Vonovia, Aktie

Vonovia Aktie: Tiefster Stand seit 2014

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vonovia senkt Miet- und Ergebnisziele, während höhere Zinsen Verkäufe und Bewertungen belasten.
Vonovia, Aktie, Tiefster, Miet-, Ergebnisziele, Zinsen, Verkäufe, Bewertungen Illustration mit AI erstellt.

Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern stutzt seine Ambitionen, und die Börse reagiert deutlich. Die Vonovia-Aktie rutschte am Donnerstag bis auf 15,26 Euro und markierte damit den tiefsten Stand seit 2014. Zuletzt stand ein Minus von 4,7 Prozent auf 15,70 Euro zu Buche, womit das Papier Schlusslicht im DAX war.

Zinsen drücken Verkäufe und Bewertungen

Auslöser ist die Mitteilung vom Mittwochabend. Hohe Finanzierungskosten belasten das Transaktionsgeschäft, zudem fällt das Mietwachstum etwas schwächer aus als geplant. Für 2026 rechnet Vonovia nun mit einer organischen Mietsteigerung von 3,8 Prozent statt rund 4 Prozent. Das bereinigte Ebitda soll in der unteren Hälfte der Spanne von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro landen.

Der Konzern begründet die Zurückhaltung mit dem Zinsumfeld. Die Notenbanken hatten die Leitzinsen wegen der ölpreisbedingten Inflation angehoben. Käufer halten sich dadurch zurück, und in den Bewertungsmodellen sinken die Verkehrswerte. Nach vier Halbjahren mit Bewertungsgewinnen erwartet Vonovia für 2026 eine weitgehend stabile Portfoliobewertung. Mietwachstum dürfte sich daher kurzfristig nicht wie bisher angenommen in Wertzuwachs übersetzen.

Der operative Free Cashflow, wichtig für die Dividende, soll moderat unter dem Vorjahr liegen. Bisher war das Vorjahresniveau das Ziel.

Prognosen für 2027 und 2028

Neu ist der Ausblick für 2027: Das bereinigte Ebitda soll nur leicht über dem Wert von 2026 liegen, der bereinigte Vorsteuergewinn etwa auf Vorjahresniveau. 2028 rechnet der Konzern nur noch mit dem unteren Ende der unveränderten Spanne von 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro. Das frühere Mietwachstumsziel von rund 5 Prozent für 2028 gilt als nicht erreichbar.

Vonovia leitet einen "fokussierten Maßnahmenplan" ein. Die Development-Aktivitäten werden überprüft, in neue "Manage-to-Green-Projekte" fließt vorerst kein Geld mehr. Die Entschuldung bleibt nach Konzernangaben oberste Priorität. Die Neunmonatszahlen zeigen, warum: Das bereinigte Ebitda stieg leicht auf 2,19 Milliarden Euro, doch höhere Finanzierungskosten neutralisierten den Zuwachs weitgehend beim Vorsteuergewinn.

Analysten: Reset statt Desaster

Jefferies-Analyst Pierre-Emmanuel Clouard sprach von einem Reset der Wachstumsambitionen, vor allem mittelfristig. Die Änderungen für 2026 seien überschaubar. Ein Händler nannte die Zahlen "kein Desaster, sie helfen aber auch nicht".

Berenberg kappte das Kursziel von 34,50 auf 23 Euro, blieb aber bei "Buy". Analyst Kai Klose verwies auf das robuste Vermietungsgeschäft, das im ersten Halbjahr 87 Prozent des operativen Ergebnisses beigesteuert habe. Seine Rechnung berücksichtigt allerdings die geringere Ergebnisdynamik und die höheren Marktzinsen.

Seit Jahresbeginn summieren sich die Kursverluste auf rund 36 Prozent. Nur BMW hat im DAX noch stärker nachgegeben. Der Abstand zum Berenberg-Ziel zeigt, wie weit Marktstimmung und Analystenmodelle derzeit auseinanderliegen.

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