Nvidia, Aktie

Nvidia Aktie: 4,1 Prozent Minus trotz 96,2 Milliarden Umsatz

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 22:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nvidia meldet starkes Wachstum, doch Margendruck und kartellrechtliche Bedenken belasten die Aktie trotz anhaltend hoher KI-Nachfrage.

Nvidia-Aktie fällt trotz Rekordzahlen: Kartellrisiken rücken in den Fokus
Abstrakte Darstellung von Hochleistungstechnologie und Rechenzentren in kühler, professioneller Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nvidia hat am Mittwoch Zahlen vorgelegt, die in jedem anderen Unternehmen als historisch gelten würden: 96,2 Milliarden Dollar Umsatz, 106 Prozent Wachstum zum Vorjahr, ein Gewinn je Aktie von 2,22 Dollar. Und trotzdem ist die Aktie am Freitag um 4,1 Prozent gefallen. Für mich zeigt genau diese Diskrepanz, worum es bei Nvidia inzwischen wirklich geht – nicht mehr um Wachstum, sondern um Kontrolle.

Die Marge ist das kleinere Problem

Der offensichtliche Auslöser für die Verkaufswelle war die Prognose zur Bruttomarge: Nvidia rechnet für das dritte Quartal mit einer Spanne von 73,5 bis 74,5 Prozent, spürbar enger als von Analysten erwartet, mit Blick auf das vierte Quartal soll der Wert sogar auf 71 bis 72 Prozent sinken.

Grund sind steigende Speicherpreise. Das ist ein reales Problem, aber unterm Strich ein lösbares. Finanzchefin Colette Kress stellte für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 Prozent in Aussicht, CEO Jensen Huang sprach von Nachfrage, die dieses Tempo sogar noch übertrifft, aber durch Lieferengpässe gebremst wird.

Wer bei einem Unternehmen mit derartiger Nachfragedynamik primär auf zwei Prozentpunkte Margenkompression starrt, verpasst meiner Ansicht nach die eigentliche Geschichte dieser Woche.

Die eigentliche Geschichte: Kartellrecht statt Kapazität

Die spricht nämlich für ein ganz anderes Risiko. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat Nvidia Teile seines AI-Compute-Partnership-Programms pausiert, mit dem das Unternehmen Finanzierungen für KI-Cloud-Anbieter bereitstellen wollte.

Firmeninterne Mitarbeiter hatten offenbar Bedenken wegen möglicher Kundenbeschränkungen und kartellrechtlicher Risiken geäußert – keine sechs Wochen nach der Ankündigung im Juli wurde das Programm bereits zurückgefahren.

Für mich ist das der eigentliche Warnschuss dieser Woche: Nvidia ist inzwischen so dominant, dass selbst die eigene Belegschaft vor der Marktmacht des Konzerns warnt, bevor Regulierer es tun. Das ist eine andere Kategorie von Risiko als Speicherpreise – sie lässt sich nicht durch bessere Lieferketten lösen, sondern nur durch politische und rechtliche Zugeständnisse, deren Ausmaß heute niemand seriös beziffern kann.

Parallel dazu bewegt sich Nvidia operativ munter weiter: SpaceXAI setzt künftig auf Nvidia-Vera-CPUs für agentische KI-Anwendungen, der Inferenz-Beschleuniger Groq 3 LPX ist in die Vollproduktion gegangen, mit dem Jetson Orin Nano 2 adressiert das Unternehmen zudem den Einstiegsmarkt für Edge-KI in der Robotik.

Auch die kolportierte Übernahme von Hugging Face für rund 12,9 bis 13 Milliarden Dollar würde, sollte sie sich bestätigen, die Position im KI-Ökosystem weiter zementieren – hier widersprechen sich Medienberichte allerdings noch, ob eine Einigung bereits steht oder Gespräche laufen.

Was der Markt daraus macht

Stifel hob am Freitag das Kursziel von 282 auf 315 Dollar an und begründete dies unter anderem mit der Erwartung, dass die kommende Vera-Rubin-Generation rund ein Fünftel des nächsten Quartalsumsatzes im Rechenzentrumsgeschäft beisteuern könnte – nach eigener Rechnung des Hauses ein Kurspotenzial von knapp 43 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau.

Das Datenzentrumsgeschäft allein kam im abgelaufenen Quartal auf 89 Milliarden Dollar, die Prognose für das laufende Quartal liegt bei etwa 108 Milliarden Dollar.

Am deutschen Aktienmarkt notierte das Papier zuletzt bei 187,78 Euro, nach dem Kursrutsch vom Freitag rund 7,3 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, aber immer noch gut ein Drittel über dem Tief vom September vergangenen Jahres. Die Volatilität von 45 Prozent auf Jahressicht zeigt: Der Markt ist nervös, aber nicht panisch.

Mein Fazit: Die Zahlen sprechen weiter für Nvidia, die Nachfragekurve ebenso. Was mich vorsichtiger stimmt, ist die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen selbst zurückrudert, sobald kartellrechtliche Fragen aufkommen. Diese Zurückhaltung dürfte künftig öfter zum Thema werden als jede Speicherpreis-Diskussion – und genau das sollten Anleger im Blick behalten, wenn sie die nächsten Kursausschläge einordnen wollen.

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