RWE: Guidance für 2026 deutlich angehoben
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach einer Serie mutmaßlicher Sabotageakte gegen die deutsche Strominfrastruktur fordert Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, einen deutlich verbesserten Schutz kritischer Anlagen. Hintergrund sind gezielte Angriffe, die Anfang September unter anderem ein Umspannwerk in Bergheim betrafen und massive Auswirkungen auf die Stromerzeugung des Konzerns hatten.
Trotz dieser sicherheitspolitischen Herausforderungen blickt das Essener Unternehmen auf ein wirtschaftlich starkes erstes Halbjahr zurück und hob die Prognosen für die kommenden Geschäftsjahre an.
Massive Kapazitätsausfälle durch Infrastruktur-Angriffe
Die Tragweite der jüngsten Vorfälle wurde Anfang des Monats deutlich, als Sabotage am Umspannwerk Bergheim dazu führte, dass insgesamt fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gehen mussten.
Betroffen waren die Einheiten Neurath F und G sowie Niederaußem G, H und K mit einer Gesamtkapazität von rund 4.200 Megawatt. Medienberichten zufolge speisten die Anlagen zum Zeitpunkt des Vorfalls etwa 3.000 Megawatt in das Stromnetz ein.
Die Polizei konnte am vergangenen Mittwoch einen 48-jährigen Tatverdächtigen festnehmen. Die Ermittler prüfen derzeit Zusammenhänge mit weiteren Sabotageversuchen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen, bei denen teilweise selbstgebaute pyrotechnische Vorrichtungen zum Einsatz kamen.
Markus Krebber kritisierte in diesem Zusammenhang bestehende Transparenzgesetze, welche die Standorte kritischer Infrastruktur öffentlich zugänglich machen. Er mahnte an, dass die physische Sicherheit der Energieversorgung in Anbetracht der aktuellen Bedrohungslage neu bewertet werden müsse. Diese operativen Störungen treffen RWE in einer Phase massiver Investitionen.
Der Konzern plant bis 2031 Netto-Investitionen in Höhe von 42 Milliarden Euro, die in erneuerbare Energien, flexible Erzeugungskapazitäten und den Ausbau der regulierten Netzinfrastruktur fließen sollen.
Erhöhte Prognosen nach starken Halbjahreszahlen
Abseits der Sicherheitslage zeigt sich die wirtschaftliche Entwicklung des Energiekonzerns robust. Mitte August hob RWE die Guidance für das laufende Jahr deutlich an. Das bereinigte EBITDA für 2026 wird nun in einer Spanne von 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro erwartet, nachdem zuvor lediglich 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro prognostiziert worden waren. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 1,95 und 2,45 Milliarden Euro liegen. Auch für das Jahr 2027 schraubte das Management die Erwartungen nach oben und peilt nun ein Nettoergebnis von 2,2 bis 2,7 Milliarden Euro an.
Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war ein starkes erstes Halbjahr 2026, in dem das bereinigte EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf rund 3,0 Milliarden Euro stieg. Besonders das Handelsgeschäft zeigte nach einer starken Performance im zweiten Quartal eine positive Tendenz.
Bereits in den Monaten Juli und August erreichte dieses Segment den Midpoint der ursprünglichen Jahresprognose von 100 bis 500 Millionen Euro. Zudem konnte das Unternehmen sein Portfolio durch die Inbetriebnahme neuer Kapazitäten von 752 Megawatt erweitern, während sich weitere 10,3 Gigawatt im Bau befinden.
Analysten sehen weiteres Potenzial für die Aktie
Die strategische Neuausrichtung und die finanzielle Stärke spiegeln sich in den Einschätzungen der Analysten wider. JPMorgan erhöhte am 20. August das Kursziel für RWE von 65 auf 68,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Overweight“.
Das Haus führt das Papier zudem auf seiner „Analyst Focus List“. Zeitgleich hob die Deutsche Bank ihr Kursziel von 63 auf 65 Euro an und bekräftigte ihre Kaufempfehlung. Die Experten von UBS sehen den fairen Wert der Aktie bei 68 Euro.
An der Börse konnte sich der Wert zuletzt behaupten. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Plus von 32 %. Am vergangenen Freitag schloss das Papier bei 59,60 €. Damit notiert der Kurs aktuell noch 3,9 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Ende April bei 62,00 Euro markiert wurde.
Neben dem operativen Wachstum setzen Anleger auf eine verlässliche Ausschüttung: RWE strebt für 2026 eine Dividende von 1,32 Euro je Aktie an und plant bis 2031 ein jährliches Dividendenwachstum von 10 Prozent. Ein wesentlicher Teil des langfristigen Gewinnziels bis 2031 ist laut Unternehmensangaben bereits durch Verträge und langfristige Vereinbarungen abgesichert.
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