SAP Aktie: 17 von 200 KI-Agenten verfügbar
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 15:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SAP-Aktien geben am Mittwoch deutlich nach, nachdem UBS ihre Kaufempfehlung für den Softwarekonzern zurückgezogen hat. Die Bank senkte das Rating von "Buy" auf "Neutral" und begründet den Schritt mit einer schleppenden Auslieferung der KI-Agenten-Plattform Joule sowie einer erwarteten Verlangsamung des Cloud-Auftragsbestands in der zweiten Jahreshälfte. Der Kurs fiel um 3,3 Prozent auf 178,78 Euro, nachdem er am Dienstag noch bei 184,84 Euro geschlossen hatte.
Nur 17 von 200 KI-Agenten verfügbar
Analyst Michael Briest von UBS liefert eine konkrete Zahl, die den Kern der Sorge trifft: Von 200 geplanten Joule-KI-Agenten hat SAP bislang lediglich 17 allgemein verfügbar gemacht, 15 weitere befinden sich noch in der Testphase.
Für einen Konzern, der die agentische KI zunehmend als Wachstumstreiber positioniert, ist dieses Tempo aus Sicht der Bank ein Warnsignal. Hinzu kommt ein zweiter Befund: Die Cloud-Bruttomarge ist im zweiten Quartal 2026 erstmals seit 2021 gesunken, UBS macht dafür gestiegene KI-Rechenkosten verantwortlich.
Trotz der Herabstufung hob UBS das Kursziel von 164 auf 201 Euro an – die Bank begründet dies mit einer inzwischen angemesseneren Bewertung, verweist aber zugleich auf eine fragile Anlegerstimmung.
Die Herabstufung trifft SAP in einer Phase, in der die operativen Zahlen eigentlich robust wirken. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der aktuelle Cloud-Auftragsbestand um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent.
Die Cloud-Umsätze legten um 22 Prozent zu, währungsbereinigt um 24 Prozent, während das Segment Cloud ERP Suite sogar um 25 beziehungsweise 27 Prozent wuchs. Der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent, währungsbereinigt um 11 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet SAP weiterhin mit einer Cloud-Umsatzspanne von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro, ein Plus von 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Guidance leicht gesenkt
Beim operativen Non-IFRS-Gewinn hat SAP die Prognose allerdings leicht nach unten korrigiert, auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro nach zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Als Grund nennt der Konzern die Verwässerung durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die zusammen mit mehr als 100 Millionen Euro zu Buche schlagen.
Beide Zukäufe zielen auf den Ausbau der agentischen KI-Fähigkeiten ab: Dremio bringt eine Data-Lakehouse-Plattform mit, die SAP- und Fremddaten integrieren soll, Prior Labs steuert Tabular-Foundation-Models bei. In Prior Labs, ansässig in Freiburg, will SAP über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro investieren.
Auf der Kundenseite zeigt sich derweil, dass das Interesse an SAP-Technologie ungebrochen ist. Der IT-Dienstleister NTT Data kündigte am Mittwoch vergangener Woche an, seine globale HR-Landschaft auf SuccessFactars, die Business Data Cloud und Joule zu migrieren – ein Projekt, das binnen zwölf Monaten umgesetzt werden soll.
Solche Referenzaufträge stützen die These, dass die Nachfrage nach der Cloud-Suite intakt bleibt, auch wenn die KI-Agenten-Ausrollung hinter dem eigenen Zeitplan zurückbleibt.
Kurs unter dem 50-Tage-Schnitt
Charttechnisch hat der Rückschlag Spuren hinterlassen: Der Kurs notiert nun rund 16 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 154,16 Euro, bleibt aber weiterhin gut ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro vom Oktober vergangenen Jahres.
Seit Jahresbeginn steht bei SAP ein Minus von 15 Prozent zu Buche. Anleger richten den Blick nun auf den 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt und zeigen muss, ob sich Cloud-Backlog-Wachstum und KI-Ausrollung wieder in Einklang bringen lassen.
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