Take-Two, Microsoft

Take-Two: Microsoft und Discord vorgeladen

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Take-Two setzt auf GTA VI, doch Kursabschlag, Rechtsstreit und Trust-Verkäufe dämpfen die Zuversicht vor dem geplanten November-Start.

Schwarzweiss-Reportagebild mit Actionspiel in dokumentarischer Arbeitsumgebung
Schwarzweiss-Reportage mit Actionspiel zum Thema Grand Theft Auto V, ISIN US8740541094, hoher Kontrast Illustration mit AI erstellt.

Ein 27-minütiger Videoschnipsel hätte eigentlich Euphorie auslösen sollen. Am 27. August zeigte Netflix in Zusammenarbeit mit Rockstar Games erstmals ausführliches Gameplay aus "Grand Theft Auto VI" – komplett aus dem Spiel auf der PlayStation 5 aufgenommen, mit den beiden Protagonisten Jason und Lucia in Vice City.

Die Aktie reagierte mit einem Plus von zwei Prozent. Für mich ist genau dieser kurze Freudensprung der beste Beleg dafür, wie fragil das Vertrauen der Anleger in dieses Papier derzeit ist – denn seither ist der Kurs wieder deutlich zurückgefallen.

Ein Hoffnungsschimmer, der schnell verglühte

Dass Rockstar den Netflix-Auftritt als "erstes seiner Art" bezeichnet – so hatte es Konzernchef Strauss Zelnick beim Q1-Earnings-Call formuliert –, unterstreicht, wie sehr Take-Two auf GTA VI als Entertainment-Leuchtturm setzt.

Die am 7. August veröffentlichte Guidance für das Geschäftsjahr 2027 spricht Bände: Netto-Bookings von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar werden erwartet, getragen fast ausschließlich vom für den 19. November angesetzten Launch.

Der prognostizierte Nettogewinn von 104 bis 143 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 7,9 bis 8,1 Milliarden Dollar zeigt zugleich, wie dünn die Margen bei diesem Mega-Wettbewerb um Marktanteile bleiben.

Unterm Strich bin ich der Meinung: Der Markt preist längst nicht mehr die Frage "kommt GTA VI gut an?" – die Antwort scheint mit Vorbestellungszahlen und einem euphorischen Trailer-Empfang schon gegeben. Stattdessen fragt sich die Börse, ob selbst ein Blockbuster-Launch die aktuelle Bewertung noch rechtfertigt.

Zwischen Rechtsstreit und Insiderverkäufen

Parallel zur Produktstory belastet ein juristisches Nebengeräusch das Bild: Ein Gericht genehmigte heute Vorladungen gegen Microsoft und Discord, mit denen Rockstar mutmaßliche Leaker identifizieren will. Solche Verfahren binden Management-Aufmerksamkeit und erinnern Anleger daran, dass das Unternehmen mit den Folgen früherer Datenlecks noch immer ringt.

Dazu passt eine Randnotiz, die zumindest Fragen aufwirft, auch wenn ich sie nicht überbewerten würde: Am 10. August wurden im Namen von Strauss Zelnick als meldender Person 40.000 Aktien zu Preisen zwischen 250,49 und 255,05 US-Dollar verkauft, für Erlöse von gut 10,1 Millionen Dollar.

Laut der SEC-Pflichtmitteilung erfolgten die Verkäufe jedoch indirekt über den Zelnick Belzberg Living Trust und den Zelnick Belzberg Charitable Trust – nicht als persönliche Direktverkäufe des CEO.

Insiderverkäufe über Trusts sind rechtlich üblich und lassen sich oft steuerlich oder aus Nachlassplanung erklären. Trotzdem: In einer Phase, in der die Aktie unter Druck steht, wirken solche Meldungen selten beruhigend.

Warum ich die Rally noch nicht kommen sehe

Der aktuelle Kurs von 188,20 Euro liegt knapp 19 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro vom 7. Juli und damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 209,60 Euro. Der RSI von 34,2 signalisiert eine überverkaufte Lage – technisch also durchaus Raum nach oben.

Für mich zählt aber mehr, was diesen Abschlag ausgelöst hat: eine Serie negativer Nachrichten rund um Vorbestellungen, Leak-Bekämpfung und den bevorstehenden Ankündigungstermin, die die Fantasie des Netflix-Trailers wieder eingeholt haben.

Meine Einordnung: Take-Two bleibt operativ auf Kurs, die Guidance ist ambitioniert, aber fundiert begründet. Die Volatilität von 41 Prozent auf Jahresbasis zeigt jedoch, wie nervös der Markt bis zum Launch im November bleiben dürfte. Wer auf den großen GTA-VI-Knall wartet, muss diese Zitterpartie erst einmal aushalten – ein Selbstläufer sieht für mich anders aus.

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