SanDisk, Datacenter-GeschÀft

SanDisk: Datacenter-GeschÀft wÀchst 645 Prozent

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 08:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SanDisk legt Q4-Zahlen vor: Analysten erwarten Umsatz ĂŒber eigener Prognose, wĂ€hrend KI-Speichertechnologie und Kursziele die Aktie beflĂŒgeln.

SanDisk Q4-Zahlen: KI-Speicherboom und Analystenrallye vor Quartalsbericht
Moderne ServerrĂ€ume mit leuchtenden Glasfaserkabeln und technischer Infrastruktur symbolisieren massives Datenwachstum. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

SanDisk veröffentlicht heute nach US-Börsenschluss seine Zahlen fĂŒr das vierte Quartal des GeschĂ€ftsjahres 2026. Der Speicherchip-Hersteller tritt mit RĂŒckenwind an: Hinter dem Unternehmen liegt eine der schĂ€rfsten Kursbewegungen der gesamten Halbleiterbranche der vergangenen Tage, begleitet von einer Serie angehobener Analystenziele und einer branchenweiten Neuvorstellung bei KI-Speichertechnologie.

KrÀftige Erholung nach schwachem Monat

Der Titel schloss gestern bei 1.240,00 Euro und damit 10,71 Prozent höher als am Vortag. Die Erholung fĂ€llt in eine Phase erhöhter NervositĂ€t: Auf Zwölfmonatssicht notiert die Aktie weiterhin rund 40 Prozent unter ihrem Rekordhoch. Getragen wurde die Bewegung von einer breiten Rally unter Speicherchip-Werten – auch Micron, SK Hynix und Marvell zogen deutlich an, wĂ€hrend der Philadelphia-Halbleiterindex neue HöchststĂ€nde markierte und der Gesamtmarkt fester schloss.

Auf Dollarbasis hatte die Aktie erst vor wenigen Tagen die Marke von 1.000 Dollar getestet, bevor die Erholung einsetzte. Vom bisherigen Rekordhoch bei 2.354 Dollar bleibt das Papier damit weiterhin klar entfernt – ein Hinweis darauf, wie stark die Schwankungen im laufenden Sommer ausgefallen sind.

Guidance unter dem Marktkonsens

FĂŒr das vierte Quartal hatte das Management einen Umsatz von 7,75 bis 8,25 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn pro Aktie von 30 bis 33 Dollar in Aussicht gestellt. FĂŒr Anleger ist die Differenz zum Konsens entscheidend: FĂ€llt das Ergebnis nĂ€her an der eigenen, vorsichtigeren Prognose aus, könnte der Markt enttĂ€uscht reagieren. Übertrifft SanDisk die Erwartungen deutlich, hĂ€tte die Rally der vergangenen Tage möglicherweise noch Substanz.

Der Marktkonsens setzt jedenfalls höher an: Analysten rechnen mit einem Umsatz von 8,32 bis 8,42 Milliarden Dollar und einem Gewinn pro Aktie zwischen 33,88 und 34,67 Dollar. Am Optionsmarkt wird zur Berichtsvorlage eine Kursbewegung von rund 16 Prozent eingepreist – ein Signal fĂŒr die hohe Unsicherheit rund um das Zahlenwerk.

Grundlage fĂŒr den Optimismus ist die Entwicklung der vergangenen Quartale. Im dritten Quartal hatte SanDisk den Umsatz im Jahresvergleich um 251 Prozent auf 5,95 Milliarden Dollar gesteigert, bei einer Bruttomarge von 78,4 Prozent. Den grĂ¶ĂŸten Wachstumsimpuls lieferte das Datacenter-GeschĂ€ft: Der Umsatz mit Speicherlösungen fĂŒr Rechenzentren kletterte im Jahresvergleich um 645 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar. StĂŒtzend wirken zudem mehrjĂ€hrige LiefervertrĂ€ge, die dem Unternehmen zufolge Vorauszahlungen von 11 Milliarden Dollar gesichert und bereits rund 35 Prozent der fĂŒr 2027 geplanten Auslieferungen abgedeckt haben.

Analysten uneins ĂŒber das Kurspotenzial

Die Substanz hinter dem Wachstum ĂŒberzeugt einen Teil der Wall Street, weckt bei anderen aber Bewertungssorgen. Wedbush bewertet die Aktie mit Buy und beziffert das erwartete Ergebnis pro Aktie fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2027 auf 225,99 Dollar – daraus leitet das Haus ein AufwĂ€rtspotenzial von 64 Prozent ab. Bank of America hob ihr Kursziel von 2.100 auf 2.500 Dollar an und bestĂ€tigte die Kaufempfehlung.

Insgesamt bleibt das Bild gespalten. Die Kursziele der ĂŒbrigen Wall-Street-HĂ€user reichen von 1.000 bis 3.050 Dollar, wobei die Mehrheit der Analysten die Aktie weiterhin zum Kauf empfiehlt. FĂŒr den 13. August ist zudem ein Investorentag angesetzt, der weitere Einblicke in die mittelfristige Planung liefern soll.

Neuer Speicherstandard fĂŒr KI-Rechenzentren

Kursrelevant war zuletzt auch eine technische Neuerung. Gemeinsam mit SK hynix veröffentlichte SanDisk gestern ĂŒber das Open Compute Project die erste Spezifikation fĂŒr „High Bandwidth Flash" (HBF), einen Speichertyp zwischen klassischem NAND-Flash und High-Bandwidth-Memory. Die Technik soll gestapelte NAND-Chips mit bis zu 512 Gigabyte KapazitĂ€t pro Baustein und einer Bandbreite von bis zu 3,0 Terabyte pro Sekunde ĂŒber eine UCIe-Schnittstelle verbinden. Google und Tenstorrent sind an dem Konsortium beteiligt, erste Muster werden fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte 2026 erwartet, ein Sampling kompletter GerĂ€te Anfang 2027. Eine breite Kommerzialisierung dĂŒrfte erst um das Jahr 2030 einsetzen. Parallel dazu stellten SanDisk und Kioxia ihre zehnte Generation von QLC-3D-NAND-Speicher vor, mit einer um 60 Prozent höheren Bitdichte gegenĂŒber der VorgĂ€ngergeneration und 332 Speicherschichten – ausgelegt auf die Anforderungen von KI- und Cloud-Infrastruktur.

Risiken bleiben bestehen

Trotz der positiven Nachrichtenlage bleiben Risiken auf dem Tisch. Analysten verweisen wiederholt auf den chinesischen Wettbewerber YMTC, dessen NAND-Marktanteil auf rund 13 Prozent taxiert wird, sowie auf die Gefahr einer Normalisierung der zuletzt krĂ€ftig gestiegenen Speicherpreise. Zudem verkauften Insider im vergangenen Quartal Aktien im Wert von 10,17 Millionen Dollar, ohne dass KĂ€ufe verzeichnet wurden – ein Detail, das Anleger vor den heutigen Zahlen im Blick behalten dĂŒrften.

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