PayPal Aktie: 60,50-Dollar-Angebot zu niedrig
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
PayPal treibt seit Monaten eine Frage um, die für die Aktie alles entscheidet: Verkauft sich das Unternehmen an Stripe und Advent International, oder beweist es lieber auf eigene Faust, dass es mehr wert ist als jedes Angebot? Nach allem, was seit Juli bekannt wurde, tendiere ich zu Letzterem – und genau das macht die Geschichte für Anleger so spannend.
Ein Angebot, das PayPal offenbar zu niedrig findet
Die Fakten liegen auf dem Tisch: Stripe und Advent International bieten 60,50 US-Dollar je Aktie, umgerechnet ein Volumen von rund 53 Milliarden US-Dollar.
CEO Enrique Lores hat die Gespräche nicht abgebrochen, ließ aber im Juli durchblicken, dass er nur einem Deal zustimmen würde, der "überlegenen Wert" für die Aktionäre schafft. Das ist bemerkenswert deutlich formuliert für eine Führungskraft, die eigentlich in Übernahmegesprächen steckt.
Laut TechCrunch laufen die Verhandlungen zwischen den Parteien weiter, und ein Abschluss könnte in den kommenden Wochen zustande kommen. Für mich liest sich das weniger wie eine Kapitulation als wie ein Pokerspiel, bei dem PayPal die besseren Karten zu haben glaubt.
Diese Haltung wirkt nicht aus der Luft gegriffen. Am 28. Juli legte PayPal Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, die den Netto-Umsatz um 5 Prozent auf 8,7 Milliarden US-Dollar steigen ließen, währungsbereinigt um 3 Prozent.
Das Ergebnis je Aktie auf Non-GAAP-Basis fiel zwar leicht um 1 Prozent auf 1,38 US-Dollar, doch das Unternehmen hob dennoch seine Jahresprognose an – ein Vertrauensbeweis in die eigene Entwicklung, den ich als Kontrapunkt zum Verkaufsangebot lese. Wer die Jahresprognose anhebt, verhandelt aus einer Position der Stärke, nicht der Not.
Operative Signale sprechen für die eigenständige Story
Besonders aufschlussreich finde ich die operativen Details hinter den Schlagzeilen. Die Venmo-Debitkarte verzeichnete einen Anstieg der monatlich aktiven Konten um mehr als 50 Prozent im Jahresvergleich, das Zahlungsvolumen bei Braintree wuchs im mittleren Zehnerprozentbereich.
Gleichzeitig treibt PayPal ein Kostenprogramm voran: Für 2026 werden 400 Millionen US-Dollar an Bruttoeinsparungen im laufenden Jahr angepeilt, mittelfristig sogar mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar über die folgenden zwei bis drei Jahre. Das sind keine kosmetischen Korrekturen, sondern strukturelle Eingriffe, die den Gewinnhebel für die Zukunft stärken sollen.
Anfang August kündigte Lores zudem an, künftig erstmals konkrete Umsatzziele für die drei Hauptgeschäftsbereiche des Unternehmens auszuweisen und die Berichterstattung grundlegend umzustellen.
Für mich ist das ein weiteres Indiz, dass das Management nicht auf einen schnellen Verkauf schielt, sondern Transparenz schafft, um den eigenen Wert am Kapitalmarkt sichtbarer zu machen – ein Schritt, der in Übernahmeverhandlungen wenig Sinn ergäbe, wenn man ohnehin bald von der Börse verschwindet.
Was der Kurs über die Stimmung verrät
Der Markt hat die Gemengelage bereits eingepreist. Am Freitag schloss die Aktie bei 53,22 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent, und binnen 30 Tagen türmte sich der Zuwachs auf 9,9 Prozent. Das 52-Wochen-Tief vom 12. Februar bei 32,42 Euro liegt damit weit hinter dem Papier, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch vom 28. Oktober 2025 bei 70,78 Euro noch 25 Prozent beträgt.
Diese Spanne zeigt, wie sehr die Übernahmefantasie und die operative Erholung parallel wirken, ohne dass der Markt schon eine Entscheidung vorwegnimmt.
Mein Fazit
Unterm Strich spricht für mich mehr dafür, dass PayPal die Verhandlungsposition nutzt, um ein höheres Gebot zu erzwingen, als dass das Unternehmen zu 60,50 US-Dollar unter Wert verkauft.
Die angehobene Prognose, das Wachstum bei Venmo und Braintree sowie die angekündigte Transparenzoffensive bei den Segmentzielen passen eher zu einem Unternehmen, das seinen eigenständigen Weg verteidigen will, als zu einem, das sich verkaufsbereit zeigt.
Ob es am Ende zu einer Einigung mit Stripe und Advent kommt oder PayPal den Alleingang fortsetzt – die kommenden Wochen dürften zeigen, wessen Rechnung aufgeht.
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