ROCHE HOLDING Aktie: Tecentriq erobert Darmkrebs
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 08:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Roche hat in den USA grünes Licht für eine neue Anwendung seines Krebsmittels Tecentriq erhalten. Die FDA hat den PD-L1-Hemmer zusammen mit Chemotherapie für die Nachbehandlung von Darmkrebs im Stadium 3 zugelassen. Es ist die zwölfte US-Indikation für das Präparat.
Was die Zulassung umfasst
Die Freigabe gilt für Patienten mit dMMR-Tumoren, also mit einem Defekt im DNA-Reparatursystem. Sie betrifft sowohl die intravenöse Tecentriq-Variante als auch die subkutane Form Tecentriq Hybreza, jeweils kombiniert mit einer Chemotherapie aus Fluoropyrimidin und Oxaliplatin.
Roche spricht vom ersten zugelassenen Immuntherapie-Regime in der Nachsorge nach der Operation bei dieser Patientengruppe. Der Konzern sieht darin das Potenzial für einen neuen Behandlungsstandard.
Der Hintergrund: Bisher unterschied sich die Standardtherapie bei Stadium-3-Darmkrebs nicht danach, ob der Tumor einen Reparaturdefekt aufweist. Das ändert sich nun.
Die Daten hinter dem Entscheid
Grundlage ist die Phase-III-Studie ATOMIC mit 712 Patienten, die auch im New England Journal of Medicine erschien. Tecentriq zusätzlich zur Chemotherapie senkte das Risiko eines Rückfalls oder Todes um die Hälfte. Nach drei Jahren lebten 86 Prozent der Patienten in der Kombinationsgruppe krankheitsfrei, mit Chemotherapie allein waren es 76 Prozent. Das Sicherheitsprofil entsprach den bisherigen Erfahrungen mit beiden Therapien.
Die Studie lief unter Federführung des US-amerikanischen National Cancer Institute, Genentech unterstützte sie. Roche-Tochter Genentech profitiert damit von akademisch erarbeiteten Daten, ohne die Studie allein finanziert zu haben.
Marktpotenzial und nächste Schritte
Der Bedarf ist erheblich. Weltweit erkranken mehr als eine Million Menschen jährlich an Darmkrebs, fast ein Viertel davon wird erst im Stadium 3 diagnostiziert. Trotz Operation und Chemotherapie erleidet knapp ein Drittel dieser Patienten binnen fünf Jahren einen Rückfall. Etwa 15 Prozent der Darmkrebsfälle weisen dMMR- oder MSI-H-Tumoren auf. Die adressierbare Gruppe ist damit klar abgegrenzt, aber nicht riesig.
Roche arbeitet bereits an weiteren Zulassungsanträgen, darunter bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA. Eine Entscheidung dort steht noch aus, ein Termin ist nicht bekannt. Die Zulassung stärkt zudem die Position von Tecentriq in der Nachsorge-Onkologie, nachdem das Mittel zuletzt bereits für Lungen- und Blasenkrebs in früheren Krankheitsstadien freigegeben wurde.
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