Wienerberger Aktie: Scheuch tritt mit sofortiger Wirkung zurück
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 15:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der österreichische Baustoffkonzern Wienerberger steht vor einem plötzlichen Führungswechsel. Mitten in einer wirtschaftlich angespannten Phase für die Bauindustrie legte der langjährige Vorstandsvorsitzende Heimo Scheuch am Montag sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.
Dieser Schritt erfolgt nur zwei Tage vor der geplanten Veröffentlichung der Halbjahresbilanz und verschärft die Unsicherheit bei den Anlegern, nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Monat seine Gewinnziele nach unten korrigieren musste.
Überraschender Rückzug an der Konzernspitze
Wie Medienberichten am Montag zu entnehmen war, erfolgt der Rücktritt von Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen. Scheuch hatte das Unternehmen über Jahre geprägt und durch verschiedene Marktzyklen geführt. Interimistisch übernimmt Gerhard Hanke die Leitung des Konzerns. Hanke war bisher als stellvertretender Vorstandschef tätig und verantwortete insbesondere die Geschäftsregionen Zentral- und Osteuropa.
Der Aufsichtsrat hat bereits reagiert und eine strukturierte Suche nach einer langfristigen Nachfolge eingeleitet. Dennoch kommt der Wechsel zu einem kritischen Zeitpunkt: Der Baustoffsektor leidet weltweit unter einer erheblichen Abkühlung im Wohnungsneubau, was die operative Steuerung des Konzerns erschwert.
Herausforderndes Umfeld belastet die Bilanz
Bereits am 21. Juli hatte Wienerberger seinen Jahresausblick für 2026 gesenkt. Das Management reagierte damit auf eine unerwartet schwache Entwicklung im Wohnungsneubau, die vor allem in den Kernmärkten USA, Kanada und Großbritannien spürbar ist. Nach Unternehmensangaben belastet dieser Abschwung das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im laufenden Jahr mit rund 100 Millionen Euro.
Knapp die Hälfte dieser Belastung entfiel dabei auf das erste Halbjahr. Infolge dieser Entwicklungen erwartet Wienerberger für das Gesamtjahr nur noch ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro.
Auch die Zahlen für das zweite Quartal spiegeln den Druck wider: Während der Umsatz auf 1,41 Milliarden Euro kletterte, sank das EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von über 250 Millionen auf 230 Millionen Euro.
Analysten reagierten bereits auf die eingetrübten Aussichten. Die Citigroup stufte die Aktie am 22. Juli von „Buy“ auf „Neutral“ herab und reduzierte das Kursziel auf 22 Euro.
Blick auf die morgige Veröffentlichung
Am morgigen Mittwoch wird Wienerberger wie geplant die detaillierten Ergebnisse für das zweite Quartal sowie die Bilanz für das erste Halbjahr 2026 vorlegen. Anleger werden dabei besonders darauf achten, ob die jüngste Prognosesenkung bereits alle Risiken der Baukrise abdeckt oder ob weitere Belastungen drohen. Der Kurs der Aktie spiegelt die aktuelle Skepsis des Marktes wider und notiert derzeit bei 21,40 €.
Seit Jahresbeginn verzeichnete das Papier einen Rückgang von 29,84 %, womit sich der Wert deutlich von seinem 52-Wochen-Hoch bei 34,92 € entfernt hat. Für den Interimschef Gerhard Hanke wird die Herausforderung nun darin bestehen, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und den Konzern durch die Flaute im Wohnbau zu steuern. Die morgigen Zahlen werden hierfür eine erste wichtige Orientierungshilfe bieten.
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