UniCredit: Weidmann lÀdt Orcel zum GesprÀch
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 02:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gestern zeichnete sich eine wichtige Wende im Übernahmepoker zwischen UniCredit und der Commerzbank ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Jens Weidmann, hat UniCredit-Chef Andrea Orcel zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um über die künftige Governance und die strategische Ausrichtung zu beraten.
Diese Annäherung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die italienische Großbank ihren Einfluss in Frankfurt durch finanzielle Manöver und regulatorische Fortschritte massiv ausbaut.
Strategische Weichenstellung und regulatorischer Zeitplan
Das Treffen zwischen Weidmann und Orcel signalisiert eine neue Phase der Kommunikation, nachdem die Fronten zwischen Mailand und Frankfurt sowie Berlin zuletzt verhärtet schienen.
Während die Bundesregierung weiterhin einen Anteil von 12,7 % an der Commerzbank hält und das aktuelle Management unterstützt, schafft UniCredit Fakten. Die BaFin hat die Kontrollübernahme bereits vor gut drei Wochen genehmigt, womit eine wesentliche Hürde für eine Beteiligung von mehr als 30 % genommen wurde.
Die endgültige Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Erhöhung der Beteiligung wird in rund 60 Arbeitstagen erwartet, was einen Termin gegen Ende Oktober nahelegt. UniCredit verfolgt dabei ein klares langfristiges Ziel: Eine vollständige Fusion der Commerzbank mit der eigenen Tochtergesellschaft HVB soll bis Ende 2028 oder Anfang 2029 realisiert werden.
Medienberichten zufolge könnte ein geplantes Rückkaufprogramm im Volumen von 1,2 Milliarden Euro die Stimmrechte der UniCredit an der Commerzbank rechnerisch sogar über die 50-Prozent-Marke heben. Aktuell hält das Institut 47,59 % der Anteile, was einem Stimmrechtsanteil von 49,65 % entspricht.
Analysten erwarten deutliche Gewinnsteigerungen
Die Analysten von Intesa Sanpaolo bestätigten gestern ihre Einstufung für die UniCredit-Aktie mit „Outperform“ und rufen ein Kursziel von 103 Euro aus. Diese Einschätzung deckt sich mit den aktualisierten Konsensschätzungen für die kommenden drei Jahre.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Experten im Schnitt einen Nettogewinn von 11,33 Milliarden Euro. Dies würde einem Ergebnis je Aktie von 7,66 Euro entsprechen, woraus sich eine geschätzte Dividende von 3,82 Euro ableiten lässt.
Bis zum Jahr 2028 prognostiziert der Markt sogar einen Anstieg des Nettogewinns auf 13,45 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Fundamentaldaten regt sich politischer Widerstand.
Vor allem in der Region Toskana werden Forderungen laut, staatliche Eingriffe über das Instrument der „Golden Power“ zu prüfen, um den Einfluss auf den Bankensektor zu wahren. Dies betrifft zwar primär den Verkauf von Anteilen an der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS), verdeutlicht aber das angespannte politische Klima für grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa.
Charttechnik und aktuelle Marktlage
Die Aktie spiegelt den Optimismus der Investoren wider und weist seit Jahresanfang ein Plus von 19 % auf. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 84,37 € notiert das Papier nur knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 85,96 €.
Die technische Analyse identifiziert derzeit eine wichtige Unterstützungszone bei 83 Euro. Sollte diese Marke halten, rückt kurzfristig der Widerstand bei 86 Euro in den Fokus, wobei Experten langfristige Kursziele im Bereich von 90 Euro für möglich halten.
Nach unten hin sichern die gleitenden Durchschnitte den Trend ab. UniCredit notiert aktuell 16 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt, was die Beständigkeit des Aufwärtstrends unterstreicht. Falls der Verkaufsdruck am Markt jedoch zunehmen sollte, bietet der Bereich zwischen 79 und 80 Euro den nächsten signifikanten Support.
Anleger achten nun verstärkt auf die Ergebnisse des Treffens zwischen Orcel und Weidmann, da hier die Grundlage für eine einvernehmliche oder eine feindliche Übernahme der Commerzbank gelegt werden könnte.
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