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Oracle Aktie: 7-Milliarden-Deal mit Tencent besiegelt

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 13:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Tencent-Vertrag stärkt Oracles Cloud-Nachfrage, während Verzögerungen bei Rechenzentren und regulatorische Unsicherheiten die Umsetzung erschweren.

Moderner Rechenzentrums-Serverraum mit langen Reihen beleuchteter Serverschränke
Oracle Corporation US68389X1054 zeigt einen modernen, realistisch fotografierten Rechenzentrums-Serverraum mit beleuchteten Serverschränken und Kabeln Illustration mit AI erstellt.

Ein Fünfjahresvertrag über sieben Milliarden US-Dollar mit dem chinesischen Tech-Riesen Tencent klingt nach dem Befreiungsschlag, auf den die Oracle-Aktionäre gewartet haben. Berichten der Financial Times zufolge sichert sich Tencent über südostasiatische Oracle-Rechenzentren Zugriff auf rund 100.000 hochentwickelte KI-Prozessoren.

An den Märkten sorgte die Nachricht prompt für Erleichterung: Die Oracle-Aktie legt heute um 2,0 Prozent auf 123,70 Euro zu. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Dieser Vorstoß ist kein risikoloser Triumph, sondern erhöht den Druck auf einen ohnehin gefährlich strapazierten Konzern.

Milliardendeal mit regulatorischem Sprengstoff

Strategisch lässt sich der Schritt nachvollziehen. Die Vereinbarung mit Tencent diversifiziert das Cloud-Geschäft, das bisher stark an Partner wie OpenAI gebunden ist. Zudem soll Tencent rund 30 Prozent der Vertragssumme im Voraus zahlen – frische Liquidität, die der Konzern dringend benötigt.

Gleichzeitig birgt dieser Offshore-Zugang jedoch erhebliche politische Risiken. Während Washington den direkten Export moderner Halbleiter nach China rigoros einschränkt, nutzt Tencent nun Rechenkapazitäten in Südostasien. Für mich steht außer Frage, dass dieser Umweg das Misstrauen der US-Aufsichtsbehörden wecken dürfte.

Sollten die Regulierer die Daumenschrauben anziehen und auch die Bereitstellung von Rechenleistung im Ausland beschränken, droht Oracle genau auf den gewaltigen Vorleistungen sitzenzubleiben, die der Konzern für diesen Deal stemmen muss.

Der harte Aufprall auf der Baustelle

Noch schwerer wiegt aus meiner Sicht die Kluft zwischen den vertraglich versprochenen Rechenleistungen und der Realität auf den Baustellen. Die aggressive Expansion stößt an greifbare physikalische und juristische Grenzen.

Beim gigantischen 165-Milliarden-Dollar-Campus „Project Jupiter“ in New Mexico sah sich der Konzern jüngst gezwungen, gegenüber dem Entwickler höhere Gewalt geltend zu machen, um sich vor drohenden Kosten bei Terminverfehlungen abzusichern.

Zwar meldete Oracle heute nach Überschwemmungen auf dem Areal, dass keine kritische Infrastruktur beschädigt worden sei, doch das Projekt hinkt dem ursprünglichen Zeitplan bereits um Monate hinterher. Dass ein von Banken bereitgestellter 18-Milliarden-Dollar-Kredit für das Projekt zuletzt bei rund 90 Cent je Dollar gehandelt wurde, zeigt das Misstrauen der Gläubiger unmissverständlich.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Wisconsin beim „Project Lighthouse“ ab: Dort bremsen Streitigkeiten um Genehmigungen und Hochspannungs-Netzanschlüsse den Ausbau. Wenn der benötigte Strom erst mit Monaten oder Jahren Verspätung fließt, verpufft der Zeitvorteil im KI-Wettlauf.

Gewaltige Schulden engen den Spielraum ein

Unterm Strich offenbart sich hier eine gefährliche Schieflage. Um die gigantischen Infrastrukturversprechen zu erfüllen, investierte Oracle allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 enorme 28,5 Milliarden US-Dollar an Sachinvestitionen.

Mit einem Minus von 26 Prozent seit Jahresanfang spiegelt der Aktienkurs die Skepsis der Investoren bereits wider.

Der Tencent-Deal belegt zwar, dass die Nachfrage nach Oracles Cloud-Kapazitäten intakt ist. Doch Verträge sind wertlos, wenn Rechenzentren nicht ans Netz gehen können oder neue Exportregeln das Modell durchkreuzen.

Für Anleger überwiegen derzeit die operativen Ausführungsrisiken. Solange Oracle den Beweis schuldig bleibt, seine Mammutprojekte im Zeit- und Budgetrahmen ans Netz zu bringen, bleibt die jüngste Erleichterung an der Börse auf tönernen Füßen gebaut.

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