XPeng, Aktie

XPeng Aktie: 900-Millionen-Finanzierung bei 9,65 Euro

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 18:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

XPeng verzeichnet starkes Roboter-Funding, doch enttäuschende Quartalszahlen und ein schwacher Ausblick drücken die Aktie nahe ans Jahrestief.

XPeng: Roboter-Erfolg kann schwache Auto-Zahlen nicht kaschieren
Moderne Ladestation für Elektrofahrzeuge in einer hochtechnologischen Industrieumgebung bei Dämmerung Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es gibt diese Momente, in denen ein Unternehmen zwei völlig unterschiedliche Geschichten gleichzeitig erzählt – und der Aktienkurs sich für die pessimistischere entscheidet. Genau das passiert derzeit bei XPeng.

Am Montag legte der chinesische Elektroautobauer seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, verkündete parallel eine Rekordfinanzierung für seine Robotik-Sparte – und wurde am Markt trotzdem abgestraft. Die Aktie notiert aktuell bei 9,65 Euro, nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 9,42 Euro, das sie erst am Vortag markiert hatte.

Die zwei Geschichten lassen sich kaum krasser gegenüberstellen. Da ist zum einen das Kerngeschäft: XPeng meldete einen Umsatz von 19,74 Milliarden Renminbi, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und satte 51,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Fahrzeugauslieferungen kletterten sequenziell um 65 Prozent auf 103.295 Einheiten. Klingt nach Wachstum – ist aber vor allem die Erholung von einem schwachen ersten Quartal, nicht der Beweis einer sich beschleunigenden Nachfrage.

Der Nettoverlust weitete sich von 480 Millionen auf 1,34 Milliarden Renminbi aus, deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Und der Ausblick für das dritte Quartal, 21,7 bis 23,4 Milliarden Renminbi Umsatz, liegt spürbar unter dem, was der Konsens mit fast 26,7 Milliarden Renminbi veranschlagt hatte.

Die zweite Geschichte: Roboter statt Autos

Und dann ist da die andere Geschichte, die eigentlich viel spektakulärer klingt. XPeng Robotics hat mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung von über 6,3 Milliarden US-Dollar – die größte private Kapitalrunde, die China's Industrie für verkörperte KI je gesehen hat.

Angeführt von IDG Capital, mit Beteiligung von Gaorong Ventures und strategischen Investments von Tencent und Alibaba. Der humanoide Roboter IRON, ausgestattet mit 76 Freiheitsgraden und drei Turing-KI-Chips mit insgesamt 2.250 TOPS Rechenleistung, soll bis Jahresende in Serie gehen, mit einer geplanten Kapazität von 1.000 Einheiten pro Monat.

Firmenchef He Xiaopeng hat sich inzwischen selbst zum Chef der Robotik-Sparte gemacht und verwendete bei der Präsentation offenbar mehr Redezeit für Roboter als für Autos. Seine Begründung: Die technologischen Hürden für allgemeine humanoide Roboter seien mindestens zwanzigmal größer als die für intelligente Elektrofahrzeuge.

Man könnte sagen, XPeng versucht gerade, sich neu zu erfinden – vom Autobauer zum Infrastrukturanbieter für die nächste Automatisierungswelle. Über 85 Prozent der IRON-Lieferkette überschneidet sich mit dem Automobilgeschäft, was die Kosten drücken soll, während die Bruttomargen der Roboter-Hardware laut Unternehmensangaben deutlich über denen des aktuellen Fahrzeuggeschäfts liegen sollen.

Warum der Markt trotzdem verkauft

Hier liegt die eigentliche Pointe dieser Kolumne: Der Markt bewertet XPeng offenbar immer noch primär als Autohersteller, nicht als Robotik-Pionier. Medienberichten zufolge stürzte die Aktie am Montag genau deshalb ab – weil die Investoren dem Kerngeschäft misstrauen und die Zukunftsvision der Roboter diesen Vertrauensverlust nicht kompensiert. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich ist die Konstellation ein Lehrstück für den gesamten EV-Sektor: Wachstum allein reicht nicht mehr, wenn es aus einer schwachen Vorperiode kommt und die Margen nicht mitziehen. Die operative Verlustquote engte sich zwar sequenziell von 1,87 auf 1,14 Milliarden Renminbi ein, blieb aber über dem Vorjahreswert.

Auf der Habenseite: Die Auslandsauslieferungen legten im zweiten Quartal um 81 Prozent zu, machten in der ersten Jahreshälfte über 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Serviceerlöse, getrieben durch technische Entwicklungsdienstleistungen für Volkswagen, wuchsen um fast 94 Prozent. Und mit 40,48 Milliarden Renminbi Cash zum Quartalsende hat XPeng finanziellen Spielraum, um beide Wetten – Autos und Roboter – gleichzeitig weiterzuverfolgen.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn 47 Prozent verloren, seit dem 52-Wochen-Hoch im November sogar 60 Prozent. Macquarie senkte sein Kursziel am Montag auf 18 US-Dollar. Die eigentliche Frage für Anleger lautet nicht, ob XPeng gute Ideen hat – die Robotik-Runde beweist, dass selbst Tencent und Alibaba daran glauben. Die Frage ist, ob das Kerngeschäft schnell genug gesund wird, damit der Markt der zweiten Geschichte überhaupt zuhört.

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