Merz lÀsst deutsche Beteiligung an Ukraine-Truppe offen
16.12.2025 - 21:13:01 | dpa.de(neu: Details.)
BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem europĂ€ischen VorstoĂ fĂŒr eine Truppe zur Ăberwachung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine bleibt unklar, wie sich Deutschland beteiligen könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lieĂ im ZDF die Frage nach einem Einsatz der Bundeswehr offen. Hoffnung auf einen schnellen Frieden dĂ€mpfte der Kanzler. Auch die Chance einer EU-Einigung zur Nutzung des eingefrorenen russischen Vermögens bewertete er nur mit "fifty-fifty".
Mehrere europĂ€ische Staaten hatten sich nach zweitĂ€gigen Verhandlungen mit der Ukraine und den USA am Montag fĂŒr eine von Europa gefĂŒhrte "multinationale Truppe fĂŒr die Ukraine" ausgesprochen. Diese von Europa gefĂŒhrte und den USA unterstĂŒtzte Truppe soll die ukrainischen StreitkrĂ€fte unterstĂŒtzen und die Sicherheit des Luftraums und der Meere gewĂ€hrleisten. Dies solle "auch durch Operationen innerhalb der Ukraine" geschehen, hieĂ es.
"Putin wird irgendwann einmal Ja sagen mĂŒssen"
Auf die direkte Frage, ob sich die Bundeswehr beteilige, wich Merz aus. Er sagte, zu der Koalition der Willigen gehörten nicht nur europÀische Staaten, sondern zum Beispiel auch Kanadier, Australier und andere Nationen der Welt. "Wenn es denn einmal so weit kommen sollte, wird es ja ein Waffenstillstandsabkommen mit Russland sein", sagte der Kanzler.
Auf einen Einwand der Interviewerin, dass der russische PrĂ€sident Wladimir Putin einen Einsatz auslĂ€ndischer Truppen in der Ukraine ablehne, sagte Merz: "Putin hat zu vielem Njet gesagt, er wird irgendwann auch mal Ja sagen mĂŒssen, wenn es darum geht, diesen Krieg zu beenden. Das ist die Zeit nach dem Ende dieses Krieges, ĂŒber die wir jetzt gerade sprechen, und fĂŒr diese Zeit danach braucht die Ukraine Schutz."
Zuvor hatten auch die Fraktionsspitzen der Regierungsparteien Union und SPD eine deutsche Beteiligung offen gelassen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte sich zurĂŒckhaltend geĂ€uĂert.
Merz sieht Fortschritt
Merz bekrÀftigte, dass die Berliner GesprÀche Fortschritte gebracht hÀtten. Die Bereitschaft der USA zu Sicherheitsgarantien Àhnlich wie die Beistandspflicht der Nato sei neu. US-PrÀsident Donald Trump habe die amerikanischen Zusagen bestÀtigt. Merz sprach von einer möglichen entmilitarisierten Zone, um die Konfliktparteien in der Ukraine zu trennen.
Allerdings sagte Merz auch: "Sie haben es an der Reaktion von Russland gesehen: Es wird noch kein Ende dieses Krieges bedeuten. Wir mĂŒssen gemeinsam weitergehen. Wir mĂŒssen gemeinsam weiter die Ukraine unterstĂŒtzen."
Der Kreml hatte nach den Berlin-GesprÀchen, an denen Russland nicht beteiligt war, seine Ablehnung einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg bekrÀftigt. "Wir wollen Frieden, wir wollen keine Waffenruhe", in der die Ukraine Atem schöpfen und sich auf die Fortsetzung des Kriegs vorbereiten könne, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge.
"Wenn wir jetzt nicht springen..."
ZurĂŒckhaltend Ă€uĂerte sich Merz im ZDF auch dazu, ob sich der EU-Gipfel diese Woche auf eine Nutzung des eingefrorenen russischen Staatsvermögens zugunsten der Ukraine einigen kann. Die Chance auf eine Einigung stehe bei "fifty-fifty", sagte der CDU-Politiker. Er mahnte erneut eine "klare europĂ€ische Haltung gegenĂŒber Russland" an: "Wenn wir jetzt nicht springen (...) wann denn dann?"
Ob das in der EU eingefrorene russische Vermögen in dreistelliger Milliardenhöhe fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Ukraine genutzt werden soll, steht im Zentrum des EU-Gipfels, zu dem sich ab Donnerstag 27 Staats- und Regierungschefs in BrĂŒssel treffen. Merz Ă€uĂerte VerstĂ€ndnis fĂŒr die belgischen Vorbehalte: "Ich teile sie nicht, aber ich nehme sie ernst."
Pistorius sieht viele offenen Fragen
Einem Einsatz deutscher Soldaten in der Ukraine-Truppe mĂŒsste der Bundestag zustimmen. Deswegen ist die Haltung der beiden Koalitionsfraktionen von Union und SPD entscheidend. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch schloss eine deutsche Beteiligung nicht aus. Doch sagte er, die bei den Ukraine-GesprĂ€chen in Berlin verabschiedete ErklĂ€rung sei sehr breit. Die nĂ€chsten Wochen mĂŒssten zeigen, was sich daraus ergebe.
Verteidigungsminister Pistorius sagte, das von den EuropÀern unterbreitete Angebot sei ein Bekenntnis zur Mitverantwortung. "Wenn Putin sagt, wohin er die Reise gehen will, dann werden wir weiter sehen, woraus das im Einzelnen bestehen kann."
Briten bereiten sich auf Bodentruppe vor
Pistorius und sein britischer Amtskollege John Healey leiteten im Anschluss eine virtuelle Sitzung der Ukraine Defence Contact Group (UDCG), in der mehr als 50 Nationen MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine organisieren.
Healey sprach mit Blick auf die Berlin-GesprÀche von einem wesentlichen Moment in dem Krieg und Signalen des Fortschritts in den FriedensgesprÀchen. Er bereite die britischen StreitkrÀfte vor, "so dass wir einsatzbereit sind, wenn es Frieden gibt - mit Truppen am Boden und Jets in der Luft". Allerdings lasse Putin seine brutalen Angriffe auf die Ukraine fortsetzen. In den vergangenen beiden Monaten seien 20.000 Drohnen und Raketen auf die Ukraine abgefeuert worden.
Zehn LÀnder zÀhlen zu den Unterzeichnern
Die MilitĂ€rtruppe ist eine von mehreren Zusagen, die die unterzeichnenden Staaten fĂŒr den Fall abgeben, dass eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges erzielt wird. Neben Merz unterschrieben die ErklĂ€rung auch seine Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, GroĂbritannien, Polen, Italien, DĂ€nemark, Finnland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden sowie EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen.
In der ErklĂ€rung der EuropĂ€er wird der Ukraine auch "anhaltende und erhebliche UnterstĂŒtzung" ihrer StreitkrĂ€fte zugesichert, die in Friedenszeiten eine StĂ€rke von 800.000 Soldaten haben sollten.
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