Silber, Preis

Silber Preis: Deutschland erwartet 25 Prozent mehr Nachfrage

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 16:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Silber verliert 2,5 Prozent auf 57,77 Dollar. Starker Dollar und Zinserwartungen belasten, während die physische Nachfrage hoch bleibt.

Silberpreis fällt auf 57,77 Dollar: Korrektur trotz starker physischer Nachfrage
Silberbarren und glänzende Silbermünzen auf einer dunklen Oberfläche bei dramatischem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Silberpreis ist am Freitag deutlich unter Druck geraten. Das Edelmetall schloss bei 57,77 US-Dollar je Feinunze und verlor damit 2,51 Prozent binnen eines Tages. Seit Jahresbeginn steht nun ein Minus von 18,58 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch von 121,78 US-Dollar, das Silber Ende Januar erreicht hatte, fehlen mittlerweile mehr als 52 Prozent – ein Ausmaß, das die Korrektur der vergangenen Monate deutlich macht.

Starker Dollar und Fed-Kurs belasten

Der Rücksetzer bei Silber fällt in eine Phase, in der auch Gold spürbar nachgab. Die US-Notenbank hatte am Freitag ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, drei Mitglieder des Offenmarktausschusses – Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan – stimmten jedoch gegen die Entscheidung und forderten eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Sie verwiesen auf die aus ihrer Sicht zu hohe Kerninflation. Am Terminmarkt rechnen Investoren nun mit rund 65 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September. Ein infolgedessen fester notierender Dollar sowie steigende Anleiherenditen setzten sowohl Gold als auch Silber zu, da verzinste Anlagen für Investoren an Attraktivität gewinnen.

Charttechnisch hat sich das Bild eingetrübt: Der Kurs notiert klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 62,77 US-Dollar, der Abstand beträgt knapp 8 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 43,8 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 35 Prozent auf ein weiterhin nervöses Marktumfeld hindeutet.

Physische Nachfrage bleibt auf hohem Niveau

Trotz der jüngsten Schwäche im Kurs zeigt sich auf der Nachfrageseite ein anderes Bild. Einer Studie von JS Research zufolge treibt vor allem die physische Investitionsnachfrage den Silbermarkt: Rund 80 Prozent der weltweit gekauften Barren und Münzen entfallen auf Indien, Deutschland, Australien und die USA. Für Deutschland erwarten die Marktforscher ein Nachfragewachstum von 25 Prozent, für Australien von 11 Prozent. In den USA wurden zwischen 2010 und 2024 insgesamt 1,5 Milliarden Unzen Silber erworben. Silber-ETFs übertrafen zudem bereits die Zuflüsse des Jahres 2024, und im Juni war das Edelmetall so teuer wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Kursschwäche und robuster physischer Nachfrage prägt derzeit die Debatte unter Marktbeobachtern. Eine aktuelle Marktanalyse bewertet die laufende Korrektur als temporären "Paper Shakeout" – also als Bereinigung an den Terminmärkten, die den strukturellen Angebotsengpässen und der langfristigen Unterbewertung des Metalls nicht gerecht werde. Als Treiber eines möglichen neuen, säkularen Bullenmarktes gelten demnach zu geringe Explorationsbudgets, rückläufige Erzgehalte, steigende Förderkosten sowie zunehmende regulatorische und ökologische Hürden im Bergbau.

Neue Funde, aber angespannte Angebotslage

Auf der Angebotsseite liefert die Explorationsbranche unterdessen neue Datenpunkte. Beim Silver Hill Project in North Carolina hat das Unternehmen MetalSource eine Bohrung rund 65 Meter südlich einer früheren Untersuchung fortgeführt und dabei etwa 15 Meter polymetallischer Mineralisierung mit sichtbarem Sphalerit und Galenit sowie mehreren Metern massiver Sulfide durchteuft. Frühere Bohrergebnisse an demselben Projekt hatten bereits mehr als sechs Meter mit umgerechnet 1.156 Gramm Silberäquivalent pro Tonne geliefert, eine Ressourcenschätzung ist für Anfang 2027 geplant. Solche Funde zeigen, dass neue Silbervorkommen zwar erschlossen werden, ihr Beitrag zum globalen Angebot aber Jahre benötigt, um wirksam zu werden.

Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig belasten ein fester Dollar und die Zinserwartungen der Fed den Silberpreis spürbar. Die zugrunde liegende physische Nachfrage sowie strukturelle Angebotsrestriktionen sprechen jedoch dafür, dass die aktuelle Schwächephase von einem Teil des Marktes eher als Konsolidierung denn als Trendwende interpretiert wird.

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