Rocket Lab USA Aktie: Neutron-Erstflug im Q4 2026
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 19:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab USA legt heute nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor – der erste Bericht seit der milliardenschweren Übernahme von Iridium und ein Test für die jüngste Kursrallye.
Die Aktie notiert aktuell bei 83,23 US-Dollar, ein Plus von 0,48 Prozent am heutigen Handelstag. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 18,17 Prozent zu Buche – nach einem heftigen Ausverkauf im Juli, in dem das Papier um 36,1 Prozent einbrach, während der Nasdaq lediglich 3,2 Prozent verlor.
Belastet hatten damals der Börsengang von SpaceX Mitte Juni und der eskalierende Iran-Konflikt. Im August folgte die Gegenbewegung: Der Titel legte binnen weniger Wochen deutlich zu, bleibt aber 44,88 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 151,00 US-Dollar aus dem Mai.
Umsatzwachstum von 60 Prozent erwartet
Der Analystenkonsens für das zweite Quartal liegt bei rund 232 Millionen Dollar Umsatz, was einem Plus von etwa 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche und innerhalb der Unternehmens-Guidance von 225 bis 240 Millionen Dollar liegen würde.
Beim Ergebnis pro Aktie rechnen Analysten mit einem Verlust zwischen 0,03 und 0,08 Dollar, nach einem Fehlbetrag von 0,13 Dollar im Vorjahresquartal. Im ersten Quartal hatte Rocket Lab einen Umsatz von 200,35 Millionen Dollar erzielt, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, bei einem Nettoverlust von 45 Millionen Dollar.
Die Bruttomarge lag damals bei 38,2 Prozent, für das zweite Quartal wird sie auf 33 bis 35 Prozent taxiert. Der Auftragsbestand kletterte im ersten Quartal auf 2,2 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von gut 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Zusätzliche Fantasie liefern zwei Großaufträge der US Space Force aus den vergangenen Wochen: Ende Juli sicherte sich Rocket Lab einen Vertrag über bis zu 266 Millionen Dollar für zwölf suborbitale HASTE-Starts, Anfang August kam ein zweiter Auftrag über bis zu 397 Millionen Dollar für den Bau, Start und Betrieb von Satelliten im Rahmen des SB-AMTI-Programms hinzu – zusammen 663 Millionen Dollar. Beide Aufträge sind bislang nicht vollständig im Backlog des zweiten Quartals verbucht, dürften also erst künftige Berichte stützen.
Neutron-Rakete als eigentlicher Prüfstein
Wichtiger als die reinen Finanzkennzahlen dürfte für Anleger das Update zur Neutron-Rakete sein. Der Erstflug des Großraketensystems wurde nach einem Tankfehler von einem früheren Zeitplan auf das vierte Quartal 2026 verschoben, ein im Juli erfolgreich getesteter Antrieb lief dabei 5,5 Minuten.
Von der Neutron hängt auch der 397-Millionen-Dollar-Auftrag der Space Force ab, dessen Erfüllung an eine Frist bis 2028 gekoppelt ist. Fünf Missionen für die neue Rakete sind bereits gebucht.
Parallel dazu wartet die Ende Juni angekündigte Übernahme von Iridium auf ihren Abschluss, der für Mitte 2027 angesetzt ist. Das Geschäft hat einen Unternehmenswert von rund 8 Milliarden Dollar und wird über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden Dollar mitfinanziert.
Der Investor Dhierin Bechai bezeichnete die Aktie im Vorfeld der Zahlen als "Strong Buy" und sieht in der vertikalen Integration einen Vorteil – die Iridium-Übernahme könne die Profitabilität von Rocket Lab um ein Jahr vorziehen.
Optionsmarkt erwartet heftige Kursbewegung
Der Optionsmarkt preist für die Reaktion auf die Zahlen eine Bewegung von rund 15,7 Prozent ein – ein Hinweis darauf, wie nervös Anleger vor dem Bericht sind. Von den rund 17 bis 18 Analysten, die den Titel beobachten, votieren 13 mit "Buy" und vier mit "Hold", das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 110 US-Dollar.
Kritischer sehen Beobachter die Verwässerungsrisiken: Insider verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 362,8 Millionen Dollar, zugleich läuft ein Kapitalerhöhungsprogramm über 450 Millionen Dollar. Operativ bleibt das Unternehmen zudem kapitalintensiv – der freie Cashflow lag im vorangegangenen Quartal bei minus 77 Millionen Dollar.
Abseits der Großaufträge zeigt auch das klassische Startgeschäft Dynamik: Rocket Lab schloss jüngst seinen 13. Electron-Start für den japanischen Erdbeobachtungsbetreiber iQPS ab und sicherte sich zehn weitere exklusive Electron-Missionen für das laufende Jahrzehnt. Ob die heutigen Zahlen die Rallye der vergangenen Wochen bestätigen oder eine Korrektur einleiten, dürfte sich vor allem am Ausblick für die Neutron-Rakete entscheiden.
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