S&P, Nervöses

S&P 500: Nervöses Warten auf Warsh

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 07:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der S&P 500 fällt auf ein Monatstief, während die US-Rendite fünf Prozent übersteigt. Im Fokus stehen Warshs Zinskurs und weitere Signale.

Trading-Desk mit mehreren Monitoren und bunten Finanzcharts vor Skyline
S&P Global Inc. (ISIN US78378X1072): fotorealistischer Trading-Desk mit mehreren Bildschirmen und generischen Marktcharts am Fenster Illustration mit AI erstellt.

Die letzten Stunden vor einer Fed-Sitzung sind selten ruhig. Diesmal kommt aber gleich doppelter Druck zusammen: Der S&P 500 rutschte auf ein Monatstief, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen die Marke von fünf Prozent überschritt – höchster Stand seit 2007.

Der Index schloss am Dienstag mit einem Minus von 0,45 Prozent bei 7.585,73 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf zeitweise noch tiefer gestanden hatte.

Auslöser war ein Mix aus steigenden Ölpreisen, wachsenden Zinssorgen und einer Debatte über Sicherheitsrisiken der künstlichen Intelligenz, die zu Wochenbeginn vor allem Halbleiterwerte belastet hatte. Einzelne Chiptitel wie Qualcomm, AMD und Marvell konnten sich am Dienstag jedoch deutlich erholen, während Nvidia nur moderat zulegte.

Zinsentscheid mit historischer Dimension

Im Mittelpunkt steht die Sitzung der US-Notenbank, die am Mittwoch endet – die dritte unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und die erste, bei der er voraussichtlich die Leitzinsen anhebt. An den Märkten gilt eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent als nahezu ausgemachte Sache. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird an den Terminmärkten mit über 90 Prozent eingepreist.

Spannender als der Zinsschritt selbst dürfte die Kommunikation danach werden. Warsh hat wiederholt signalisiert, den Märkten nur wenig Orientierung für die kommenden Monate zu geben.

Vermögensverwalter wie Seema Shah von Principal Asset Management sehen die Debatte längst nicht mehr bei der Frage, ob die Fed handelt, sondern wie stark die geldpolitische Straffung in diesem Zyklus insgesamt ausfallen muss.

Andere Stimmen, etwa von Edward Jones, rechnen dagegen mit einer eher begrenzten weiteren Straffung und gehen nicht davon aus, dass moderate Zinsschritte den Bullenmarkt an den Aktienmärkten gefährden.

Die Inflation bleibt der Treiber hinter der ganzen Entwicklung. Anhaltend hohe Energiepreise, befeuert durch die angespannte Lage im Nahen Osten, lassen kaum Raum für Entspannung. Genau diese Kombination aus teurem Öl und steigenden Anleiherenditen sorgt seit Wochenbeginn für Verkaufsdruck bei Aktien – Risikopapiere wirken im Vergleich zu Staatsanleihen mit Renditen nahe fünf Prozent zunehmend weniger attraktiv.

Abseits der Zinsdebatte gerieten Kryptowerte unter Druck, nachdem ein umfassendes US-Regulierungsgesetz im Senat blockiert wurde. Bitcoin gab nach, Coinbase-Aktien verloren rund zehn Prozent. Stahltitel wie Steel Dynamics profitierten dagegen von Berichten über strengere Produktionsvorgaben in China, die den globalen Preisdruck in der Branche mindern könnten.

Die Futures auf den S&P 500 zeigten sich vor der Entscheidung leicht erholt und notierten am Dienstagabend im US-Handel etwas höher. Ob diese vorsichtige Stabilisierung hält, entscheidet sich am Mittwoch mit der Zinsentscheidung und den Aussagen Warshs zur weiteren Geldpolitik.

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