Vipshop Aktie: Sondereffekt tÀuscht
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 11:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf den ersten Blick sieht das zweite Quartal von Vipshop nach einem Ausrufezeichen aus: Der Nettogewinn schoss um 189,1 Prozent auf umgerechnet 634,7 Millionen Dollar nach oben. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Das operative GeschÀft hat mit diesem Sprung wenig zu tun.
Der chinesische Online-HĂ€ndler fĂŒr Markenware zu reduzierten Preisen profitierte von einem einmaligen Investitionsgewinn in Höhe von 5,79 Milliarden Renminbi. Der Betrag stammt aus der Notierung eines gewerblichen REIT an der Börse Shanghai, in den Vipshop zwei von Shan Shan Outlets betriebene Einkaufszentren eingebracht hat. Ohne diesen Sondereffekt bleibt vom Gewinnsprung nichts ĂŒbrig â im Gegenteil.
KerngeschÀft bleibt schwach
Der bereinigte Non-GAAP-Gewinn, der solche Einmaleffekte herausrechnet, brach im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 57,8 Millionen Dollar ein, nach 2,1 Milliarden Renminbi im Vorjahr. Grund dafĂŒr ist neben dem schwĂ€cheren operativen GeschĂ€ft eine einmalige Nachzahlung bei der Quellensteuer auf frĂŒhere DividendenausschĂŒttungen.
Der Umsatz sank im Jahresvergleich auf 24,7 Milliarden Renminbi und verfehlte damit sowohl die eigene Prognose als auch die AnalystenschĂ€tzungen. Das Ergebnis je Aktie lag mit 2,91 Renminbi deutlich unter den erwarteten 3,94 Renminbi. Auch die Zahl der aktiven Kunden schrumpfte auf 42,3 Millionen, wĂ€hrend die Gesamtbestellungen von 193,0 auf 182,4 Millionen zurĂŒckgingen.
Vipshop-Chef Eric Shen sprach von einem "herausfordernden Konsumumfeld", in dem sich das Unternehmen auf sein Kernversprechen konzentriert habe: kuratierte Markenware fĂŒr treue Stammkunden. Finanzchef Mark Wang betonte die Disziplin bei den Margen und verwies darauf, dass in der ersten JahreshĂ€lfte rund 400 Millionen Dollar ĂŒber Dividenden und AktienrĂŒckkĂ€ufe an die AktionĂ€re zurĂŒckgeflossen seien.
Ausblick unter Vorjahresniveau
FĂŒr das dritte Quartal rechnet Vipshop mit UmsĂ€tzen zwischen 20,3 und 21,4 Milliarden Renminbi â ein erwarteter RĂŒckgang von bis zu 5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Der Konsens der Analysten lag mit 21,31 Milliarden Renminbi am oberen Ende dieser Spanne, was zeigt: Der Markt hatte bereits mit einer AbschwĂ€chung gerechnet, aber nicht unbedingt mit dieser Bandbreite nach unten.
Der Vorstand hat am 20. August ein neues AktienrĂŒckkaufprogramm ĂŒber bis zu einer Milliarde Dollar genehmigt, das nach vollstĂ€ndiger Ausschöpfung des bestehenden Programms fĂŒr 24 Monate greifen soll. Das laufende Programm aus dem Februar 2025 ist noch bis Februar 2027 aktiv und zu gut 217 Millionen Dollar ausgeschöpft.
FĂŒr ein Unternehmen mit schrumpfender Kundenbasis und rĂŒcklĂ€ufigem KerngeschĂ€ft bleibt der RĂŒckkauf vorerst das deutlichste Signal an die AktionĂ€re, dass das Management an die eigene Bewertung glaubt.
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