Siemens Energy Aktie: Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 23:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Christian Bruch lässt sich von Skepsis gegenüber dem KI-Boom nicht beeindrucken. Im Interview mit Bloomberg Television widersprach der Siemens-Energy-Chef am Freitag Befürchtungen, die massiven Investitionen in KI-Rechenzentren könnten eine Blase bilden. Reservierungen für Transformatoren und Netztechnik würden derzeit verlässlich in feste Aufträge überführt, so Bruch.
Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern seine Struktur neu ordnet. Erst kürzlich hatte Siemens Energy die Verselbstständigung der Sparte „Transformation of Industry“ angekündigt, um dem Bereich Optionen wie externe Investoren oder einen Börsengang zu eröffnen. Bruchs Einschätzung zur Nachfrage betrifft jedoch das Kerngeschäft mit Netzinfrastruktur, das von der KI-getriebenen Stromnachfrage direkt profitiert.
Auftragslage stützt die Zuversicht
Zahlen aus der jüngsten Quartalsberichterstattung untermauern die Position des Vorstandschefs. Zum Ende des dritten Quartals meldete Siemens Energy einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro sowie einen Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro. Auch die Windtochter Siemens Gamesa lieferte mit einem erstmals seit 2022 wieder positiven bereinigten EBITA von 75 Millionen Euro einen Beitrag zur insgesamt verbesserten Ertragslage.
Diese Auftragsdynamik erklärt, weshalb Bruch die Debatte um eine mögliche Überinvestition in Rechenzentrums-Infrastruktur so entschieden zurückweist. Wo andere Marktbeobachter vor überzogenen Erwartungen warnen, verweist der Konzern auf konkret unterschriebene Verträge statt auf bloße Absichtserklärungen.
Ergänzend hatte ein Branchenbericht Mitte August die Kooperation mit E.ON beim Ausbau der europäischen Netzinfrastruktur hervorgehoben – ein weiterer Beleg dafür, dass der steigende Strombedarf durch KI-Rechenzentren bereits in konkrete Projekte mündet.
Kurs bleibt unter dem Rekordhoch
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt etwas abgekühlt. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 149,28 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 62 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.
Auf die Kursentwicklung dürften auch die jüngsten Insider-Transaktionen kein negatives Signal senden. Aufsichtsratsmitglied Laurence Mulliez erwarb eigene Aktien des Unternehmens, wie eine Insider-Meldung zeigte.
Zudem veröffentlichte Siemens Energy eine Pflichtmitteilung über weitere Eigengeschäfte von Führungskräften gemäß Artikel 19 der Marktmissbrauchsverordnung – ein Vorgang, der in Zeiten struktureller Umbrüche und milliardenschwerer Auftragsbücher gewöhnlich mit Interesse verfolgt wird.
Anleger richten den Blick nun auf den 11. November, wenn Siemens Energy die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtgeschäftsjahr 2026 vorlegt. Bis dahin dürfte die Frage, ob der KI-Boom tatsächlich so robust ist, wie Bruch behauptet, das beherrschende Thema für die Aktie bleiben.
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