WisdomTree, Cocoa

WisdomTree Cocoa 2x EUR: 72 Prozent unter 2025-Hochs

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 13:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kakaopreis fällt auf Zweieinhalbjahrestief, belastet durch Rekordernten in Westafrika und EUDR-Auflagen. Der WisdomTree 2x Leveraged EUR verzeichnet deutliche Verluste.

Kakaopreis verliert 72%: WisdomTree 2x Leveraged Zertifikat unter Druck
Nahaufnahme von Kakaobohnen und dunklen Schokoladenstücken auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der globale Kakaomarkt steht derzeit unter erheblichem Preisdruck, was direkte Auswirkungen auf die Rahmenbedingungen für gehebelte Anlageinstrumente wie den WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR hat. Medienberichten zufolge sind die Preise an der ICE Europe seit Beginn des Jahres um rund 41 Prozent eingebrochen.

Gegenüber den Höchstständen aus dem Jahr 2025 markiert dies einen Rückgang von 72 Prozent, womit die Notierungen den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren erreicht haben. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist primär eine deutliche Ausweitung des Angebots aus Westafrika.

Angebotsüberschuss belastet die Notierungen am Terminmarkt

In der Elfenbeinküste, dem weltweit wichtigsten Anbaugebiet, sind die Kakaolieferungen im laufenden Vermarktungsjahr um 21 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Analysten für die Saison 2025/26 mit einem deutlichen Marktüberschuss rechnen. Während das Analysehaus Areté von einem Überangebot von mehr als 200.000 Tonnen ausgeht, beziffert der Rohstoffhändler Marex den Überschuss sogar auf bis zu 400.000 Tonnen.

Dieser Überfluss am physischen Markt zeigt sich auch in der Verarbeitung: Barry Callebaut meldete für das dritte Quartal einen Anstieg des Absatzvolumens um 5,7 Prozent, was den ersten Zuwachs seit zwei Jahren darstellt. Trotz der aktuell hohen Verfügbarkeit warnen Experten jedoch vor künftigen Risiken.

Für die kommende Ernte 2026/27 wird in der Elfenbeinküste eine geringere Menge von etwa 1,8 Millionen Tonnen prognostiziert, zudem könnten extreme Wetterereignisse wie Überflutungen oder ein erwarteter El Niño die Bestände durch Krankheiten wie die Braunfäule gefährden.

Regulatorische Hürden durch EU-Entwaldungsgesetz

Zusätzlich zum physischen Überangebot sorgt die bevorstehende Umsetzung der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) für Unsicherheit in der Lieferkette.

Ab Ende Dezember müssen Importeure nachweisen, dass ihr Kakao nicht auf Flächen produziert wurde, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden. Es wird berichtet, dass insbesondere in Nigeria, dem viertgrößten Produzenten weltweit, mehr als 50 Prozent der rund 300.000 Kleinbauern anfangs an diesen strengen Auflagen scheitern könnten.

Die Kosten für die erforderliche Kartierung und Zertifizierung sind erheblich. Schätzungen von Branchenakteuren wie Sunbeth Global oder Starlink beziffern die Zusatzkosten auf 30 bis 80 US-Dollar pro Tonne. Da diese Kosten bisher kaum an die europäischen Käufer weitergegeben werden, steigt der wirtschaftliche Druck auf die Exporteure und Zwischenhändler in Westafrika, was zu einer zweijährigen Angebotslücke bei zertifizierter Ware führen könnte.

Preisdruck erreicht die Erzeugerländer

Die Folgen des Preisverfalls am Weltmarkt kommen mittlerweile direkt bei den Produzenten an. In der Elfenbeinküste wurde der staatliche Abnahmepreis für das Jahr 2026 auf 1.200 CFA-Franc pro Kilogramm festgesetzt, was einer Halbierung gegenüber den Niveaus während des Rekordbooms im Frühjahr 2024 entspricht. Auch in Ghana reagierten die Behörden auf die veränderte Marktlage und senkten den Bauernpreis um 29 Prozent auf 41.392 GHS pro Tonne.

Der Experte Friedel Hütz-Adams weist darauf hin, dass viele Bauern trotz der vorangegangenen Preisspitzen kaum Rücklagen bilden konnten und nun unter einer hohen Schuldenlast leiden. Während europäische Konsumenten für Schokolade rund 70 Prozent mehr bezahlen als noch im Jahr 2020, kommt dieser Wertschöpfungsanteil nicht bei den Erzeugern an.

Langfristige Lieferverträge und strengere Lieferkettengesetze werden von Fachleuten als notwendige Instrumente angesehen, um die Stabilität der Versorgung und faire Bedingungen für die Landwirte zu gewährleisten.

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