikationsstrategie des dÀnischen Pharmakonzerns infrage.

Novo Nordisk: Kardio-Studienflop lÀsst Aktie um fast neun Prozent einbrechen
Abstrakte Darstellung eines fallenden Finanzmarkttrends in dĂŒsterer, professioneller Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Novo Nordisk erlebt am heutigen Freitag einen der schwÀrzesten Handelstage seit Monaten. Die Aktie fÀllt um 8,92 Prozent auf 40,68 Euro, nachdem sie gestern noch mit 44,66 Euro geschlossen hatte. Auslöser ist das Scheitern einer wichtigen kardiovaskulÀren Studie zum Antikörper Ziltivekimab, das dem dÀnischen Pharmakonzern seine DiversifizierungsplÀne jenseits von Diabetes und Adipositas erschwert.

ZEUS-Studie verfehlt zentrales Ziel

Novo Nordisk teilte am heutigen Freitag mit, dass die Phase-3-Studie ZEUS ihren primĂ€ren Endpunkt nicht erreicht hat. Ziltivekimab, ein monatlich subkutan verabreichter IL-6-Hemmer in einer Dosis von 15 Milligramm, senkte im Vergleich zu Placebo das Risiko schwerer kardiovaskulĂ€rer Ereignisse – kardiovaskulĂ€rer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall – nicht signifikant. Die Hazard Ratio lag bei 0,99 mit einem Konfidenzintervall von 0,88 bis 1,11. An der Studie nahmen mehr als 6.300 Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten EntzĂŒndungswerten (hsCRP ?2 mg/L) teil.

Biologisch wirkte der Antikörper wie erwartet: Er senkte Interleukin-6 und das EntzĂŒndungsmarker hsCRP deutlich. Einen klinischen Nutzen fĂŒr die Patienten ĂŒbersetzte dies jedoch nicht. Schwerwiegende Infektionen traten unter Ziltivekimab hĂ€ufiger auf, bei der GesamtmortalitĂ€t zeigte sich kein Unterschied zur Placebogruppe. Konzernchefwissenschaftler Martin Holst Lange betonte, das Ergebnis Ă€ndere nichts an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Novo Nordisk erklĂ€rte zugleich, der Ausblick fĂŒr den bereinigten operativen Gewinn 2026 bleibe von dem RĂŒckschlag unberĂŒhrt – im dritten Quartal 2026 werde jedoch eine nicht zahlungswirksame Wertminderung anfallen. Zwei weitere Studien zu Ziltivekimab, HERMES bei Herzinsuffizienz und ARTEMIS nach akutem Herzinfarkt, laufen weiter; ihre Ergebnisse werden fĂŒr das erste Halbjahr 2027 erwartet.

Zwiegespaltene Analysten

An den KapitalmĂ€rkten fĂ€llt die EinschĂ€tzung der Studienlage gemischt aus. Jefferies und Citi halten die Kursreaktion fĂŒr ĂŒbertrieben, da Ziltivekimab nach ihrer EinschĂ€tzung weniger als zwei Prozent des Unternehmenswerts ausmacht. Citi senkte seine SchĂ€tzung fĂŒr den risikoadjustierten Spitzenumsatz des PrĂ€parats auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar und beließ die Einstufung bei Neutral. Jefferies bezifferte den Gesamtmarkt fĂŒr die Reduktion kardiovaskulĂ€rer Risikoereignisse auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar jĂ€hrlich und wertete den Fehlschlag strategisch dennoch als Verlust einer glaubwĂŒrdigen Wachstumsoption außerhalb der Adipositas-Sparte.

ZurĂŒckhaltender Ă€ußerte sich J.P. Morgan: Der Ausfall entziehe dem Konzern einen potenziell milliardenschweren Vermögenswert, die Marktreaktion sei nachvollziehbar. Goldman Sachs verwies darauf, dass der Wirkstoff im Erfolgsfall zum Kern einer eigenen kardiovaskulĂ€ren Franchise hĂ€tte werden können. Skeptischer bewertet BMO die Lage: Positive Ergebnisse aus den laufenden Studien HERMES und ARTEMIS seien nun höchst unwahrscheinlich, das Analysehaus rechnet zudem damit, dass Novo Nordisk verstĂ€rkt nach externen GeschĂ€ftsmöglichkeiten suchen wird. TD Cowen bezeichnete den Fehlschlag als ĂŒberraschend und deutlichen RĂŒckschlag, senkte die Erfolgswahrscheinlichkeit fĂŒr die beiden verbleibenden Studien merklich und bestĂ€tigte die Einstufung Hold mit einem Kursziel von 270 dĂ€nischen Kronen. Zuvor hatten HĂ€user wie Guggenheim und BMO dem PrĂ€parat noch gute Erfolgschancen eingerĂ€umt.

Teure Wette mit offenem Ausgang

Novo Nordisk hatte sich die Rechte an Ziltivekimab 2020 durch die Übernahme von Corvidia Therapeutics gesichert, fĂŒr 725 Millionen US-Dollar im Voraus und potenziell bis zu 2,1 Milliarden US-Dollar bei Erreichen bestimmter Meilensteine. Der heutige Kursrutsch entspricht Berechnungen zufolge einem Marktwertverlust von rund 20,5 Milliarden US-Dollar – ein Vielfaches der ursprĂŒnglichen Akquisitionskosten. Die Aktie notiert damit rund 26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, das sie im Januar erreicht hatte.

Der RĂŒckschlag trifft einen Konzern, dessen Umsatz zuletzt zu 94 Prozent aus dem Diabetes- und AdipositasgeschĂ€ft stammte. Genau diese AbhĂ€ngigkeit hatte Ziltivekimab lindern sollen. Beobachter sehen nun wachsenden Druck auf das Management, ĂŒber ZukĂ€ufe oder Lizenzdeals neue Wachstumsfelder zu erschließen. Es ist zudem nicht der erste RĂŒckschlag im laufenden Jahr: Bereits im Februar war die Kombinationstherapie CagriSema enttĂ€uschend ausgefallen, im November 2025 hatte zudem eine Studie zu Semaglutid bei Alzheimer nicht ĂŒberzeugt.

Novo Nordisk legt kommende Woche seine Quartalszahlen vor. Anleger dĂŒrften dort genauer hinschauen, wie das Management die Pipeline-Strategie nach dem jĂŒngsten RĂŒckschlag neu ausrichtet und welche Rolle ZukĂ€ufe kĂŒnftig spielen sollen.

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