Volkswagen Aktie: Schubert übernimmt US-Geschäft
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 11:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Volkswagen plant eine grundlegende Neuausrichtung seines US-Geschäfts. Der Konzern will das Management austauschen und das Produktangebot überarbeiten, ein neuer Pickup soll dazugehören. Das teilte eine Unternehmensquelle Reuters am Freitag mit.
Den Personalwechsel an der US-Spitze meldete zuerst das Handelsblatt: Marco Schubert, bislang Vertriebschef der Premiummarke Audi, übernimmt das US-Geschäft und ersetzt Kjell Gruner, der das Unternehmen verlässt. Der Wechsel fällt in eine schwierige Phase für den Standort. Im Werk Chattanooga in Tennessee stellte Volkswagen die Produktion des elektrischen ID.4 Anfang des Jahres ein, nachdem sich die US-Förderbedingungen für Elektrofahrzeuge geändert hatten. Über die Umsetzung des neuen Pickup-Projekts – allein oder gemeinsam mit einem Partner wie Ford – soll laut der Reuters-Quelle in den kommenden Wochen und Monaten entschieden werden.
Parallel dazu setzt Volkswagen in Chattanooga auf ein bestehendes Modell: Heute enthüllt die Marke dort den neuen Atlas Cross Sport, der ebenfalls am Standort gefertigt wird. Der Termin unterstreicht, dass Volkswagen trotz des Rückschlags beim Elektroauto am US-Werk festhält, während sich die Konzernspitze neu sortiert.
Sparprogramm und schwächere Ergebnisse als Hintergrund
Der Umbau in den USA reiht sich in eine breitere Restrukturierung ein. Anfang Juli hatte der Konzernvorstand dem Aufsichtsrat ein Maßnahmenpaket mit zwölf Initiativen und ein Zielbild 2030 vorgestellt. Die Modellpalette soll um bis zu 50 Prozent gestrafft, die Zahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Über mögliche Werksschließungen und Stellenstreichungen will der Vorstand erst nach der Sommerpause beraten, konkrete Beschlüsse liegen bislang nicht vor.
Untermauert wird der Sparkurs durch die jüngsten Zahlen: Ende Juli meldete Volkswagen für das zweite Quartal einen Gewinn nach Steuern von 1,54 Milliarden Euro, ein Rückgang von 32,9 Prozent gegenüber 2,29 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Beim operativen Ergebnis blieb der Konzern zehn Prozent unter den Erwartungen der Börse, während der freie Mittelzufluss besser ausfiel als gedacht. Zusätzlichen Druck brachte Audi: Die Konzernmarke kappte am 27. Juli ihre Prognose für 2026 deutlich und rechnet nun mit rund 5 Milliarden Euro weniger Umsatz sowie sinkenden Margen, belastet vor allem durch das eingeschränkte China- und US-Geschäft.
Auf der Elektrifizierungsseite personalisiert der Konzern ebenfalls nach: Seit dem 1. August ist Joost Kessels als Chief Development Officer für SEAT und CUPRA im Amt, mit dem Auftrag, die Rolle der beiden Marken in der Elektrifizierungsstrategie zu stärken.
Analysten sehen China als Belastung
Nach den Q2-Zahlen reagierten Analysten verhalten. Die Privatbank Berenberg senkte am 27. Juli ihr Kursziel für Volkswagen von 113 auf 100 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy". Analyst Romain Gourvil begründete dies mit einem soliden freien Barmittelzufluss, verwies zugleich aber auf anhaltende Herausforderungen des Autobauers in China. Eine weitere Bank hatte ihr Kursziel bereits zuvor von 99 auf 90 Euro gesenkt, ebenfalls bei einer Kaufeinstufung.
An der Börse zeigte sich die Vorzugsaktie zuletzt stabilisiert: Am Freitag schloss sie 1,20 Prozent höher bei 76,18 Euro. Der langfristige Abwärtstrend bleibt jedoch sichtbar – der Titel notiert 17,23 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt und liegt seit Jahresbeginn 26,86 Prozent im Minus. Die nächsten Quartalszahlen dürften am 29. Oktober folgen und werden zeigen, ob die angekündigten US-Maßnahmen bereits erste Wirkung zeigen.
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