RWE, Milliarden

RWE: 3,6 Milliarden für 55-Prozent-Anteil an Amprion

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 02:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RWE beendet US-Offshore-Windgeschäft, erhält 1,22 Mrd. Dollar und investiert in LNG-Projekte. Zudem hebt der Konzern seine Gewinnprognose für 2026 an.

RWE zieht sich aus US-Offshore-Wind zurück und investiert in LNG
Hochspannungsmasten in einer weitläufigen Landschaft bei Sonnenaufgang als Symbol für Energieinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Essener Energiekonzern RWE vollzieht eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung seines US-Geschäfts. Mit dem vollständigen Rückzug aus der Offshore-Windkraft in den Vereinigten Staaten setzt das Unternehmen auf eine Umschichtung von Kapital in andere Energieträger. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer erst kürzlich angehobenen Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr, die durch eine starke operative Entwicklung in den Bereichen Onshore, Solar und Energiehandel gestützt wird.

Milliarden-Zahlung aus Washington für Strategiewechsel

Am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass RWE sein gesamtes Offshore-Wind-Geschäft in den USA beendet. Im Zuge dieser Vereinbarung erhält das Unternehmen Ausgleichszahlungen in Höhe von rund 1,22 Milliarden US-Dollar. Wie das Handelsblatt berichtete, handelt es sich dabei faktisch um eine Rückerstattung von Pachtkosten durch die US-Regierung für Projekte vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana. In Euro ausgedrückt beläuft sich der Rückfluss für den Konzern auf etwa 1,06 Milliarden Euro.

Parallel zum Ausstieg aus der Windkraft auf See investiert RWE massiv in die US-Gas-Infrastruktur. Das Unternehmen plant laut Medienberichten eine finanzielle Beteiligung von 900 Millionen US-Dollar, um einen indirekten Anteil von 16 Prozent am Louisiana-LNG-Projekt zu erwerben. Ergänzt wird dieser Schritt durch eine Vereinbarung über die Reservierung von Gasturbinenkapazitäten im Wert von 300 Millionen US-Dollar. Damit sichert sich der Konzern langfristige Kapazitäten in einem zentralen Markt der fossilen Energieerzeugung.

Starke Halbjahreszahlen und erhöhte Prognose

Bereits Ende Juli veröffentlichte RWE vorläufige Zahlen für das erste Halbjahr 2026, die ein bereinigtes EBITDA von 3,011 Milliarden Euro ausweisen. Das bereinigte Nettoergebnis belief sich in diesem Zeitraum auf 1,257 Milliarden Euro. Besonders die Segmente Onshore/Solar sowie die flexible Erzeugung und der Energiehandel zeigten eine überdurchschnittliche Performance. Neben der operativen Leistung trugen auch positive Einmaleffekte zu diesem Ergebnis bei.

Auf Basis dieser Entwicklung hat der Vorstand die Ziele für das Gesamtjahr deutlich nach oben korrigiert. Für 2026 wird nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro erwartet, nachdem zuvor ein Korridor von 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro kommuniziert worden war. Auch für das Jahr 2027 zeigt sich das Management optimistischer und hob die Gewinnprognose auf eine Spanne von 2,2 bis 2,7 Milliarden Euro an. Die Aktie, die am Freitag bei 56,32 Euro aus dem Handel ging, konnte seit Jahresbeginn bereits um 24,44 % zulegen. Die vollständigen Halbjahresergebnisse und der Zwischenbericht werden am kommenden Donnerstag veröffentlicht.

Strategischer Ausbau im Heimatmarkt

Zusätzlich zur internationalen Neuausrichtung hat RWE im Juni seine Position im deutschen Stromnetz gestärkt. Das Unternehmen erhöhte seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 Prozent. Für den Erwerb der zusätzlichen Anteile wendete der Konzern insgesamt 3,6 Milliarden Euro auf. Zur Finanzierung dieser Expansion wurde eine Kapitalmaßnahme durchgeführt, bei der Aktien im Umfang von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals an institutionelle Investoren ausgegeben wurden.

Die Platzierung der neuen Papiere erfolgte zu einem Preis von 54 Euro je Aktie. Bedeutende Zusagen kamen dabei von Großinvestoren wie der Qatar Investment Authority und dem norwegischen Staatsfonds Norges Bank, die Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro zeichneten. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 42,15 Milliarden Euro unterstreicht RWE seine Rolle als einer der führenden Akteure im europäischen Energiesektor, während der Konzern den Umbau seines Portfolios konsequent vorantreibt.

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