Wienerberger Aktie: EBIT bricht auf 60 Millionen ein
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wienerberger steckt in einer doppelten Krise: Am Mittwoch legte der Baustoffkonzern schwache Halbjahreszahlen vor, kurz nachdem der überraschende Rücktritt von Langzeit-CEO Heimo Scheuch das Unternehmen erschüttert hatte. Die Aktie notiert am Donnerstag bei 19,21 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief.
Scheuch hatte das Amt laut Unternehmensangaben mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Als Interimslösung übernahm Gerhard Hanke die Führung, während Wienerberger nach eigenen Angaben strukturiert einen dauerhaften Nachfolger sucht. Der abrupte Wechsel an der Konzernspitze trifft das Unternehmen zu einem heiklen Zeitpunkt, da operativ ohnehin Gegenwind herrscht.
Umsatz wächst, Ergebnis bricht ein
Für das zweite Quartal 2026 meldete Wienerberger einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das operative EBITDA sank im selben Zeitraum jedoch.
Für das gesamte erste Halbjahr wies der Konzern einen Umsatz von 2,434 Milliarden Euro aus, ein Plus von 4 Prozent, dem allerdings ein operatives EBITDA von 326 Millionen Euro gegenüberstand – ein Rückgang um 15 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Das EBIT brach um 70 Prozent auf 60 Millionen Euro ein.
Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im freien Cashflow, der im ersten Halbjahr mit minus 203 Millionen Euro tief in die roten Zahlen rutschte. Als Ursachen nannte das Unternehmen eine schwächere Nachfrage im Wohnungsneubau in Nordamerika und Großbritannien sowie anhaltende Kosteninflation. Trotz der Belastungen bestätigte Wienerberger seine Jahresprognose von 700 Millionen Euro operativem EBITDA.
Kurs nahe am Jahrestief
Der Markt reagiert seit der Doppelmeldung aus schwachen Zahlen und CEO-Wechsel mit deutlichem Abverkauf. Binnen sieben Handelstagen verlor die Aktie 7,6 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 11 Prozent. Damit bewegt sich das Papier nur gut ein Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro, das erst am Vortag markiert wurde.
Die Kombination aus operativem Ergebnisrückgang und Führungswechsel lässt Anleger vorsichtig bleiben. Zwar hält das Management an der Jahresprognose fest, doch die Frage nach einem dauerhaften CEO bleibt ebenso offen wie die nach einer Stabilisierung der Nachfrage in den wichtigen nordamerikanischen und britischen Märkten. Bis eine Nachfolgelösung für Scheuch feststeht, dürfte die Unsicherheit über die strategische Ausrichtung des Konzerns den Kurs weiter belasten.
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