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Rocket Lab Aktie: 234-Millionen-Rekord, Kurs fällt 56 Prozent

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 09:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Rekordumsatz und Milliardenaufträgen verliert die Rocket-Lab-Aktie. Kapitalmaßnahmen und Insiderverkäufe belasten den Kurs stärker als die starken operativen Zahlen.

Rocket Lab: Rekordzahlen und Iridium-Übernahme, doch die Aktie fällt weiter
Abstrakte Darstellung einer modernen Luft- und Raumfahrtanlage mit kontrastreicher Beleuchtung und technologischer Ästhetik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Unternehmen legt Rekordumsatz vor, sichert sich neue Aufträge, räumt eine Kartellhürde für eine Milliardenübernahme aus dem Weg – und die Aktie fällt trotzdem. Bei Rocket Lab lässt sich das gerade beobachten, und für mich ist genau diese Diskrepanz die eigentliche Geschichte, nicht der jüngste Tagesverlust von 5,9 Prozent auf 58,50 Euro.

Operativ läuft es rund – der Kurs glaubt es nicht mehr

Die Fakten sprechen zunächst für das Unternehmen. Im zweiten Quartal erzielte Rocket Lab einen Rekordumsatz von 234 Millionen US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden US-Dollar, 137 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Dazu kamen im August gleich mehrere operative Erfolge: ein erfolgreicher Electron-Start für das Institute for Q-shu Pioneers of Space, die Aufnahme in das NITE-STAR-Programm der US Space Force, ein Achtfach-Satellitenstart für MDA Space sowie eine Partnerschaft mit Viasat für ein manövrierfähiges Sicherheitssatelliten-Programm. Für mich zeigt das: Das operative Geschäft ist so breit aufgestellt wie selten zuvor.

Und doch steht die Aktie seit Wochen unter Druck. Auf Sicht von sieben Tagen verlor das Papier 15 Prozent, seit Jahresbeginn liegt es 4,9 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro trennen die Aktie inzwischen 56 Prozent – ein Abschlag, der operativ kaum zu rechtfertigen ist.

Der jüngste Militärauftrag, der vor gut drei Wochen für Aufsehen sorgte, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen: Seither steht ein Minus von 11,2 Prozent zu Buche. Meiner Einschätzung nach zeigt das, wie wenig einzelne positive Meldungen derzeit gegen die Grundstimmung ausrichten können.

Die Iridium-Übernahme rückt näher – ein unterschätzter Faktor

Parallel zu den operativen Meldungen treibt Rocket Lab die Übernahme von Iridium voran. Die kartellrechtliche Wartefrist in den USA lief am 12. August ab, ein zentrales regulatorisches Hindernis ist damit beseitigt.

Zudem reichte das Unternehmen eine S-4-Registrierung bei der US-Börsenaufsicht ein, um Aktien als Kaufpreiskomponente für Iridium-Aktionäre auszugeben. Für mich ist das ein Signal, dass die Transaktion tatsächlich näher rückt – und damit auch die Verwässerungsfrage für bestehende Aktionäre konkreter wird.

Genau hier setzt meine Skepsis an. Rocket Lab hat zudem eine neue Vereinbarung mit Deutsche Bank Securities und Wells Fargo Securities getroffen, die den Verkauf von Aktien im Volumen von bis zu 1,944 Milliarden US-Dollar über ein Aktienprogramm erlaubt – wenngleich ohne Erhöhung des bisherigen Rahmens.

Zusammen mit der Aktienkomponente der Iridium-Übernahme ergibt sich ein Bild, in dem der Markt offenbar stärker auf künftige Verwässerung schaut als auf laufende Rekordzahlen.

Dazu passt, was auf der Insiderseite zu beobachten ist: Firmeninsider haben laut Medienberichten in den vergangenen zwölf Monaten Aktien im Wert von 923,8 Millionen US-Dollar verkauft, ohne eine einzige Gegenkauf-Transaktion.

CEO Peter Beck allein soll in den vergangenen sechs Monaten 29 Verkaufstransaktionen über gut 3,29 Millionen Aktien getätigt haben. Für mich relativiert das die Erzählung, dass hier nur "der Markt" übertreibt – auch Insider ziehen Kapital ab, wenngleich das bei wachsenden Unternehmen nicht ungewöhnlich ist.

Bemerkenswert finde ich dagegen, dass ARK Invest die Schwäche Mitte August offenbar zum Nachkauf nutzte und rund 161.000 Aktien erwarb. Das passt zu meiner Lesart: Wer an die langfristige Story aus Electron, Neutron und Iridium-Integration glaubt, sieht in den aktuellen Kursniveaus eine Gelegenheit statt eine Warnung.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Rocket Lab eine klassische Wachstumsstory, die aktuell von makro- und sektorbedingter Skepsis überlagert wird – ausgelöst auch durch die sektorweite Neubewertung nach dem SpaceX-Börsengang. Die fundamentalen Kennzahlen sprechen für das Unternehmen, die Kapitalmarktnähe durch ATM-Programm und Iridium-Aktientausch dürfte den Kurs aber kurzfristig weiter belasten.

Mit einer Volatilität von 80 Prozent auf Jahresbasis bleibt das Papier ein Fall für Anleger mit ausgeprägter Risikotoleranz – die Frage, ob die operative Stärke die finanzielle Verwässerung am Ende aufwiegt, bleibt für mich der entscheidende Punkt der kommenden Monate.

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