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Oracle Aktie: 300-Milliarden-Dollar-Vertrag mit OpenAI

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle legt Quartalszahlen vor: Hohe Cloud-Erwartungen treffen auf negativen Cashflow, geplante Milliardeninvestitionen und mögliche Verwässerung.

Moderner Rechenzentrums-Serverraum mit langen Reihen beleuchteter Serverschränke
Oracle Corporation US68389X1054 zeigt einen modernen, realistisch fotografierten Rechenzentrums-Serverraum mit beleuchteten Serverschränken und Kabeln Illustration mit AI erstellt.

Heute Abend nach US-Börsenschluss legt Oracle die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Für mich ist das der wichtigste Termin des Jahres für die Aktie – wichtiger als jedes Kursziel-Update der letzten Wochen. Der Grund ist einfach: Der gesamte Investment-Case von Oracle hängt inzwischen an einem einzigen Wort – Vertrauen in den Backlog.

Und dieser Backlog ist gewaltig. Die Auftragsreserve (RPO) lag zuletzt bei 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Der für das laufende Geschäftsjahr erwartete Umsatz liegt bei rund 90 Milliarden Dollar.

Der Backlog ist also fast siebenmal so groß wie der Jahresumsatz, den Oracle in den nächsten zwölf Monaten überhaupt erlösen kann. Nur etwa 12 Prozent davon sollen sich in den kommenden zwölf Monaten in echten Umsatz verwandeln. Das ist beeindruckend – und genau deshalb so anfällig für Enttäuschung.

Der Markt erwartet viel, verzeiht aber wenig

Der Analystenkonsens rechnet für das Quartal mit einem Umsatz von etwa 19,13 Milliarden Dollar, einem Plus von 28 Prozent gegenüber Vorjahr, und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,74 Dollar.

Die Cloud-Umsatz-Guidance von Oracle selbst liegt bei 58 bis 64 Prozent Wachstum, bei OCI, dem Infrastrukturgeschäft, sehen einzelne Häuser wie Jefferies sogar ein Plus von 115 Prozent möglich. Der Optionsmarkt preist für morgen eine Kursbewegung von rund 11 Prozent ein – in beide Richtungen.

Diese Erwartungshaltung erklärt aus meiner Sicht auch, warum die Aktie trotz des massiven Wachstums so unter Druck steht. Der aktuelle Kurs von 138,12 Euro liegt rund 53 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 10. September 2025. Zwar hat sich das Papier in den vergangenen 30 Tagen um 9,5 Prozent erholt, doch die Jahresbilanz bleibt mit minus 17 Prozent deutlich negativ. Für mich zeigt das: Der Markt hat das Wachstumsversprechen längst eingepreist – und fragt sich jetzt, wer die Rechnung dafür bezahlt.

Die Kehrseite: Cashflow und Schulden

Und diese Rechnung ist real. Der freie Cashflow war zuletzt fünf Quartale in Folge negativ, im Geschäftsjahr 2026 stand ein Minus von 23,7 Milliarden Dollar zu Buche – bei einem operativen Cashflow von 32 Milliarden Dollar und Investitionen von 55,6 Milliarden Dollar.

Für das laufende Geschäftsjahr plant Oracle Netto-Investitionen von 70 bis 95 Milliarden Dollar sowie eine weitere Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung von rund 40 Milliarden Dollar, unter anderem über eine Aktienemission von 20 Milliarden Dollar.

Guggenheim, die trotz eines Kursziels von 400 Dollar zu den optimistischeren Häusern zählt, sieht ausgerechnet diese Verwässerung als größeres Risiko an als die Konzentration auf einzelne Großkunden wie OpenAI. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: Selbst überzeugte Bullen mahnen zur Vorsicht bei der Kapitalstruktur.

Apropos Konzentration: Im Juli hat OpenAI mit Oracle einen Compute-Vertrag über 300 Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von fünf Jahren geschlossen – ein zentraler Baustein des Backlogs.

Dass OpenAI seine globale Prognose für Computing-Ausgaben bis 2030 nun auf rund 750 Milliarden Dollar angehoben hat, spricht grundsätzlich für anhaltende Nachfrage. Zugleich macht es Oracle abhängiger von einem einzelnen Partner, dessen eigene Finanzierungslage undurchsichtig bleibt.

Mein Fazit

Die Analystenlandschaft bleibt insgesamt bullish: 26 Kaufempfehlungen stehen vier Halteeinstufungen gegenüber, das durchschnittliche Kursziel von 257,59 Dollar impliziert erhebliches Aufwärtspotenzial. Aber die Bandbreite der Kursziele – von 190 Dollar bei RBC bis 400 Dollar bei Guggenheim – zeigt, wie unterschiedlich das Risiko bewertet wird.

Für mich überwiegt heute weder eindeutig die Chance noch das Risiko. Die Wachstumszahlen dürften beeindruckend bleiben, doch ob sie die Finanzierungslast und die Verwässerungssorgen aufwiegen, entscheidet sich erst mit den Zahlen von heute Abend – und vor allem mit dem Ausblick, den Oracle daran knüpft.

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