Oracle Aktie: Gaspipeline für Project Jupiter bis Februar 2027 verzögert
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 15:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle steckt in einem Widerspruch, den man nicht schönreden kann: Während das Unternehmen Milliarden in KI-Infrastruktur pumpt, bereitet es sich laut Medienberichten zeitgleich auf eine neue Entlassungswelle vor, die zum 1. September beginnen soll. Für mich ist das der eigentliche Prüfstein für die Aktie – nicht die nächste Cloud-Ankündigung.
Sparen und Investieren zugleich
Die Zahlen hinter dem geplanten Stellenabbau sind drastisch. Im Geschäftsjahr 2026 schrumpfte die Belegschaft bereits von 162.000 auf 141.000 Mitarbeiter. Berichten zufolge sollen Manager nun erneut Rollen identifizieren, die wegfallen könnten – offenbar um die schweren Ausgaben für KI-Infrastruktur zu kompensieren.
Gleichzeitig plant Oracle für das laufende Geschäftsjahr Investitionen von 95 Milliarden Dollar. Diese Kombination aus Kostendisziplin nach innen und Investitionsoffensive nach außen wirkt auf mich wie ein Unternehmen, das seine eigene Wette unter enormem finanziellem Druck absichert.
Der Druck ist real: Im vergangenen Geschäftsjahr war der freie Cashflow mit minus 23,7 Milliarden Dollar deutlich negativ, S&P Global stufte die Kreditwürdigkeit auf BBB- herab. Wer glaubt, Oracles KI-Expansion sei ein Selbstläufer, muss diese Zahl erst einmal erklären.
Die Infrastruktur-Probleme sind konkret, nicht abstrakt
Was mich an der aktuellen Lage besonders nachdenklich macht, ist die Häufung handfester operativer Probleme rund um das "Stargate"-Projekt mit OpenAI.
Die Gaspipeline, die das für 165 Milliarden Dollar geplante Rechenzentrum "Project Jupiter" in New Mexico versorgen soll, verzögert sich wegen eines Landstreits mit der New Mexico State Land Office nun bis zum 1. Februar 2027 – ursprünglich war der 15. August 2026 als Ziel gesetzt.
Die Aktie reagierte darauf am 18. August mit einem Kursrückgang von rund 3,7 Prozent. Das ist kein Randdetail, sondern zeigt: Die physische Umsetzung von Oracles KI-Ambitionen hängt an Genehmigungen, Land und Energieinfrastruktur – Dinge, die sich nicht per Pressemitteilung beschleunigen lassen.
Auf der positiven Seite steht die operative Substanz weiterhin nicht schlecht da. Oracle Fusion Cloud Supply Chain & Manufacturing wurde im Gartner Magic Quadrant 2026 als Leader eingestuft und führte in drei Anwendungsfällen. Auch die Partnerschaft mit AWS, die Oracle Exadata Database Service nun in 22 AWS-Regionen verfügbar macht, zeigt, dass das Kerngeschäft nicht stillsteht.
Bei der Deutsche Bank Tech Conference versuchte Oracle zudem, Anlegersorgen bezüglich der Schulden für KI-Anlagen für Partner wie Microsoft und OpenAI zu adressieren, indem das Unternehmen auf konkrete Performance-Ergebnisse bei Großkunden verwies.
Ein Analyst sieht den Einstieg, doch die Skepsis bleibt berechtigt
Citigroup setzte Oracle am Dienstag auf eine 90-tägige "Positive Catalyst Watch" und bekräftigte ein Kaufvotum mit Kursziel 330 Dollar – begründet mit einem attraktiven Einstiegspunkt nach dem jüngsten Kursrückgang und starker Nachfrage nach KI-Cloud-Infrastruktur. Das ist eine klare Einschätzung, aber sie kommt von einem einzigen Haus und sollte nicht als Konsens missverstanden werden.
Die Aktie notiert aktuell bei 130,00 Euro und damit 56 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro vom 10. September 2025. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent zu Buche. Diese Abschläge zeigen, dass der Markt die Risiken längst eingepreist hat – die Frage ist, ob er sie richtig gewichtet.
Mein Fazit
Für mich überwiegen momentan die Fragezeichen. Die Sicherheitspatches vom 24. August mit 925 behobenen Schwachstellen sind Routine und kein Warnsignal. Doch die Kombination aus Stellenabbau, negativem Cashflow, Bonitätsabstufung und einer verzögerten Gaspipeline für das zentrale Stargate-Projekt spricht dafür, dass Oracles KI-Wette noch lange nicht entschieden ist.
Die Quartalszahlen am 4. September, mit einer erwarteten Cloud-Umsatzwachstumsrate zwischen 58 und 64 Prozent, dürften zeigen, ob das operative Momentum die finanziellen Risiken tatsächlich rechtfertigt – oder ob die Skepsis der letzten Monate berechtigt bleibt.
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