Thyssenkrupp Nucera: SOEC-Massenproduktion aufgegeben
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 15:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Thyssenkrupp muss bei seiner Wasserstoff-Tochter einen Rückschlag verdauen. Thyssenkrupp Nucera hat entschieden, nicht in eine eigene Massenproduktion von SOEC-Stacks zu investieren – einer Schlüsseltechnologie für die Elektrolyse. Die Entscheidung fiel vor rund zwei Wochen und bringt spürbare finanzielle Folgen mit sich.
Höhere Verluste im Wasserstoffgeschäft
Die Aufgabe der SOEC-Massenproduktionspläne kostet Thyssenkrupp Nucera eine Einmalbelastung von rund 30 Millionen Euro im vierten Quartal. In der Folge passte das Unternehmen seine EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 an: Statt zuvor minus 80 bis minus 30 Millionen Euro rechnet Thyssenkrupp Nucera nun mit minus 105 bis minus 75 Millionen Euro. Der Verlust im Segment fällt damit deutlich höher aus als noch vor wenigen Wochen erwartet.
Auch beim Umsatz im Green-Hydrogen-Segment musste die Tochter zurückstecken: Statt der ursprünglich avisierten 120 bis 170 Millionen Euro rechnet Thyssenkrupp Nucera für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit 100 bis 130 Millionen Euro.
Der Rückzug aus der SOEC-Massenproduktion zeigt, wie schwer sich die Wasserstoffbranche derzeit mit dem Hochlauf industrieller Fertigungskapazitäten tut – ein Muster, das auch andere Anbieter der Branche zuletzt zu spüren bekamen.
Für den Thyssenkrupp-Konzern insgesamt bleibt die Belastung überschaubar. Die angehobene Konzern-EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr, die Untergrenze wurde vor rund zwei Wochen von 500 auf 600 Millionen Euro angehoben, bezieht sich auf das bereinigte EBIT der gesamten Gruppe und wird von der Entwicklung im vergleichsweise kleinen Wasserstoffsegment nicht in Frage gestellt.
Aktie zeigt sich robust
An der Börse hat die Nachricht aus dem Wasserstoffsegment bislang keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Die Thyssenkrupp-Aktie schloss am Freitag bei 14,67 Euro, ein Rückgang von 1,2 Prozent auf Tagesbasis.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 9,2 Prozent, über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs um 23 Prozent verteuert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 15,18 Euro, erreicht am 28. August, trennen das Papier nur 3,4 Prozent.
Die Kursstärke der vergangenen Wochen speist sich vor allem aus der angehobenen Konzernprognose und mehreren Analysten-Hochstufungen, die zuletzt für Rückenwind sorgten. Der Dämpfer bei der Wasserstoff-Tochter fällt demgegenüber klein aus – zumal Thyssenkrupp Nucera nur einen Teilbereich des breit diversifizierten Konzerns darstellt, der von Stahl über Marinesysteme bis zu Werkstoffhandel reicht.
Strukturelle Baustellen bleiben
Der Rückzug aus der SOEC-Massenproduktion reiht sich in eine Phase ein, in der Thyssenkrupp mehrere Konzernteile neu ordnet. Erst Anfang August hatte eine außerordentliche Hauptversammlung der Verselbstständigung der Sparte tk accelis zugestimmt. Die Entscheidung bei Nucera zeigt, dass auch profitable Wachstumsfelder wie Wasserstoff nicht vor Kurskorrekturen gefeit sind, wenn sich Marktbedingungen oder Technologiepfade verschieben.
Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob der Konzern seine im August angehobene Gesamtprognose halten kann. Die Belastungen bei Nucera dürften dafür nicht ausschlaggebend sein – sie betreffen ein Segment, dessen Volumen im Vergleich zum Gesamtkonzern begrenzt bleibt. Die Entwicklung im Wasserstoffgeschäft bleibt aber ein Beobachtungspunkt, gerade weil sie zeigt, wie volatil die Ertragslage in neuen Technologiefeldern noch ist.
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