Altkanzler, Schröder

Altkanzler Schröder gegen 'DÀmonisierung' Russlands

24.01.2026 - 11:32:42 | dpa.de

Der frĂŒhere Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zwar völkerrechtswidrig, warnt aber vor einer "DĂ€monisierung" Russlands.

"NatĂŒrlich ist der Krieg in der Ukraine nicht zu respektieren, auch nicht zu relativieren. Er ist völkerrechtswidrig, eine Verletzung der Menschenrechte", schreibt der 81 Jahre alte Altkanzler in einem Gastbeitrag fĂŒr die "Berliner Zeitung". Es mĂŒssten alle diplomatischen Mittel genutzt werden, um den Krieg zu stoppen.

"Ich bin aber auch gegen die DĂ€monisierung Russlands als ewiger Feind", schob der SPD-Politiker nach, der seit Jahren wegen seiner langjĂ€hrigen Freundschaft zum russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und TĂ€tigkeiten fĂŒr russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik steht. "Russland, das ist nicht das Land der Barbaren, sondern ein Land mit einer großen Kultur und vielfĂ€ltigen historischen Verbindungen zu Deutschland", schreibt Schröder in dem Gastbeitrag. Es bleibe die "deutsche Schande", dass dieses Land in zwei Weltkriegen von deutschen Soldaten brutal ĂŒberfallen wurde.

Heute sei viel von militĂ€rischen "FĂ€higkeiten" die Rede, doch Deutschland und Europa brĂ€uchten in erster Linie "FriedensfĂ€higkeit", meint Schröder. Deshalb halte er es weiterhin fĂŒr richtig, was er in seiner Zeit als Bundeskanzler vorangetrieben habe: den sicheren und verlĂ€sslichen Import preiswerter Energie aus Russland. "Wir brauchen derartige Formen der Kooperation mit Russland."

Schröder warnte auch vor einem Machtverlust der EU, die mit ihrem derzeitigen Kurs international an Bedeutung verliere - unter anderem, weil Washington und Moskau ĂŒber den Kopf der EU hinweg ĂŒber die Zukunft der Ukraine verhandelten, "aber wir die Kosten des Krieges bezahlen sollen". Die Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump habe fatale Folgen fĂŒr Europa. Trump versuche nicht nur, sich Grönland einzuverleiben, sondern die EU in neue AbhĂ€ngigkeit von den USA zu bringen. "Die Welt wird neu geordnet, aber die EU reagiert nur, weil sie selbst nach dem gefeierten Freihandelsabkommen mit dem sĂŒdamerikanischen Mercosur keine strategische GrĂ¶ĂŸe mehr zu sein scheint."

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