Oracle Aktie: 52-Wochen-Tief bei 100,76 Euro
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 16:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle-Aktien fallen auf ein neues Jahrestief. Wall-Street-Analysten halten trotzdem an Kurszielen fest, die mehr als doppelt so hoch liegen wie der aktuelle Kurs. Diese LĂŒcke zwischen Marktstimmung und Analystenerwartung wird immer gröĂer.
Neues Tief, unverÀnderte Kursziele
Die Aktie notiert aktuell bei 105,44 Euro, nahezu unverĂ€ndert zum Vortag. Am 28. Juli markierte Oracle ein neues 52-Wochen-Tief bei 100,76 Euro. Der aktuelle Kurs liegt nur 4,64 Prozent ĂŒber dieser Marke.
Der Absturz der vergangenen Monate ist massiv. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie 18,64 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36,56 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,70 Euro, erreicht am 10. September 2025, trennen die Aktie inzwischen 62,44 Prozent.
Die meisten Analysten stufen Oracle weiterhin als klaren Kauf ein. Ihre Kursziele haben sie dem Kursverfall bislang kaum angepasst. Bernstein hob sein Ziel am 11. Juni sogar auf 325 Dollar an und bewertet die Aktie mit "Outperform". RBC Capital bleibt bei "Sector Perform" mit einem Kursziel von 190 Dollar, ebenfalls seit Mitte Juni. Einzig CLSA schlÀgt einen vorsichtigeren Ton an: Die Bank startete die Coverage am 20. Juli mit "Hold" und einem Kursziel von lediglich 145 Dollar.
Die BewertungslĂŒcke wĂ€chst
Der Graben zwischen Kurs und Fundamentaldaten ist mittlerweile GesprÀchsthema unter Analysten. Auf Basis eines Gewinns von 5,83 Dollar je Aktie im GeschÀftsjahr 2026 handelt Oracle mit einem Kurs-Gewinn-VerhÀltnis von nur 19,7. Zum Vergleich: Der S&P 500 kommt auf 25,2, der Nasdaq-100 sogar auf 33,1.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei rund 248 Dollar â mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. Ein Kursziel allein ist kein Investment-Case. Aber eine derart groĂe LĂŒcke verdient eine ErklĂ€rung.
Stellenabbau nÀhrt Zweifel
Neben der Bewertungsfrage sorgt eine operative Entscheidung fĂŒr Skepsis. Oracle steckt gewaltige Summen in KI-Infrastruktur, ohne Garantie, dass sich diese Investitionen kurz- oder langfristig auszahlen. Parallel dazu hat der Konzern binnen eines Jahres rund 21.000 Stellen gestrichen â etwa 13 Prozent der Belegschaft. Kein Vertrauensbeweis in die eigene Zukunft, sagen Kritiker.
Technisch gesehen steckt die Aktie tief im ĂŒberverkauften Bereich. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 33,1, deutlich unter der neutralen Marke von 50. Die annualisierte 30-Tage-VolatilitĂ€t von 47,01 Prozent zeigt, wie unterschiedlich der Markt die möglichen Szenarien fĂŒr Oracle derzeit einpreist.
Der Streit um den Auftragsbestand
Im Kern geht es um eine Frage: Kann Oracle seinen riesigen Auftragsbestand aus KI-VertrĂ€gen schnell genug in Cashflow verwandeln? Bullische Analysten und vorsichtige Investoren beantworten diese Frage komplett unterschiedlich â und genau das erklĂ€rt die Kursziel-LĂŒcke.
Die eine Seite wettet darauf, dass die ErtrĂ€ge aus den MilliardenvertrĂ€gen die Baukosten der Infrastruktur ĂŒberholen, bevor das Kapital ausgeht. Die andere Seite sieht genau das Gegenteil: steigende Kosten, die schneller wachsen als die Einnahmen aus dem Backlog. Solange diese Frage offen bleibt, dĂŒrfte Oracle einer der umstrittensten Large-Cap-Technologiewerte am Markt bleiben.
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