SAP: 2,9 Millionen Aktien zu 169,72 Euro gekauft
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 21:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es ist eine seltsame Woche für SAP-Aktionäre. Während Workday-Gerüchte und ein Insiderkauf die Schlagzeilen dominieren, hat das Walldorfer Unternehmen still und leise etwas getan, das eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Zwischen dem 3. und 7. August kaufte SAP fast 2,9 Millionen eigene Aktien zurück, zu einem Durchschnittskurs von 169,72 Euro. Das laufende Rückkaufprogramm 2026 kommt damit auf gut fünf Millionen Stück.
Bei einem aktuellen Kurs von 180,80 Euro liegt der Konzern mit diesen Käufen deutlich im Plus – und genau das ist der eigentliche Punkt dieser Kolumne.
Ein Konzern kauft sich selbst, während der Markt über andere spricht
Der große Strukturwandel in der Software-Branche zeigt sich derzeit nicht nur in Cloud-Wachstumsraten oder KI-Versprechen, sondern auch darin, wie Unternehmen mit ihrer eigenen Bewertung umgehen.
SAP hat im zweiten Quartal einen währungsbereinigten Cloud-Umsatzanstieg von 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro vorgelegt, der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 1,89 Euro, deutlich über dem Vorjahreswert von 1,46 Euro.
Diese Zahlen sind mittlerweile bekannt, sie wurden ausführlich besprochen. Was seltener zur Sprache kommt: Der Vorstand selbst scheint von der eigenen Aktie überzeugt zu sein – und handelt entsprechend, nicht nur mit Rückkäufen, sondern auch persönlich.
Am heutigen Freitag wurde bekannt, dass Vorstandsmitglied Gina Vargiu-Breuer Aktien des eigenen Unternehmens erworben hat, meldepflichtig nach Art. 19 MAR. Das ist ein Signal, das man nicht überbewerten sollte – Insiderkäufe sind kein Orakel –, aber es passt ins Bild eines Managements, das der eigenen Strategie vertraut.
Parallel dazu vollzogen die Vorstandsmitglieder Muhammad Alam und Sebastian Steinhäuser gestern Transaktionen im Rahmen des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms „MOVE SAP“, allerdings primär zur Begleichung von Steuerverpflichtungen. Das ist Verwaltungsroutine, kein strategisches Signal – aber es zeigt, wie viele unterschiedliche Aktienbewegungen sich derzeit um den Konzern drehen.
Wenn die halbe Branche über einen Deal spricht, der SAP gar nicht betrifft
Der eigentliche Kurstreiber der vergangenen Tage kommt aber nicht aus Walldorf, sondern aus den USA. Laut Reuters verhandelt der SAP-Wettbewerber Workday mit dem Investor Silver Lake über eine mögliche Übernahme.
SAP selbst ist an diesen Gesprächen nicht beteiligt, doch der gesamte Softwaresektor profitiert von der Übernahmefantasie – SAP-Aktien legten am Donnerstag im Intraday-Handel um 4,8 Prozent zu. Das ist bezeichnend für die aktuelle Marktstimmung: Anleger suchen in der Enterprise-Software-Branche nach Konsolidierungssignalen, und jede Nachricht über einen möglichen Deal wird sofort auf die gesamte Peer-Group übertragen, unabhängig davon, ob das fundamental gerechtfertigt ist.
Das ist die eigentliche Ironie dieser Woche: SAP bewegt sich stärker wegen der Fantasie über einen Konkurrenten als wegen der eigenen, soliden operativen Substanz. Der Rückkauf zu 169,72 Euro pro Aktie, der bei aktuellem Kursniveau bereits eine ordentliche Wertsteigerung zeigt, geht dabei fast unter.
Sicherheitslücken als Randnotiz eines starken Quartals
Am 12. August veröffentlichte SAP im Rahmen des monatlichen Security Patch Day 25 Sicherheitshinweise, darunter vier als „HotNews“ eingestufte kritische Lücken. Besonders eine Code-Injection-Schwachstelle in der Fertigungssoftware SAP MII wurde mit dem hohen Schweregrad 9,9 bewertet.
Für ein Unternehmen, dessen Software in tausenden Fertigungsanlagen weltweit läuft, ist das kein triviales Thema – aber es hat den Kurs bislang nicht belastet. Der nächste Patch Day ist für den 9. September terminiert.
Institutionell bleibt das Interesse an SAP hoch: BlackRock Group Limited übermittelte am heutigen Tag eine Stimmrechtsmitteilung zu seiner SAP-Beteiligung. Die Erste Group Bank hatte bereits am 11. August ihre EPS-Schätzung für das Geschäftsjahr 2026 auf 8,19 US-Dollar angehoben, nachdem sie ihre Gewinnprognosen bereits Anfang August erhöht hatte.
Die nächsten Quartalszahlen sind für den 21. Oktober angesetzt. Bis dahin dürfte der Markt weiter zwischen Übernahmefantasie in der Branche und der eigenen, unspektakulären, aber beharrlichen Rückkaufstrategie von SAP hin- und herschwanken – wobei nur eine dieser beiden Geschichten tatsächlich etwas über den Konzern selbst aussagt.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 14. August liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
