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Redcare Pharmacy Aktie: Markt zweifelt am Wachstum

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 02:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Redcare Pharmacy steigert Umsatz und Marge im zweiten Quartal, doch nachlassendes Rx-Wachstum belastet den Ausblick für 2026.

Makroaufnahme von weißen unbeschrifteten Tabletten und Kapseln mit dramatischem Licht
Redcare Pharmacy (Shop Apoth), ISIN NL0012044747, zeigt Makroaufnahme markenfreier weißer Tabletten und Kapseln mit Streiflicht Illustration mit AI erstellt.

Ein neuer Chef, gute Zahlen, aber ein Kurs, der einfach nicht aufhört zu fallen – bei Redcare Pharmacy passt seit Wochen etwas nicht zusammen. Gestern verlor die Aktie 6,6 Prozent und schloss bei 57,00 Euro. Unterm Strich sehe ich hier einen Markt, der operative Stärke systematisch ignoriert, weil er auf etwas anderes wartet.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache als der Kurs

Peter Schmid von Linstow übernimmt zum 1. Oktober den Vorstandsvorsitz von Olaf Heinrich, der nach drei Jahren zurücktritt und dem Unternehmen künftig beratend zur Seite steht. Der Aufsichtsrat hatte den Wechsel Ende August verkündet, die Hauptversammlung soll die Personalie am 14. Oktober formal bestätigen.

Schmid von Linstow sitzt seit April im Aufsichtsrat und bringt über 20 Jahre Führungserfahrung aus digitalen Plattformgeschäften mit, unter anderem bei Visable, Parship, eBay und AutoScout24. Das ist, für sich genommen, eine geordnete, langfristig geplante Übergabe – keine Nachricht, die einen Kursrutsch dieser Größenordnung rechtfertigt.

Noch deutlicher wird die Diskrepanz, wenn man auf die Geschäftszahlen schaut. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro, getragen von DACH mit plus 21 Prozent und dem internationalen Geschäft mit plus 17 Prozent.

Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte auf 3,5 Prozent – der höchste Wert seit zehn Jahren. Das internationale Segment erzielte erstmals ein positives bereinigtes EBITDA. Die aktive Kundenbasis wuchs um 9 Prozent auf 14,7 Millionen. Auch die Jahresprognose wurde nach oben gesetzt: Statt 13 bis 15 Prozent erwartet das Unternehmen nun ein Umsatzwachstum von 15 bis 17 Prozent für 2026.

Wer diese Zahlen mit dem Kursverlauf der vergangenen Wochen vergleicht, muss sich fragen, ob der Markt überhaupt noch auf Fundamentaldaten reagiert. Seit der operativ betonten Mitteilung vor rund zwei Wochen ist die Aktie um 11,4 Prozent gefallen, seit dem Halbjahresbericht vor rund einem Monat um 8,6 Prozent, seit der jüngsten Unternehmensmitteilung vor gut drei Wochen um 6,6 Prozent. Jede einzelne dieser Nachrichten war für sich positiv oder zumindest neutral. Die kumulierte Kursreaktion ist trotzdem durchgehend negativ.

Wo die eigentliche Vorsicht herkommt

Für mich liegt der eigentliche Belastungsfaktor nicht in der Vergangenheit, sondern in der zweiten Jahreshälfte. Das Unternehmen selbst hat eingeräumt, dass das Rx-Wachstum spürbar nachlassen dürfte, weil der Vergleichseffekt aus dem 2025 eingeführten Rezeptbonus wegfällt.

Auch die Julientwicklung lag mit knapp unter 20 Prozent Gruppenwachstum leicht unter dem bisherigen Tempo, während das deutsche Non-Rx-Geschäft nur noch im einstelligen Bereich zulegte. Das ist keine Katastrophe, aber es erklärt, warum Anleger die starken Q2-Zahlen als Höhepunkt statt als Trendbestätigung lesen könnten.

Die technischen Indikatoren untermauern dieses Bild einer Aktie im Übergangsmodus: Mit einem RSI von 37,3 ist das Papier zwar überverkauft, ohne dass sich daraus zwingend eine Bodenbildung ableiten lässt.

Der Kurs notiert knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 57,17 Euro und rund 12 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt – ein Bild fortgesetzter Schwäche, nicht Stabilisierung. Die annualisierte Volatilität von 49 Prozent zeigt, wie nervös der Handel derzeit ist.

Die Führungsfrage ist damit meiner Einschätzung nach nicht der Kern des Problems. Schmid von Linstow tritt ein Unternehmen an, das operativ liefert – zweistelliges Wachstum, steigende Margen, ein erstmals profitables Auslandsgeschäft. Die Frage, die der Markt gerade neu verhandelt, ist eine andere: Wie tragfähig ist das Wachstumstempo, wenn der Sondereffekt aus dem Rezeptbonus 2026 ausläuft?

Bis die Antwort mit harten Zahlen aus dem zweiten Halbjahr vorliegt, dürfte die Aktie meiner Ansicht nach volatil bleiben – unabhängig davon, wer im Vorstand sitzt. Die Hauptversammlung am 14. Oktober wird die Personalie bestätigen, mehr aber vermutlich nicht ändern.

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