APA Ăsterreich muss sich endlich aus seiner AbhĂ€ngigkeit von...
12.12.2023 - 08:50:22 | dpa.deAPA ots news: Ăsterreich muss sich endlich aus seiner AbhĂ€ngigkeit von fossilem Gas lösen - BILD
Die immer noch hohe AbhĂ€ngigkeit von fossilem Gas aus Russland gefĂ€hrdet die heimische Versorgungssicherheit massiv. Erneuerbare Gase aus Ăsterreich könnten Abhilfe schaffen.
Wien (APA-ots) - Laut einem aktuellen Bericht hat der Anteil an russischem Erdgas an der österreichischen Gasversorgung mittlerweile einen Rekordwert von 90% erreicht. Eine so hohe AbhĂ€ngigkeit von einer Lieferquelle, noch dazu angesichts des Krieges und der aktuellen politischen Spannungen, ist ein massives Risiko fĂŒr die heimische Versorgungssicherheit. Ein wichtiger Teil der Lösung zur schrittweisen Beendigung dieser AbhĂ€ngigkeit: mehr erneuerbare Gase aus heimischer Produktion. Ein Vorschlag dafĂŒr liegt seit dem FrĂŒhjahr bereits auf dem Tisch, doch trotz Energiekrise und politischen Unsicherheiten auf internationaler Ebene ist die österreichische Bundesregierung bei der Beschlussfassung des dringend benötigten Erneuerbares-Gas-Gesetz (EGG) sĂ€umig. "Seit dem Ende der Begutachtung im MĂ€rz dieses Jahres gab es zahlreiche weitere Verhandlungsrunden, doch ein Ergebnis lĂ€sst weiterhin auf sich warten. Obwohl ein beschlussfĂ€higer Text auf dem Tisch liegt, gibt es weiterhin Verzögerungstaktiken. Damit muss nun Schluss sein. Das EGG muss so schnell wie möglich von der Regierung finalisiert und vom Parlament beschlossen werden.", betont Norbert Hummel, Biogas-Obmann des Kompost & Biogas Verbandes Ăsterreich.
Was der EGG-Vorschlag vorsieht
Vorgesehen ist ein Quotenmodell mit einem Ziel von 7,5 TWh erneuerbare heimische Gase bis 2030. Je nach Studie gibt es in Ăsterreich ein Potenzial alleine an Biomethan aus VergĂ€rung und Vergasung von organischen AbfĂ€llen und Reststoffen von zumindest 10 TWh a-1 (ohne Einbeziehung der möglichen Mengen aus Vergasung) bis hin zu 40 TWh a-1. Hinzu kommt der Beitrag aus erneuerbarem Wasserstoff, weswegen die anvisierten 7,5 TWh a-1 im Jahr 2030 eine gut gewĂ€hlte ZielgröĂe fĂŒr die erste Periode der Umsetzung sind. In einer weiteren Periode ab 2030 wird sich das Ausbauerfordernis an den bisherigen Erfahrungen zu bemessen haben. Zudem sind im Entwurf MaĂnahmen vorgesehen, damit verpflichtete Versorger ausreichend Zeit bekommen, sich entsprechende Mengen an erneuerbaren Gasen zu sichern, und auch die notwendige Investitionssicherheit wird durch den aktuellen Text sichergestellt. Beim Quotensystem handelt es sich also um das wohl marktbasierteste Modell zur UnterstĂŒtzung des Hochlaufes erneuerbarer Energie.
Zur Sicherstellung, dass die Vorgaben auch eine entsprechende Wirkung haben, wird ein Ausgleichsbeitrag fĂŒr jene Versorger fĂ€llig, die ihrer Verpflichtung nicht im notwendigen AusmaĂ nachkommen. Die tatsĂ€chliche Preisfindung wird von vielen Faktoren abhĂ€ngen, etwa dem Vertragsbeginn und -laufzeit, und wird von den Versorgern mit den Produzenten bilateral verhandelt. Nicht zuletzt wird im vorliegenden Entwurf auch bewusst niemand von einer möglichen Investition zur Erzeugung erneuerbarer Gase ausgeschlossen, was bedeutet, dass Verpflichtete jederzeit die Möglichkeit haben, selbst in die Produktion von erneuerbaren Gasen zu investieren. Ein weiterer Benefit: Erneuerbare Gase sind unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben von der Erdgasabgabe befreit und im europĂ€ischen als auch nationalen Emissionshandel mit 0 g CO2 Emission anrechenbar - damit ersparen sich Unternehmen Kosten, die andernfalls fĂŒr die Emission von CO2 anfallen wĂŒrden.
Was nicht ins EGG reinkommen darf
Um die Versorgungssicherheit Ăsterreichs durch die Hebung der national aufzubringenden Mengen an erneuerbaren Gasen zu gewĂ€hrleisten und dadurch die AbhĂ€ngigkeit von Drittstaaten im Bereich der Gasversorgung schrittweise zu reduzieren und einen wichtigen Schritt hin zur KlimaneutralitĂ€t zu machen ist es notwendig, dass jene Gase, die durch das EGG gefördert werden, auch tatsĂ€chlich zu den genannten Zielen wie Erzielung von mehr Versorgungssicherheit, Beitrag zum Klimaschutz etc. beitrĂ€gt.
Eine mögliche Anrechnung etwa von kohlenstoffarmen Gasen aus Erdgas oder Kohle vermindert nicht den CO2-AusstoĂ, noch leistet es einen Beitrag zur heimischen Versorgungssicherheit. Daher wurden diese Gase weder in den EU-rechtlichen Vorgaben in die Ziele mitaufgenommen, noch sollten sie in nationale Vorgaben hinsichtlich des Ausbaus erneuerbarer Gase aufgenommen werden. Wasserstoff aus Atomstrom wiederum wĂŒrde der österreichischen Atompolitik komplett widersprechen.
Bei der Frage nach der Ermöglichung von Importen wiederum sind zwei Punkte essentiell: GrundsĂ€tzlich spricht nichts gegen Importe von begrenzten Mengen erneuerbarer Gase, sofern dadurch die Hebung des heimischen Potenzials an erneuerbaren Gasen nicht beeintrĂ€chtigt wird. Somit muss eine begrenzte Anrechnung von Importen mit einer Erhöhung der Quotenverpflichtung einhergehen. AuĂerdem ist es wichtig, dass importierte Mengen auch tatsĂ€chlich zu mehr Versorgungssicherheit innerhalb der EU beitragen. Daher darf es keinesfalls zu einer Doppelanrechnung dieser Mengen kommen und mĂŒssen daher die EU-rechtlichen Vorgaben der Erneuerbaren Energien-Richtlinie eingehalten werden.
Wie es nun weitergehen muss
Der Weg ist klar: Das EGG muss so rasch wie möglich beschlossen werden, die Regierung muss sich dazu noch in diesem Jahr auf den gemeinsam erarbeiteten Text einigen. Eine weitere Verzögerung wĂŒrde nicht nur die weitere AbhĂ€ngigkeit von Russland und anderen Drittstaaten in der Energieversorgung bedeuten und das Ziel der KlimaneutralitĂ€t in weite Ferne rĂŒcken. Ohne diesem Wandel in der Gasversorgung wĂŒrden das Gasnetz als auch die dazugehörigen Speicheranlagen sukzessive an Bedeutung verlieren und ginge somit ein sehr effizientes leitungsgebundenes Energietransport- und saisonales Speichersystem verloren.
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