Frankfurt-News, Anleihen

Börse Frankfurt-News: Anleihen: StÀrkster Renditeanstieg seit 1990

07.03.2025 - 13:26:54 | dpa.de

Dass die neue Bundesregierung wohl hohe Schulden fĂŒr die Verteidigung und die Infrastruktur aufnehmen wird, hat die Renditen nach oben schnellen lassen.

Und fĂŒr die EZB sieht es nach der Zinssenkung diese Woche jetzt nach einer "Zinspause" aus.

7. MĂ€rz 2025. Rasanter Renditeanstieg bei Bundesanleihen - die AusgabenplĂ€ne der voraussichtlich neuen Bundesregierung hinterlassen tiefe Spuren am Anleihemarkt. Der Grund: Nun mĂŒssen nun wohl viel mehr Bundesanleihen emittiert werden. Die DekaBank spricht von einem "Game Changer". Die Renditen zehnjĂ€hriger Bundesanleihen, vor einer Woche noch bei 2,37 Prozent, stiegen am gestrigen Donnerstag auf in der Spitze 2,93 Prozent. Am Freitagmittag sind es immer noch 2,82 Prozent.

"Das erinnert mich an den KursrĂŒckgang und Renditeanstieg nach dem Mauerfall", bemerkt Gregor Daniel, der fĂŒr die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handelt. "Einen so heftigen Renditeanstieg hat es bei Bundesanleihen seit 1990 nicht mehr gegeben", stellt auch Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen fest. Die Renditen kĂŒrzer laufender Bundesanleihen kletterten ebenfalls nach oben, allerdings weniger stark.

"Genug Investoren, aber zu welchem Preis?"

Die PlĂ€ne der kĂŒnftigen Bundesregierung: Verteidigungsausgaben in Höhe von mehr als 1 Prozent des BIP sollen nicht mehr bei der Schuldenbremse berĂŒcksichtigt werden. Außerdem soll es ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro fĂŒr die Infrastruktur geben. Allerdings muss der "alte" Bundestag den PlĂ€nen noch zustimmen.

Erwartet wird, dass die Bundesregierung fĂŒr die vielen Schulden höhere Zinsen zahlen muss. Nachfrage werde sich aber finden, meint Siemßen. "Selbst im aktuellen Markumfeld konnte die Deutsche Finanzagentur eine neue dreißigjĂ€hrige Bundesanleihe am Kapitalmarkt begeben, welche sich sogar einer hohen Investorennachfrage erfreute", erklĂ€rt er. Das unterstreiche, dass es beim Bund nicht darum gehe, ob er fĂŒr die nötigen Staatsanleiheemissionen genug Investoren finden werde, sondern vielmehr zu welchem Preis.

"Im April spricht vieles fĂŒr eine Zinspause"

Etwas unter ging diese Woche eine weitere Zinssenkung der EZB. Der Einlagensatz steht nun bei 2,5 Prozent. Die ?"ußerungen von EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde deuten zudem darauf hin, dass weitere Zinssenkungen nicht mehr ganz so klar sind. "Die Wahrscheinlichkeiten haben sich verschoben, im April spricht vieles fĂŒr eine Zinspause", erklĂ€rt AnleihehĂ€ndler Tim Oechsner von der Steubing AG.

FĂŒr die USA und die weitere Leitzinsentwicklung dort ist der heute anstehende US-Arbeitsmarktbericht wichtig. "WĂŒrde sich die Arbeitsmarktlage eintrĂŒben, wĂŒrde vermutlich die Neigung der Notenbanker wieder deutlich zunehmen, die Zinsen zu senken", kommentiert Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Extreme LanglÀufer beliebt

Einige sehr lang laufende Staatsanleihen sind gesucht, wie Daniel berichtet. Beispiele: 2040 und 2071 fÀllige Spanien-Anleihen mit aktueller Rendite von 3,81 und 4,06 Prozent (ES00000120N0, ES0000012H58). Ebenso gefragt ist ein Bond ?-sterreichs mit Laufzeit bis 2037 und derzeit 3,24 Prozent (AT0000A04967). Brunner sieht auch hohe Nachfrage nach Bundesanleihen mit Laufzeiten von 15 oder 25 Jahren.

Eon, Mercedes und Deutsche Bank gefragt

Im Handel mit Unternehmensanleihen kommen Papiere von Eon und Mercedes-Benz mit Laufzeiten bis 2044 und 2031 und Renditen von 4,2 und 3,25 Prozent (XS2791960664, DE000A3LH6U5) gut an, wie Daniel beobachtet. Auf den Einkaufszetteln stehen auch Volkswagen-Bonds, wie Brunner berichtet, mit Laufzeit bis 2028 und momentan 3,15 Prozent (XS2152061904). "Außerdem wurden die Quartalszahlen von Deutsche Rohstoff (DE000A3510K1) gut aufgenommen." Die 2028 fĂ€llige Anleihe wird derzeit um 111 Prozent gehandelt, was einer Rendite von gut 4 Prozent entspricht.

Oechsner meldet gute UmsĂ€tze fĂŒr Anleihen der Deutsche Bahn bis 2037 (XS2577042893), WĂŒrth bis 2031 (XS2911681083), Deutsche Telekom bis 2028 (XS1382791975) und Mercedes-Benz bis 2026 (DE000A3LH6T7). Die aktuellen Renditen liegen bei 3,41 Prozent, 3,22 Prozent, 2,47 Prozent und 2,39 Prozent. Weiter beliebt seien zudem US-Dollar-Bonds, etwa von John Deere mit FĂ€lligkeit 2030 und aktuell 4,47 Prozent (US24422EWZ86).

BegrĂŒĂŸt wurde Brunner zufolge, dass Fußballverein Hertha BSC die RĂŒckzahlung seiner bis November laufenden Anleihe (SE0011337054) zusicherte. UmsĂ€tze auf beiden Seiten registriert er fĂŒr The Platform Group (NO0013256834).

Metro und Verve mit neuen Bonds

Neues kam Oechsner zufolge unter anderem vom Handelskonzern Metro: Der Bond bietet 4 Prozent bis 2030 (XS3015684361). Zudem hat die Verve Group, ehemals Media & Games Invest, eine neue Anleihe im Wert von 500 Millionen Euro platziert, wie Brunner meldet. Laufzeit sind vier Jahre, die Verzinsung ist variabel zu 3M Euribor plus 4 Prozent (SE0023848429). Mit der Neuemission sollen die bis 2026 und 2027 (SE0018042277, SE0019892241) laufenden Anleihen zurĂŒckgezahlt werden.

Von Anna-Maria Borse, 7. MÀrz 2025, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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