Wienerberger: Zwei Manager kaufen Aktien
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 02:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Führungskräfte von Wienerberger haben in den vergangenen Wochen eigene Aktien des Baustoffkonzerns erworben. Aufsichtsrat Peter Steiner kaufte am 20. August Papiere, Interim-CEO Gerhard Hanke bereits am 13. August. Beide Transaktionen wurden über Pflichtmitteilungen nach dem Marktmissbrauchsrecht veröffentlicht.
Die Käufe fallen in eine Phase, in der die Aktie erheblich unter Druck steht. Seit Jahresbeginn hat das Papier 35 Prozent an Wert verloren, zum 52-Wochen-Hoch von 31,34 Euro vom 2. Januar beträgt der Abstand 37 Prozent.
Am Freitag schloss die Aktie bei 19,84 Euro, nur 4,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro, das erst am 19. August markiert wurde. Der Kurs notiert damit deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 25,46 Euro.
Führungswechsel und schwächere Guidance als Belastung
Der Rückkauf-Impuls der Manager fällt in eine turbulente Phase für den Konzern. CEO Heimo Scheuch war vor rund zwei Wochen aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, Gerhard Hanke übernahm die Geschäfte interimistisch.
Seither hat die Aktie rund 5,0 Prozent verloren. Parallel dazu hatte Wienerberger vor rund zwei Wochen seine Halbjahreszahlen vorgelegt und die Jahresprognose gesenkt: Das operative EBITDA-Ziel für 2026 wurde von ursprünglich 810 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro reduziert.
Grund ist der schwache Wohnungsneubau in den USA, Kanada und Großbritannien, der das Ergebnis um rund 100 Millionen Euro belastet – davon 40 Millionen Euro bereits im ersten Halbjahr. Seit der Vorlage der Zahlen gab die Aktie um 4,6 Prozent nach.
Dass ausgerechnet in dieser Phase zwei Insider zugreifen, wird von Marktbeobachtern häufig als Signal für Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung gewertet – auch wenn Directors' Dealings allein keine Kaufempfehlung darstellen.
Zukäufe sollen Wachstum stützen
Operativ hat Wienerberger seine Akquisitionsstrategie zuletzt fortgesetzt. Im Mai kündigte der Konzern die vollständige Übernahme der serbischen Univerzum Group an, eines Herstellers von Hintermauerziegeln mit rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Zahlung soll über 2026 und 2027 verteilt erfolgen, das EV/EBITDA-Multiple liegt nach Synergien bei etwa dem Fünffachen.
Bereits im Februar hatte Wienerberger die Übernahme der italienischen Italcer-Gruppe angekündigt, eines Keramikproduzenten mit rund 350 Millionen Euro Umsatz und einer EBITDA-Marge von über 20 Prozent im Jahr 2025; das Closing erfolgte im zweiten Quartal.
Mittelfristig soll Italcer mehr als 100 Millionen Euro zum Konzern-EBITDA beitragen. Im März schloss zudem die Übernahme der schwedischen NEWS Group ab, eines Anbieters nachhaltiger Abwasserlösungen in Nordeuropa.
Diese Zukäufe zahlten sich im zweiten Quartal bereits teilweise aus: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 1,409 Milliarden Euro, das organische Wachstum lag bei 7 Prozent. Das Segment Infrastruktur & Renovierung macht laut Unternehmensangaben mittlerweile mehr als 60 Prozent der Konzernerlöse aus – ein struktureller Wandel weg von der klassischen Ziegelproduktion hin zu weniger zyklischen Geschäftsfeldern.
Abseits des operativen Geschehens sorgte zuletzt auch eine Marketing-Nachricht für Aufmerksamkeit: Wienerberger Österreich wird ab der Saison 2026/27 für drei Jahre offizieller Partner des österreichischen Skisprung-Nationalteams, mit Logopräsenz auf Anzügen und Teamkleidung.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die Insiderkäufe tatsächlich eine Bodenbildung nach der schweren Kurskorrektur ankündigen, oder ob die schwache Baukonjunktur in Nordamerika und Großbritannien den Konzern weiter belastet. Die Volatilität von 31 Prozent auf 30-Tage-Basis signalisiert, dass der Markt diese Frage noch nicht beantwortet hat.
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