Warkens Milliarden-Sparplan
14.04.2026 - 16:26:23 | dpa.deDie CDU-Politikerin stellte in Berlin Kernpunkte fĂŒr ein Sparpaket vor, die auch milliardenschwere Ausgabenbremsen bei Versorgungsanbietern von den Praxen und Kliniken bis zu Arzneiherstellern umfassen. Einen konkreten Gesetzentwurf will die schwarz-rote Koalition jetzt in gut zwei Wochen ins Kabinett bringen.
Warken sprach von einem "ausgewogenen Paket", das alle beteilige und die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nachhaltig stabilisieren könne. Insgesamt soll es fĂŒr 2027 ein Einsparvolumen von knapp 20 Milliarden Euro ermöglichen - mehr als die erwartete LĂŒcke von 15 Milliarden Euro. "Wir mĂŒssen immer mit einem Puffer rechnen, weil wir ja auch sicher den stabilen Beitragssatz erreichen wollen", erlĂ€uterte die Ministerin.
Warken griff fĂŒr ihre Vorstellungen auf Empfehlungen zurĂŒck, die eine von ihr eingesetzte Expertenkommission Ende MĂ€rz vorgelegt hatte. "Wir haben uns jetzt die Werkzeuge ausgesucht, mit denen wir die GroĂbaustelle GKV-Finanzen angehen wollen." Das seien mehr als drei Viertel der VorschlĂ€ge. Generell gelte: "Wir können schlicht nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen." Preise und VergĂŒtungen fĂŒr Versorgungsanbieter sollen an die Entwicklung der Einnahmen gekoppelt werden. Und: Ausgaben mĂŒssten "nachweisbaren Nutzen" haben.
Was fĂŒr Versicherte in Sicht kommt
Die Ministerin betonte, ohne die Reform wĂŒrde die Belastung der Versicherten und ihrer Arbeitgeber "um ein Vielfaches höher ausfallen als mit der Reform". Bestehende HĂ€rtefallregelungen blieben unangetastet. Ein Ăberblick:
- Die seit 22 Jahren geltenden Zuzahlungen von mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro, wenn man ein verschriebenes Medikament in der Apotheke abholt, sollen angehoben werden - auf 7,50 Euro und 15 Euro.
- Wie von der Kommission empfohlen, sollen homöopathische Leistungen nicht mehr auf Kassenkosten zu bekommen sein. Gelten soll dies ebenso fĂŒr eine bisher alle zwei Jahre mögliche Hautkrebs-Vorsorge auch ohne Symptome.
- Die beitragsfreie Mitversicherung soll nicht abgeschafft, aber "modifiziert" werden - etwas milder als von den Experten empfohlen. Weiter beitragsfrei mitversichert sein sollen demnach Kinder, Eltern von Kindern unter 7 Jahren sowie von Kindern mit Behinderung, pflegende Angehörige und Menschen im Rentenalter. FĂŒr alle anderen bisher beitragsfrei versicherten Ehepartner plant Warken einen eigenen Beitrag von 3,5 Prozent. Gelten soll dies dann ab 2028.
Einschnitte bei Kliniken, Ărzten und Pharma
- Bei den Kliniken soll unter anderem eine Klausel dauerhaft gestrichen werden, die höhere VergĂŒtungsanstiege ermöglicht. EingefĂŒhrt werden soll, dass vor bestimmten Eingriffen eine zweite Ă€rztliche Meinung eingeholt werden kann.
- Bei den Ărztinnen und Ărzten in den Praxen soll fĂŒr bestimmte Leistungen die Bezahlung auĂerhalb genereller Honorarbudgets gestrichen werden - etwa fĂŒr offene Sprechstunden oder das erstmalige Laden von Behandlungsdaten in die neuen elektronischen Patientenakten.
- Pharmahersteller mĂŒssen sich darauf einstellen, dass Medikamente verstĂ€rkt mit gĂŒnstigeren RabattvertrĂ€gen gehandelt werden. Weitere Sparregeln sollen bei Arznei-Preisfindungen eingefĂŒhrt werden. Bei den Apotheken soll ein Rabatt erhöht werden, eine versprochene Erhöhung beim Fix-Honorar aber kommen.
- Bei den Kassen sollen nach Warkens PlĂ€nen Verwaltungsausgaben begrenzt und die Werbeausgaben halbiert werden. VergĂŒtungen von FĂŒhrungskrĂ€ften der Kassen und auch der KassenĂ€rztlichen Vereinigungen sollen begrenzt werden.
Wie es weitergeht
Der Gesetzentwurf soll nach dem Willen der Koalitionsspitzen am 29. April ins Kabinett kommen. Angestrebt wird dann ein Bundestagsbeschluss noch vor der Sommerpause. Ob es ergĂ€nzend noch Anhebungen bei gesundheitsrelevanten Steuern geben könnte, wie von der Expertenkommission empfohlen, ist offen. Warken sagte, sie sei "sehr dafĂŒr", neben Alkohol und Tabak auch das Thema Zuckersteuer anzugehen. DarĂŒber werde man in der Regierung sprechen.
Lob und scharfe Kritik
Der Sozialverband Deutschland kritisierte ein "Schleifen der beitragsfreien Familienversicherung" als "fatales Signal". Die IG Metall warnte vor "LeistungskĂŒrzungen, einseitigen Mehrbelastungen oder Beitragsanhebungen fĂŒr BeschĂ€ftigte". Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen begrĂŒĂte die ReformankĂŒndigungen, bemĂ€ngelte aber, dass die Versorgung von BĂŒrgergeldempfĂ€ngern wohl weiter von den Beitragszahlern anstatt vom Staat bezahlt werden solle. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann machte indes deutlich, dass dies ein Punkt sei, ĂŒber den man noch reden mĂŒsse.
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