Spahn und die Masken - Opposition fordert AufklÀrung
14.12.2025 - 17:17:36 | dpa.de(aktualisierte Fassung)
BERLIN (dpa-AFX) - Zum Wochenstart muss Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) im Bundestag erneut wegen seiner umstrittenen Rolle in der Corona-Krise Rede und Antwort stehen. GrĂŒne und Linke verlangen in einer Anhörung der Corona-Enquete-Kommission mehr AufklĂ€rung als bisher. Auch die ehemalige Sonderermittlerin Margaretha Sudhof ist geladen. Kritik an der Aufarbeitung der umstrittenen massenhaften MaskenkĂ€ufe kommt auch vom Bundesrechnungshof.
Infolge eines Berichts von Sudhof ĂŒber die KrisenbewĂ€ltigung der Regierung war Spahn im Sommer unter Druck geraten. Dort heiĂt es, die damalige Entscheidung des CDU-Politikers, die Corona-Schutzmasken-Beschaffung allein meistern zu wollen, ziehe bis heute "erhebliche Kosten und Risiken" nach sich.
Spahn war damals Bundesgesundheitsminister. Er rechtfertigte sein Vorgehen bereits mehrfach. "Da geht es um sechs, acht Wochen, wo wir unter gröĂter Notlage, Mangellage, sehr kurzfristig Schutzmasken besorgen mussten, wĂ€hrend die ganze Welt sie wollte", sagte er. "Und da, ja, mussten wir auch auĂergewöhnlich handeln."
Kritische Stellungnahme von RechnungsprĂŒfern
Der Bundesrechnungshof rĂŒgte in einer schriftlichen Stellungnahme fĂŒr die Enquete-Kommission, das Gesundheitsministerium erkenne Kritik an einer "Ăberbeschaffung" bis heute nicht an und lasse eine kritische Auseinandersetzung mit seiner BeschaffungstĂ€tigkeit vermissen. "Dies hat die Schaffung klarer Regeln und Strukturen fĂŒr kĂŒnftige Krisen nicht befördert."
Der Rechnungshof mahnt: "Die Versorgungssicherheit mit SchutzausrĂŒstung im Gesundheitswesen ist nach wie vor nicht gewĂ€hrleistet." Das Ministerium habe die "ĂŒberbeschafften BestĂ€nde" an Schutzmasken zum Kern einer noch zu schaffenden nationalen Reserve erklĂ€rt. "Eine rechtliche Grundlage und ein konzeptioneller Rahmen hierfĂŒr existieren jedoch bis heute nicht."
"Ego-Shooter" Spahn
Im Zentrum der 12. Sitzung der Enquete-Kommission stehen die Beschaffung von Impfstoffen und medizinischen Materialien und die Versorgungssicherheit. Mitte 2027 soll die Kommission Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen auch fĂŒr den Fall einer weiteren Pandemie per Bericht vorlegen.
Die GrĂŒnen-Obfrau Paula Piechotta sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Entscheidend ist, ob sich aus Akten und VertrĂ€gen Pflichtverletzungen, Vetternwirtschaft oder massives Missmanagement nachweisen lassen - und wer politisch die Verantwortung trĂ€gt." Die Opposition dĂŒrfte es Spahn nun nicht leicht machen, auch wenn die Enquete-Kommission kein Untersuchungsausschuss ist. Piechotta sagte: "Wenn Herr Spahn ĂŒberzeugt ist, dass alles korrekt war, sollte er vollstĂ€ndige Transparenz unterstĂŒtzen, statt auszuweichen."
Mit einem riesigen Fragenkatalog wollen die GrĂŒnen die Regierung derzeit zu Antworten verpflichten. UnabhĂ€ngig davon, ob sich der damalige Gesundheitsminister persönlich bereichert habe, hĂ€tte "ein Ego-Shooter wie Spahn krisenwichtige Beschaffungen" nie an sich ziehen dĂŒrfen, kritisierte Piechotta.
Spahns Ministerium habe "alles falsch gemacht, was man falsch machen kann". VertrÀge seien falsch abgeschlossen, Milliardenklagen ausgelöst worden. Ramsch statt QualitÀt und Logistik-Chaos hÀtten das Bild geprÀgt. Zu klÀren sei, ob "Spahns Netzwerke" durch ihn profitiert hÀtten. "Das werden wir herausfinden", versprach Piechotta. Gezeigt werden solle, "dass die SelbstreinigungskrÀfte der Demokratie funktionieren und jemand wie Jens Spahn auch Konsequenzen ziehen muss, wenn er Mist gebaut hat".
Linke fordert Untersuchungsausschuss
Auch aus Sicht der Linken sind noch viele Fragen rund um die Maskendeals offen. "Offenkundig allerdings bleibt, dass er einen enormen Anteil an dem Milliardendesaster hat", sagte der Obmann der Linken, Ates GĂŒrpinar. Die Akteneinsicht im Rahmen der Enquete-Kommission zeige, dass diese begrenzte Einsichtnahme zur AufklĂ€rung nicht ausreiche. "Wir brauchen einen Untersuchungsausschuss zur MaskenaffĂ€re und wir brauchen ihn schnell", forderte GĂŒrpinar.
Risiken in Milliardenhöhe
Der Bericht der Sonderermittlerin Sudhof hatte festgestellt, dass Spahn "gegen den Rat seiner Fachabteilungen" groà in die Maskenbeschaffung eingestiegen sei. Milliardenrisiken entstanden demnach, obwohl mit Beschaffung erfahrene Behörden bereitgestanden und mehrfach gewarnt hÀtten. Sudhof war von Spahn-Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) beauftragt worden.
In der Folge hatte die Opposition den Druck auf Spahn erhöht. FĂŒr GrĂŒne und Linke der Kern: Spahns enge persönliche Einbindung in die Maskendeals. Sie rufen Union und SPD seit lĂ€ngerem dazu auf, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses mitzutragen. GrĂŒne und Linke haben dafĂŒr zu wenige Stimmen, wollen aber kein gemeinsames Vorgehen mit der AfD.
Bund drohen Zahlungen in Milliardenhöhe
Um in der Krise ausreichend Schutzmasken zu beschaffen, hatte das Gesundheitsministerium ein besonderes Verfahren angewendet, bei dem LiefervertrÀge ohne weitere Verhandlungen zu festen Preisen zustande kamen. Mehr Firmen als gedacht machten bei der Ausschreibung mit. SpÀter klagten Lieferanten wegen verweigerter Bezahlung nach MÀngelbeschwerden. Spahn rechtfertigte das Vorgehen schon im Juni 2024 in einer Bundestagsdebatte: "Wir mussten in der Not entscheiden."
Im Juli 2024 verurteilte das Oberlandesgericht Köln den Bund zur Zahlung von 86 Millionen Euro plus Zinsen an eine Handelsfirma. Der Fall liegt nun beim Bundesgerichtshof. Piechotta sagt, im Fall eines juristischen Erfolgs der Unternehmer "zahlen wir als Steuerzahler nochmal 2,5 Milliarden plus Zinsen"./lfö/bw/sam/shy/DP/he
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