Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Deutsche Bank setzt Kursziel auf 18 Euro

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Aktie gewinnt nach der Markterholung, während Thyssenkrupp Steel mindestens 1,2 Milliarden Euro bereinigtes EBITDA anstrebt.

Bauhaus-Poster mit geometrischen Formen, Zahnrädern und Schriftzug STEEL
thyssenkrupp AG (DE0007500001): geometrisches Bauhaus-Poster mit Zahnrädern, Stahlträger und großem Schriftzug STEEL in Rot-Grau Illustration mit AI erstellt.

Erholung nach nervösen Handelstagen an den Märkten

Die Thyssenkrupp-Aktie verzeichnet am heutigen Freitag ein spürbares Kursplus. Im Sog einer allgemeinen Erholung der europäischen Aktienmärkte nach den bondmarktbedingten Verkäufen des Vortages legt das Papier um 2,9 Prozent auf 14,21 Euro zu. Laut Reuters fassten die Börsen in Europa zum Wochenschluss wieder Tritt. Medienberichten zufolge hatten zuvor Gewinnmitnahmen in einem nervösen Marktumfeld den Kurs belastet.

Für Marktteilnehmer markiert dieser Handelstag mehr als eine bloße Gegenbewegung. Nach den jüngsten Richtungsentscheidungen in den einzelnen Konzernbereichen steht der Industriekonzern vor einer Phase, in der strategische Ankündigungen an der tatsächlichen Umsetzung gemessen werden. Die Phase der bloßen Absichtserklärungen weicht zunehmend den Anforderungen an operative Nachweise.

Die operative Ertragskraft als Kern des Umbaus

Die zentrale Frage für Anleger lautet: Kann Thyssenkrupp die angepeilte Ertragskraft im Kerngeschäft tatsächlich freisetzen? Im Fokus steht vor allem die künftige Leistungsfähigkeit der Stahlaktivitäten. Das Management bezifferte die mittelfristige Ambition für das bereinigte EBITDA der Sparte thyssenkrupp Steel auf mindestens 1,2 Milliarden Euro.

Dieser Wert dient vielen Marktbeobachtern als Gradmesser für den Gesamterfolg der Neuausrichtung. Ohne ein verlässliches operatives Fundament im Stahlbereich bleibt der Spielraum für künftige Investitionen begrenzt. Anleger müssen daher abwägen, ob die avisierte Steigerung der Ertragskraft aus eigener Kraft gelingen kann oder ob das Marktumfeld diesen Zielen entgegensteht.

Margenpotenzial und Sanierungsziele stützen die Zuversicht

Befürworter eines positiven Verlaufs verweisen auf die konkreten Zwischenziele, die thyssenkrupp Steel am 28. September vorgelegt hat. Neben dem bereinigten operativen Ergebnisziel strebt die Sparte eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 11 Prozent sowie einen positiven freien Cashflow an. Geplante Selbsthilfemaßnahmen sollen dabei die Ergebnisse um mehr als 800 Millionen Euro verbessern.

Deutsche Bank Research stufte die Aktie am 29. September mit „Buy“ und einem Kursziel von 18 Euro ein. Analyst Bastian Synagowitz bezeichnete das Stahlgeschäft als maßgeblichen Kurstreiber und verwies auf die laufende Transformation sowie mögliche europäische Protektionsmaßnahmen.

Gestützt wird das Bild durch kleinere Erfolge in anderen Sparten: So meldete die Tochtergesellschaft thyssenkrupp nucera am 29. September einen Chlor-Alkali-Auftrag von Hongniu Lanzhou im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Operative Hürden und Altlasten bergen Rückschlagpotenzial

Dem optimistischen Ausblick stehen greifbare Risiken gegenüber. Der Umbau greift tief in gewachsene Strukturen ein und fordert Zugeständnisse an mehreren Standorten. Vor über einem Monat kündigte der Konzern für den Bereich Fahrwerkstechnik einen Stellenabbau von 160 bis 180 Arbeitsplätzen an den Standorten Essen und Ennepetal an. Die neue Organisation soll planmäßig am 1. Januar 2027 starten.

Verzögerungen bei der Umsetzung dieser Maßnahmen oder anhaltender Preisdruck auf dem europäischen Stahlmarkt könnten die Ergebnisziele gefährden. Jefferies stufte das Papier am 25. September mit „Buy“ und einem Kursziel von 13 Euro ein, verwies jedoch darauf, dass verlässliche Einblicke in den Weg zur Eigenständigkeit der Stahlaktivitäten zwingend erforderlich bleiben.

Hinzu kommen externe Reibungspunkte: Im Streit um das gestoppte Fregattenprojekt F126 verlangt die niederländische Werft Damen Medienberichten zufolge rund 4,7 Milliarden Euro von der Bundesrepublik.

Die Bundesregierung plant stattdessen die Beschaffung von Einheiten des Typs MEKO A-200 bei der Thyssenkrupp-Marinetochter TKMS. Auch wenn Thyssenkrupp nicht direkt verklagt wird, zeigt der Vorgang die anhaltende politische und vertragliche Komplexität im Verteidigungssektor.

Tragfähigkeit der Sanierung vor den Bilanzzahlen

Solange die Aktie ihre Erholung stabilisieren kann und keine weiteren Belastungen aus dem operativen Geschäft gemeldet werden, bleibt das Vertrauen in den Sanierungskurs bestehen. Kippt jedoch die Zuversicht in die Erreichbarkeit der mittelfristigen Margenziele oder geraten die Kostensenkungspläne ins Stocken, droht der Kurs wieder unter Druck zu geraten.

Der nächste wichtige Fixpunkt im Finanzkalender steht bereits fest. An diesen Zahlen wird sich zeigen, wie weit die Transformation das Zahlenwerk bereits stützt.

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