Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 600-Milliarden-Dollar-Auftragsberg abgesichert

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle plant hohe Ausgaben für Rechenzentren, verfügt aber über langfristig gebundene Kundenverträge von mehr als 600 Milliarden Dollar.

Moderner Rechenzentrums-Serverraum mit langen Reihen beleuchteter Serverschränke
Oracle Corporation US68389X1054 zeigt einen modernen, realistisch fotografierten Rechenzentrums-Serverraum mit beleuchteten Serverschränken und Kabeln Illustration mit AI erstellt.

Beide Analysehäuser bestätigten zwar ihre jeweilige Kaufempfehlung, die wachsende Zurückhaltung an der Wall Street ist dennoch unübersehbar.

Für mich greift dieser skeptische Reflex allerdings deutlich zu kurz. Hinter den vordergründigen Sorgen um explodierende Investitionsausgaben verbirgt sich ein gigantischer Auftragsbestand, der in der gesamten Technologiebranche seinesgleichen sucht.

Die Verunsicherung vieler Marktteilnehmer speist sich aus der Furcht vor einer Überhitzung. Während Analysten ihre Modelle vorsichtiger kalkulieren, transformiert sich das traditionsreiche Softwarehaus in atemberaubendem Tempo zu einem der wichtigsten globalen Knotenpunkte für künstliche Intelligenz.

Wer den Konzern auf traditionelle Datenbanklösungen reduziert, verkennt die fundamentale Neuausrichtung. Die Nachfrage nach Rechenleistung übersteigt das Angebot bei weitem.

Der Beleg für diese Wachstumsdynamik steht schwarz auf weiß in den Büchern.

Dieser Wert für die verbleibenden Leistungsverpflichtungen entspricht einem Zuwachs von 363 Prozent im Jahresvergleich und übertrifft die Erlöse des vorangegangenen Geschäftsjahres um das Mehrfache.

Diese Kennzahlen verdeutlichen, dass Großkunden langfristige Verträge mit enormen Volumina abschließen. Oracle profitiert direkt vom globalen Wettlauf um Rechenzentrumskapazitäten. Eine derart hohe Prozessorauslastung zeigt, dass die installierte Infrastruktur nicht brachliegt, sondern unmittelbar und profitabel von Kunden gebucht wird. Von einer verhaltenen Nachfrage kann daher keine Rede sein.

Der hohe Preis für das Infrastruktur-Rennen

Gleichwohl hat die Zurückhaltung der Marktbeobachter einen greifbaren Hintergrund. Der Aufbau moderner Rechenzentren verschlingt astronomische Summen: Für das Geschäftsjahr 2027 plant das Management Investitionsausgaben von rund 70 Milliarden Dollar.

Zur Finanzierung dieser massiven Expansion beabsichtigt Oracle, etwa 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Frische Schuldtitel sollen im laufenden Kalenderjahr allerdings nicht mehr ausgegeben werden.

Genau an dieser Stelle scheiden sich die Geister. Skeptiker verweisen auf die steigende Verschuldung und die Gefahr, dass sich die gewaltigen Ausgaben erst spät amortisieren. Jeder Verzug bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen könnte die Zinslast spürbar anwachsen lassen. Dieser Spagat zwischen gigantischen Ausbauplänen und finanzieller Disziplin verlangt dem Management höchste operative Präzision ab.

Zwischen Kurskorrektur und strategischem Vorteil

Am Freitag beendete die Aktie den Handel bei 128,70 Euro. Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus damit auf 23 Prozent. Die deutliche Korrektur der vergangenen Monate spiegelt genau jene Nervosität wider, die auch bei den jüngsten Kurszielanpassungen durchklingt.

Für mich überwiegt hier jedoch das strategische Gesamtbild gegenüber den kurzfristigen Bilanzsorgen. Nach Unternehmensangaben fangen Anzahlungen wichtiger Kunden sowie maßgeschneiderte Finanzierungsmodelle den Kapitalbedarf wirksam ab.

Zudem machen wichtige Genehmigungsverfahren für neue Standorte, wie etwa im US-Bundesstaat New Mexico, planmäßige Fortschritte. Verzögerungen im Hinblick auf die langfristigen Ausbauziele zeichnen sich bislang nicht ab.

Fazit: Eine Einstiegschance für Weitsichtige

Unterm Strich spricht vieles für das zukunftsorientierte Modell des Konzerns. Die jüngste Zurückhaltung von Stifel Nicolaus und Freedom Broker ist eine verständliche Mahnung zu bilanzieller Vorsicht. Sie ändert aber nichts an der Kernwahrheit: Ein vertraglich abgesicherter Erlösberg von mehr als 600 Milliarden Dollar ist ein unvergleichlicher Schutzschild in einem volatilen Marktumfeld.

Wer als Anleger den Mut aufbringt, die kapitalintensive Aufbauphase durchzustehen, dürfte die aktuelle Bewertungsschwäche rückblickend als bemerkenswerte Gelegenheit werten.

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