WisdomTree Cocoa 2x EUR: 3,38 Mio. SĂ€cke Lagerbestand
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR Zertifikat verzeichnete zu Beginn der Handelswoche deutliche Kursverluste. Auslöser für den Abwärtstrend ist eine Kombination aus steigenden Exportzahlen in den wichtigsten Anbauregionen Westafrikas und einer gleichzeitig schwächelnden Nachfrage in Europa.
Während die Lagerbestände an den Terminbörsen auf Mehrjahreshochs klettern, reagieren die Notierungen für den Rohstoff Kakao mit einem spürbaren Rückgang, was den gehebelten Faktor des Zertifikats verstärkt belastet.
Exporte aus Westafrika belasten den Weltmarkt
Aktuelle Handelsdaten zeigen eine deutliche Entspannung auf der Angebotsseite, was die Preise für Kakaofutures in New York und London unter Druck setzt. Nigeria meldete für den Monat Juli einen Anstieg der Kakaoexporte um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 16.052 Tonnen.
Noch gewichtiger fallen die Zahlen aus der Elfenbeinküste aus. Die dortigen Verschiffungen erreichten zuletzt ein Volumen von 2,11 Millionen Tonnen, was einem Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Parallel dazu haben sich die Lagerbestände der US-Terminbörse ICE massiv erhöht. Mit einem Stand von über 3,38 Millionen Säcken wurde Anfang August ein Zwei-Jahres-Hoch markiert.
Um die Ausfuhr des Rohstoffs weiter zu beschleunigen, hat die Ghana Cocoa Marketing Company am Sonntag einen 24-Stunden-Betrieb in den strategisch wichtigen Häfen von Tema und Takoradi aufgenommen. Laut COCOBOD-Chef Randy Abbey soll dieser Schritt die Wartezeiten für Schiffe verkürzen und die Exporteffizienz steigern, um Verzögerungen beim Abtransport der Ernte zu minimieren.
Schwache Nachfrage in der europäischen Verarbeitung
Dem wachsenden Angebot steht eine abkühlende Nachfrage in den westlichen Industrienationen gegenüber. Im zweiten Quartal sanken die Kakaovermahlungen in Europa um 4,6 Prozent auf 316.366 Tonnen. Dies stellt den niedrigsten Wert für diesen Zeitraum seit sechs Jahren dar.
Da die Vermahlungszahlen als wichtiger Indikator für den tatsächlichen industriellen Bedarf und den Schokoladenkonsum gelten, wertet der Markt dies als Zeichen einer konjunkturellen Eintrübung.
In diesem Umfeld lieferte auch der Agrarkonzern Olam Group aktuelle Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026. Das Unternehmen meldete einen Umsatzrückgang von 18,3 Prozent auf 12,5 Milliarden Singapur-Dollar. Das operative Ergebnis (EBIT) brach im gleichen Zeitraum um 34,2 Prozent auf 455 Millionen Singapur-Dollar ein.
Zwar konnte die Gruppe einen massiven Anstieg des Nettogewinns auf 1,9 Milliarden Singapur-Dollar ausweisen, dieser resultierte jedoch primär aus einem Einmalgewinn in Höhe von 1,75 Milliarden Singapur-Dollar durch den Verkauf von Anteilen an Olam Agri. Positiv bewerteten Analysten lediglich den freien Cashflow von 1,7 Milliarden Singapur-Dollar sowie die Reduzierung der Nettoverschuldung.
Ausblick auf die neue Erntesaison und technische Signale
Trotz des aktuellen Preisdrucks durch kurzfristige Überangebote bleiben die Prognosen für die kommende Erntesaison 2026/27 von Unsicherheit geprägt. Marktbeobachter schätzen die Ernte in Ghana auf etwa 650.000 Tonnen, was einem Rückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.
Auch für die Elfenbeinküste wird mit 1,8 Millionen Tonnen ein Minus von 18 Prozent erwartet. Ein wesentlicher Risikofaktor bleibt das Wetterphänomen El Niño, für das Experten die stärkste Ausprägung seit 75 Jahren prognostizieren, was die Ernteerträge in Westafrika massiv beeinträchtigen könnte.
Technisch gesehen hat sich das Bild für den Kakaomarkt eingetrübt. Die Notierungen an den Terminbörsen fielen am Montag unter ihre gleitenden Durchschnitte der letzten 20 und 50 Tage. Auch das WisdomTree-Zertifikat notierte am Montag schwächer und gab einen Teil seiner vorangegangenen Gewinne ab.
Solange die globalen Lagerbestände auf hohem Niveau verharren und die europäische Nachfrage keine Anzeichen einer Erholung zeigt, dürfte der Rohstoffsektor vorerst im Konsolidierungsmodus bleiben. Anleger sollten zudem ein neues Gesetz in Ghana beachten, das den Bauern ab sofort mindestens 70 Prozent des Exportpreises garantiert, was die langfristige Kostenstruktur der Produktion verändern könnte.
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