Reliance Worldwide Aktie: Brookfield bietet 4,75 Dollar
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Übernahmeangebot hat die Aktie von Reliance Worldwide regelrecht beflügelt. Der australische Sanitärtechnik-Hersteller meldete am Dienstag zusammen mit den Jahreszahlen ein unverbindliches Angebot von Brookfield Capital Partners über 4,75 australische Dollar je Aktie in bar. Die Reaktion an der Börse: ein Kurssprung von 22,7 Prozent auf 4,43 australische Dollar.
Das Angebot bewertet Reliance Worldwide mit einem Unternehmenswert von rund 4,1 Milliarden australischen Dollar. Damit liegt der Preis deutlich über dem letzten Schlusskurs von 3,61 Dollar vor der Meldung, bleibt aber unter dem 52-Wochen-Hoch von 4,62 Dollar.
Brookfield hatte bereits im April und Mai niedrigere Offerten von 4,15, 4,25 und 4,50 Dollar vorgelegt, die der Vorstand als unzureichend abgelehnt hatte.
Vier Wochen Exklusivität, dann die Entscheidung
Reliance Worldwide und Brookfield haben eine Process Deed unterzeichnet. Bis zum 15. September gilt eine Exklusivitätsphase, in der das Unternehmen keine konkurrierenden Angebote einholen darf.
Kommt es danach zu einer förmlichen Scheme Implementation Deed, erhält Reliance Worldwide eine 30-tägige "Go-Shop"-Frist, um alternative Bieter zu suchen. Der Vorstand betont, es gebe keine Garantie für einen endgültigen Deal, und rät Aktionären vorerst zu keiner Reaktion.
Wegen des laufenden Prozesses entfällt die Schlussdividende für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 komplett. Auch das laufende Aktienrückkaufprogramm, im Zuge dessen bereits 25,5 Millionen Aktien für 85,7 Millionen Dollar zurückgekauft wurden, ist ausgesetzt. Sollte die Transaktion scheitern, will das Management Dividenden und Rückkäufe ab 2027 wieder aufnehmen.
Operatives Geschäft bleibt unter Druck
Das Übernahmeangebot überdeckt schwächere operative Zahlen. Der bereinigte Gewinn je Aktie fiel im Geschäftsjahr 2026 auf 16,5 US-Cent, nach 19,0 US-Cent im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA sank um 12,8 Prozent auf 242,1 Millionen australische Dollar, die Marge schrumpfte auf 18,5 Prozent von zuvor 21,1 Prozent.
US-Zölle, höhere Kupferpreise und schwächere Nachfrage in Amerika und Europa belasteten das Ergebnis. Der Konzern reagierte mit Preiserhöhungen und Einsparungen von 10 Millionen Dollar. Trotz der Gewinndelle blieb der operative Cashflow mit 263,4 Millionen Dollar robust — die Nettoverschuldung sank dadurch auf 243,4 Millionen Dollar, das Verschuldungsverhältnis verbesserte sich auf das 1,11-Fache.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Management ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, getragen vor allem von Preisanpassungen und neuen Produkten aus der Umstellung auf Edelstahl-Fittings, die ab dem ersten Quartal des Kalenderjahres 2027 in den Markt kommen sollen. Eine spürbare Erholung der Endmärkte stellt der Konzern dabei nicht in Aussicht.
Bis zum 15. September entscheidet sich, ob aus dem unverbindlichen Angebot ein bindender Vertrag wird. Bleibt es bei den 4,75 australischen Dollar je Aktie, dürfte der aktuelle Kurs nahe diesem Niveau verharren — scheitert die Transaktion, rückt die operative Transformation des Unternehmens wieder in den Mittelpunkt.
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