Plug Power Aktie: 100-Megawatt-Anlage in Antwerpen gestoppt
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Plug Power beendet ein weiteres internationales Großprojekt, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgt ist. Das Unternehmen hat am Donnerstag die geplante 100-Megawatt-Anlage für grünen Wasserstoff am Hafen Antwerpen-Brügge in Belgien gestoppt.
Als Gründe nennt der Konzern zunehmende finanzielle Unsicherheiten und einen schwächer als erwartet anlaufenden Markt für grünen Wasserstoff. Die Streichung führt zu einer Wertminderung von 15,8 Millionen Dollar.
Ein weiteres Projekt fällt der Konsolidierung zum Opfer
Das Aus für Antwerpen reiht sich in eine Serie von Einschnitten, mit denen Plug Power sein Portfolio auf tragfähige Vorhaben verengt. Anders als bei bereits laufenden Anlagen war in Belgien noch kein Baubeginn erfolgt – der finanzielle Schaden bleibt damit überschaubar.
Dennoch zeigt der Schritt, wie vorsichtig das Management inzwischen mit neuen Kapitalbindungen umgeht, während an anderer Stelle Liquidität freigesetzt wird: Vor rund einem Monat hatte der Verkauf des Graham-Projekts in Texas frisches Geld gebracht, seither hat sich der Kurs um 3,0 Prozent erholt.
Auch die vor gut drei Wochen bekannt gewordene Kündigung der 1,66-Milliarden-Dollar-Kreditgarantie durch das US-Energieministerium wirkte trotz des Verlusts einer wichtigen Finanzierungsquelle nicht belastend – die Aktie legte danach um 3,3 Prozent zu.
Am Freitag reagierte das Papier zudem auf eine sektorweite Erleichterungsrally: Gemeinsam mit kleineren, volatilen Wasserstoff-Werten wie FuelCell Energy zog der Kurs um 3,3 Prozent an, nachdem am Vortag ein breiter Ausverkauf in der Branche stattgefunden hatte.
Getragen wurde die Bewegung von einer allgemeinen Erholung am Energiemarkt infolge von Engpässen bei Wasserstoff an der US-Golfküste sowie geopolitischen Spannungen, die die Raffinerieproduktion beeinträchtigen.
Mit 1,94 Euro zum Freitagsschluss notiert die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 2,05 Euro und mehr als die Hälfte unter dem 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro aus dem Oktober.
Institutionelle Anleger bauen Positionen aus
Während operative Rückschläge wie Antwerpen die Nachrichtenlage prägen, zeigt sich bei institutionellen Investoren ein anderes Bild. Dimensional Fund Advisors erhöhte seine Beteiligung nach einer Pflichtmitteilung im ersten Quartal um 241 Prozent auf 18,1 Millionen Aktien.
Auch die California State Teachers Retirement System stockte ihre Position im gleichen Zeitraum um 45,6 Prozent auf gut 1,56 Millionen Aktien auf. Russell Investments Group meldete für das zweite Quartal sogar einen Zuwachs von 553,9 Prozent auf 710.470 Aktien.
Diese Aufstockungen fallen in eine Phase, in der Plug Power vor gut einer Woche Quartalszahlen vorgelegt hatte, die operative Fortschritte zeigten – die Bruttomarge näherte sich der Nulllinie und die Jahresprognose für das Umsatzwachstum wurde angehoben. Seit der Vorlage hat sich der Kurs dennoch um 2,1 Prozent abgeschwächt, was zeigt, dass operative Verbesserungen allein die Skepsis vieler Marktteilnehmer bislang nicht auflösen konnten.
Analysten bleiben tief gespalten
Die Einschätzungen der Wall Street könnten kaum weiter auseinanderliegen. Morgan Stanley, Citigroup und BMO Capital Markets bekräftigten am 13. August ihre negativen Einstufungen mit Kurszielen zwischen 0,75 und 1,65 Dollar und verwiesen auf anhaltende Sorgen wegen des Cash-Verbrauchs und möglicher Verwässerung durch neue Aktien. Auf der anderen Seite hatte HC Wainwright am 16. August nach dem Quartalsbericht ein "Buy"-Rating mit Kursziel 7,00 Dollar bestätigt.
Diese Spannbreite spiegelt die Kernfrage für Anleger wider: Reicht die freigesetzte Liquidität aus Projektverkäufen, um die Zeit bis zum angestrebten positiven EBITDAS im vierten Quartal 2026 zu überbrücken, während gleichzeitig unrentable Vorhaben wie Antwerpen abgestoßen werden?
Der Rückzug aus Belgien beantwortet diese Frage nicht endgültig, zeigt aber, dass das Management bereit ist, auch schmerzhafte Einschnitte hinzunehmen, um das Portfolio zu straffen.
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