Rheinmetall Aktie: 5,5-Milliarden-Übernahme von Naval Systems
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 04:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheinmetall baut sein Marinegeschäft mit einem neuen Auftrag aus Dänemark weiter aus. Das Unternehmen erhält von den dänischen Streitkräften den Zuschlag für das Schiffsschutzsystem MASS (Multi Ammunition Softkill System), das auf Fregatten der ABSALON- und der IVER-HUITFELDT-Klasse zum Einsatz kommen soll. Die Aktie reagierte am vergangenen Wochenende zeitweise mit einem Kurssprung von mehr als 3 Prozent.
Marinesparte gewinnt an Gewicht
Der dänische Auftrag reiht sich in eine Serie von Marine- und Rüstungsgeschäften ein, die Rheinmetall in den vergangenen Monaten an Land gezogen hat. Erst im Frühjahr hatte der Konzern die Übernahme von Naval Systems (NVL) abgeschlossen und damit ein Projektvolumen von 5,5 Milliarden Euro in die eigene Bilanz integriert.
Die Ausrüstung skandinavischer Marinen mit Schutzsystemen unterstreicht, dass Rheinmetall im maritimen Segment über die reine Landsystemtechnik hinaus zunehmend als Zulieferer für komplexe Schiffstechnik auftritt.
Zugleich zeigt der Auftrag, dass Rheinmetall trotz des im Sommer gestoppten deutschen F126-Fregattenprojekts international weiter gefragt ist. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte das Vorhaben, bei dem Rheinmetall als Lead Contractor fungierte, wegen Kosten und Verzögerungen zugunsten kleinerer MEKO-A-200-Fregatten von ThyssenKrupp Marine Systems beendet.
Investitionen in Höhe von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro muss der Konzern deshalb teilweise abschreiben – ein Rückschlag, der die Guidance für das laufende Geschäftsjahr belastet hat.
Auftragsbestand bleibt hoch, Guidance vorsichtiger
Der jüngste Halbjahresbericht, der am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde, zeigte trotz der F126-Streichung ein deutliches Wachstum: Der Umsatz im zweiten Quartal stieg auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf 80,5 Milliarden Euro. Seit der Veröffentlichung hat die Aktie um 2,7 Prozent zugelegt.
Für das Gesamtjahr rechnet Rheinmetall nun mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent – die Streichung des Fregattenprojekts allein kostet nach eigenen Angaben etwa 300 Millionen Euro Umsatz. Diese vorsichtigere Einschätzung erklärt auch, warum mehrere Analysehäuser ihre Kursziele nach den Zahlen leicht zurücknahmen, ohne jedoch von ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung des Rüstungskonzerns abzurücken.
Insiderkäufe des CEO als Signal
Bemerkenswert ist, dass Rheinmetall-Chef Armin Papperger in den Wochen rund um die F126-Entscheidung mehrfach über seine Beteiligungsgesellschaft ATP Holding GmbH Aktien nachgekauft hat – zuletzt einen Tag nach der Absage des Fregattenprojekts zu einem Kurs von 954,62 Euro. Solche Insiderkäufe werden am Markt häufig als Vertrauensbeweis in die langfristige Strategie gewertet, gerade wenn sie in Phasen erhöhter Unsicherheit erfolgen.
Der Blick auf die kommenden Monate richtet sich nun auf weitere internationale Aufträge im Marine- und Flugabwehrbereich, während die Quartalszahlen für das dritte Quartal am 4. November anstehen. Am 9. Dezember entscheidet zudem der Bundestag über das Arminius-Projekt, ein weiterer möglicher Wachstumstreiber für den Konzern.
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