Rheinmetall Aktie: Umsatz steigt auf 3,29 Milliarden
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 22:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheinmetall hat seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 auf 3,29 Milliarden Euro gesteigert, nach 1,95 Milliarden Euro im Vorjahresquartal – ein Plus von rund 69 Prozent. Gleichzeitig kappte der Konzern seine Jahresprognose beim Umsatz, weil das Fregattenprojekt F126 gestrichen wurde.
Die operative Marge soll mit rund 19 Prozent aber stabil bleiben. Parallel dazu meldet sich mit RBC Capital Markets ein neues Analystenhaus zu Wort und traut der Aktie deutlich mehr zu, als der aktuelle Kurs widerspiegelt.
Halbjahreszahlen mit Licht und Schatten
Der Sprung beim Konzernumsatz im zweiten Quartal fiel deutlich höher aus als der Zuwachs beim Ergebnis je Aktie. Dieses sank von 2,90 Euro im Vorjahresquartal auf 2,66 Euro. Rheinmetall begründet die gesenkte Umsatzprognose für das Gesamtjahr mit dem Wegfall des Fregattenprojekts F126, hält aber an der Margenerwartung von etwa 19 Prozent fest.
Für Anleger bedeutet das: Das operative Geschäft wächst kräftig, doch Einzelprojekte können die Konzernrechnung spürbar verschieben. Den nächsten Zwischenbericht zum dritten Quartal will Rheinmetall am 5. November veröffentlichen, zuvor tritt der Konzern am 26. August bei den Hamburger Investorentagen auf.
RBC startet mit Kaufempfehlung, Warburg bestätigt
RBC Capital Markets hat die Coverage für Rheinmetall heute mit dem Rating „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro aufgenommen. Analyst Colin Moody begründet den Optimismus mit der starken Positionierung des Konzerns im europäischen Aufrüstungszyklus und einem erwarteten jährlichen EBITA-Wachstum von 35 Prozent bis 2030. Erst gestern hatte Warburg Research nach Auswertung der endgültigen Halbjahreszahlen seine „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 1.500 Euro bestätigt, Analyst Christian Cohrs sieht das operative Geschäft weiterhin auf Kurs.
In den vergangenen Wochen hatten bereits andere Häuser positive Signale gesendet: Die Kursziele der Bank-Analysten bewegen sich derzeit überwiegend im Bereich zwischen 1.500 und 1.900 Euro, die Einstufungen bleiben mehrheitlich im Kaufbereich.
Auftragsflut: Boxer, Fregatte, Ghost Bat
Operativ füllt sich die Pipeline weiter. Gemeinsam mit KNDS erhielt Rheinmetall über die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR einen Auftrag für 69 zusätzliche Boxer-Radschützenpanzer, davon 35 für die Bundeswehr und 34 für die niederländische Armee.
Im maritimen Bereich stellte der Konzern die neue 6.000-Tonnen-Fregatte „GMF140“ vor, konzipiert für den nordamerikanischen Markt und alliierte Marinen, ausgestattet mit 64 VLS-Zellen und AEGIS-Kompatibilität.
Auch im Luftfahrtbereich bewegt sich etwas: Gemeinsam mit Boeing bietet Rheinmetall der Bundeswehr das unbemannte Begleitflugzeug MQ-28 „Ghost Bat“ als sogenanntes Collaborative Combat Aircraft an.
Mit Space Norway vereinbarte der Konzern zudem eine Kooperation zur maritimen Weltraumüberwachung in arktischen Gewässern, und mit Lockheed Martin unterzeichnete Rheinmetall eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Raketen für den Weltmarkt – erste Umsätze aus diesem Joint Venture werden für 2028 erwartet.
Kleinere, aber stetige Aufträge kommen aus dem Inlandsgeschäft: Anfang August erhielt die Tochter Rheinmetall Project Solutions einen Folgeabruf über 149 mobile Rettungsstationen für die Bundeswehr, Ende Juli übernahm Rheinmetall MAN Military Vehicles die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt „InterRoC VII“ zur Digitalisierung autonomer Logistiksysteme.
Kurs hinkt der operativen Entwicklung hinterher
Trotz der Nachrichtenfülle bleibt der Aktienkurs unter Druck. Rheinmetall notiert aktuell bei 1.142,00 Euro und gibt damit leicht um 0,23 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26,44 Prozent zu Buche, und der Kurs liegt gut ein Fünftel unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik – zweistelligem Umsatzwachstum, prall gefülltem Auftragsbuch, neuen Kooperationen – und der schwachen Kursentwicklung dürfte einer der Gründe sein, warum Analysten wie RBC und Warburg Research trotz der jüngsten Prognosesenkung an ihren optimistischen Kurszielen festhalten. Ob sich diese Lücke schließt, dürfte sich auch daran entscheiden, wie der Markt die für November angekündigten Quartalszahlen aufnimmt.
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