Palantir, Aktie

Palantir Aktie: 245-Dollar-Ziel nach 93-Prozent-Sprung

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 08:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Palantir übertrifft Erwartungen deutlich und hebt die Jahresprognose an. Analysten reagieren mit Kurszielerhöhungen, während Ark Invest Anteile verkauft.

Palantir Aktie: Rekordquartal und Prognoseanhebung beflügeln den Kurs
Abstrakte Darstellung einer modernen Dateninfrastruktur mit leuchtenden Lichtleitern für technologische Expansion. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Palantir Technologies hat am Montag Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Schätzungen weit hinter sich lassen. Der Softwarekonzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr und hob die Umsatzprognose für das laufende Jahr auf ein Wachstum von 82 Prozent an. Die Nachricht setzte eine Rally in Gang, die sich bis zum Freitag fortsetzte: Im deutschen Handel schloss die Aktie an diesem Tag bei 148,84 Euro, ein Tagesplus von 9,88 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Kursgewinn von 39,47 Prozent zu Buche.

Rekordquartal treibt die Rally

Palantir verdiente im zweiten Quartal 0,41 US-Dollar pro Aktie und übertraf die Konsensschätzung von 0,35 Dollar um mehr als 18 Prozent. Der Umsatz kletterte auf 1,94 Milliarden Dollar, während Analysten im Schnitt nur 1,81 Milliarden erwartet hatten. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen nun mit Erlösen zwischen 8,15 und 8,16 Milliarden Dollar sowie einem freien Cashflow von bis zu 4,70 Milliarden Dollar.

Besonders kräftig entwickelte sich das US-Geschäft mit Privatkunden: Der Umsatz in diesem Segment sprang um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar. Palantir hob deshalb auch die Prognose für die US-Commercial-Sparte an, auf über 3,42 Milliarden Dollar für das laufende Jahr, nach zuvor 3,22 Milliarden. Der Wert noch nicht abgerechneter US-Firmenaufträge hat sich binnen eines Jahres auf 6,24 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Auch die Kundenbindung fiel stark aus: Die Netto-Dollar-Retention erreichte 157 Prozent, die Zahl der US-Geschäftskunden wuchs binnen eines Jahres um 35 Prozent auf 653. Im Quartal schloss das Unternehmen 220 Abschlüsse mit einem Volumen von mindestens einer Million Dollar ab, davon 73 über zehn Millionen Dollar. Für das dritte Quartal stellt Palantir einen Umsatz von 2,160 bis 2,164 Milliarden Dollar in Aussicht.

Analysten heben Kursziele deutlich an

Die Reaktion der Wall-Street-Häuser fiel einhellig positiv aus. Citi-Analyst Tyler Radke erhöhte sein Kursziel am Dienstag von 200 auf 245 Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Radke begründete den Schritt mit der beschleunigten Wachstumsdynamik, dem Rekordquartal im US-Geschäft und den verbesserten Vertragskennziffern. Deutsche Bank stufte die Aktie am selben Tag von "Hold" auf "Buy" hoch und beließ das Kursziel bei 200 Dollar; die Bank bezeichnete den Quartalsbericht als "außergewöhnlich".

Mehrere weitere Häuser folgten mit ähnlichen Anhebungen, die Kurszielspanne bewegt sich mittlerweile zwischen 200 und 245 US-Dollar. Getrieben wurde die Anhebungswelle vor allem durch die um 500 Millionen Dollar erhöhte Umsatzprognose und die auf 134 Prozent hochgeschraubte Wachstumserwartung für das US-Commercial-Geschäft.

Ark Invest reduziert Position trotz Rally

Nicht alle Investoren folgten der Euphorie. Cathie Woods Ark Invest verkaufte am Dienstag und Mittwoch Palantir-Aktien im Wert von rund 17 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 109.500 Stück. Am Donnerstag reduzierte der Fonds die Position um weitere 70.259 Aktien im Wert von etwa 11,4 Millionen Dollar. Trotz der Verkäufe bleibt Palantir mit rund 3,11 Millionen Anteilen im Wert von etwa 493 Millionen Dollar eine der zehn größten Positionen im Ark-Portfolio.

Auch Kritiker meldeten sich zu Wort. Der als Palantir-Shortseller bekannte Michael Burry erneuerte am Dienstag über X seine Kritik an der Bewertung des Konzerns. Palantir-Chef Alex Karp zeigte sich im Gespräch mit CNBC dagegen zuversichtlich und erwartet, dass die Wachstumsdynamik "noch mindestens 18 Monate" anhält. Morningstar würdigte am Donnerstag Wachstum und Margen als die stärksten im eigenen Software-Coverage, warnte aber, die Bewertung lasse "wenig Spielraum für Fehler". Das Analysehaus beließ seinen fairen Wert bei 153 Dollar, was einem Abwärtspotenzial von 6 Prozent entspräche.

Steuerdebatte in Großbritannien belastet den Ruf

Parallel zur Kursrally gerieten Palantirs Steuerpraktiken in Großbritannien in den Fokus. Das Centre for International Corporate Tax Accountability and Research berichtete am Mittwoch, der Konzern habe 2024 bei einem britischen Umsatz von 247 Millionen Pfund und einem Gewinn von 25,3 Millionen Pfund lediglich 2 Millionen Pfund Körperschaftssteuer gezahlt. Das entspricht einem effektiven Steuersatz von gut 8 Prozent, deutlich unter dem regulären britischen Satz von 25 Prozent. Weltweit habe die effektive Steuerquote sogar nur 1,4 Prozent betragen, so die Organisation.

Ein Palantir-Sprecher wies die Kritik an der internen Verrechnungspreispraxis als "schlicht nicht glaubwürdig" zurück und verwies darauf, dass US-Muttergesellschaften üblicherweise im Ausland erzielte Umsätze verbuchen. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr 148 Millionen Dollar an britischen Lohnsteuern gezahlt. Palantir hält laut der Untersuchung inzwischen britische Staatsaufträge im Wert von rund 670 Millionen Pfund, darunter einen im Dezember ohne Ausschreibung vergebenen Dreijahresvertrag mit dem britischen Verteidigungsministerium über 240 Millionen Pfund.

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