Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: 18-Monats-Auftrag der US-Armee

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 20:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rheinmetall sichert sich AuftrĂ€ge fĂŒr autonome US-MilitĂ€rfahrzeuge und britische Radhaubitzen-Waffenanlagen, wĂ€hrend Analysten die Aktie in einer kritischen Phase sehen.

Rheinmetall erhĂ€lt NATO-AuftrĂ€ge fĂŒr autonome Fahrzeuge und Radhaubitzen
Abstrakte Darstellung moderner Verteidigungstechnologie und industrieller Fertigung in einem professionellen Umfeld. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Rheinmetall hat am Freitag gleich zwei neue AuftrĂ€ge aus dem westlichen VerteidigungsbĂŒndnis vermeldet. In den USA baut der Konzern sein GeschĂ€ft mit autonomen MilitĂ€rfahrzeugen aus, in Großbritannien liefert er Waffenanlagen fĂŒr eine Radhaubitze. Beide Meldungen unterstreichen, wie breit Rheinmetall inzwischen im NATO-Raum aufgestellt ist.

US-Armee bestellt autonome Versorgungsfahrzeuge

Die US-Tochter American Rheinmetall hat von der US-Armee einen 18-monatigen Auftrag fĂŒr autonome, hybridbetriebene unbemannte Bodenfahrzeuge erhalten. Grundlage ist das Programm „Project Sustainment", vergeben ĂŒber das National Advanced Mobility Consortium. American Rheinmetall tritt als Hauptauftragnehmer auf und liefert die Fahrzeuge auf Basis der Harbinger-Hybridplattform.

FĂŒr die autonome Steuerung arbeitet der Konzern mit Forterra zusammen, fĂŒr die Sprachsteuerung mit Primordial Labs, deren System Anura zum Einsatz kommt. Jim Schirmer aus dem Vertrieb betonte, der Auftrag treibe den Ausbau des amerikanischen Portfolios voran. FolgeauftrĂ€ge gelten als möglich. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von US-GeschĂ€ften ein, nachdem die Rheinmetall-Zahlen zum zweiten Quartal die Markterwartungen bereits ĂŒbertroffen hatten.

Parallel dazu positioniert sich Rheinmetall mit dem SchĂŒtzenpanzer Lynx KF41 fĂŒr das amerikanische Modernisierungsprogramm OMFV. Das Fahrzeug verfĂŒgt ĂŒber eine 50-mm-Kanone vom Typ XM913, ein KI-gestĂŒtztes Zielsystem und das Schutzsystem Trophy APS, die Fertigung ist fĂŒr Redford in Michigan vorgesehen.

Britische Radhaubitze erhÀlt Waffenanlagen aus Deutschland

Zweite Nachricht des Tages: Rheinmetall liefert 72 Waffenanlagen des Kalibers 155 mm L/52 RC fĂŒr die britische Radhaubitze RCH 155. Der Auftragswert bewegt sich im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, bestellt wurde bereits im Mai, verbucht wurde der Auftragseingang im zweiten Quartal. Gefertigt werden die Systeme in einer neuen GeschĂŒtzfertigung im britischen Telford.

Die RCH 155 selbst stammt vom Gemeinschaftsunternehmen ARTEC, an dem Rheinmetall gemeinsam mit KNDS beteiligt ist. Das System basiert auf dem Boxer-Fahrmodul und trÀgt einen unbemannten Turm, der auch wÀhrend der Fahrt feuern kann. Auch Deutschland beschafft die Radhaubitze, was Rheinmetall zusÀtzliche Skaleneffekte in der Fertigung verschafft.

Analysten sehen Aktie in kritischer Phase

Die beiden AuftrĂ€ge treffen auf eine Aktie, die sich zuletzt stabilisiert hat, ohne den Bewertungseinbruch des Jahres wettzumachen. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 1.145,00 Euro, nahezu unverĂ€ndert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 10,74 Prozent zu Buche – ein Zeichen, dass die jĂŒngsten Auftragsmeldungen bei Anlegern ankommen.

Der Blick auf das Gesamtbild bleibt jedoch gedĂ€mpft: Zum 200-Tage-Durchschnitt liegt die Aktie weiterhin 22,32 Prozent im Minus, was auf einen lĂ€ngerfristigen AbwĂ€rtstrend seit dem Rekordhoch von 2.007,00 Euro im vergangenen Oktober hindeutet. UBS-Analysten bezeichneten die Aktie deshalb als in einer kritischen Phase befindlich, mit einem Kursverlauf, der derzeit eher seitwĂ€rts tendiert. Uneinigkeit besteht den Analysten zufolge vor allem darĂŒber, auf welchem Niveau sich eine belastbare UnterstĂŒtzung etabliert. Als Treiber der Nachfrage nach RĂŒstungswerten insgesamt gelten weiterhin die geopolitischen Spannungen und steigende Verteidigungsbudgets in Europa und den USA.

Ein weiterer Aspekt fĂŒr Rheinmetall-Anleger könnte sich aus der Neuordnung bei Iveco ergeben: Der italienische RĂŒstungskonzern Leonardo prĂŒft nach der Übernahme des Nutzfahrzeugherstellers Iveco Optionen fĂŒr dessen Verteidigungssparte Iveco Defence Vehicles, deren Auftragsbestand bei 6 Milliarden Euro liegt. Ein Verkauf an Rheinmetall gilt dabei lediglich als eine von mehreren möglichen Varianten, weitere Interessenten sind im Rennen.

Mit Spannung blicken Anleger nun auf die Halbjahreszahlen der Branche in der kommenden Woche, wĂ€hrend sich das operative GeschĂ€ft von Rheinmetall mit den neuen AuftrĂ€gen aus den USA und Großbritannien weiter verbreitert.

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