Deutsche Unternehmen stark hagelgefÀhrdet
16.04.2026 - 05:41:46 | dpa.deDeutschland steht laut Berechnungen des Unternehmensversicherers Allianz Commercial in der Rangliste der von 2016 bis 2025 am schwersten von Hagel getroffenen LĂ€nder mit einem Anteil von vier Prozent an den SchĂ€den auf Platz fĂŒnf hinter den USA, Frankreich, Kanada und Spanien. Aus diesen fĂŒnf LĂ€ndern kamen zusammen demnach fast 90 Prozent aller Hagelschadenmeldungen.
Hagel wird gefÀhrlicher
Das liegt nicht nur daran, dass es in Nordamerika und Europa vergleichsweise hĂ€ufig hagelt, sondern auch an der sogenannten Versicherungsdichte: Die Allianz hat viele Kunden auf beiden Erdteilen, in Asien und Afrika ist der Anteil der gegen Naturkatastrophen versicherten Firmen dagegen erheblich niedriger. Doch dies ist nicht alles: Nach Daten von RĂŒckversicherern aus den vergangenen Jahrzehnten steigen im langfristigen Trend die durch Schwergewitter verursachten SchĂ€den, da die Unwetter sowohl an HĂ€ufigkeit als auch an IntensitĂ€t zugenommen haben. "Wir gehen davon aus, dass die SchĂ€den weiter steigen werden", sagt Michael Bruch, Leiter der globalen Risikoberatung bei Allianz Commercial.
Es ist nicht nur der Klimawandel
Allianz Commercial ist die auf Unternehmensversicherungen spezialisierte Tochter des MĂŒnchner Dax-Konzerns DE0008469008. Die Fachleute werteten fĂŒr ihre Berechnungen 3013 Schadenmeldungen der vergangenen zehn Jahre aus, inklusive der Anteile anderer Versicherer - groĂe Unternehmen werden wegen des immensen Schadenpotenzials ĂŒblicherweise von Konsortien versichert. Damit werden die Risiken auf mehrere Schultern verteilt.
"NatĂŒrlich denkt man zuerst mal an klimawandelgetriebene Effekte, die natĂŒrlich eine Rolle spielen", sagte Bruch. "Aber ein wesentlicher Treiber ist, dass mehr und teurer in gefĂ€hrdeten Gebieten gebaut wird." Ein weiterer Faktor sei die alternde Infrastruktur. "Und zu guter Letzt erleben wir steigende Bau- und Reparaturkosten."
Als ein Beispiel aus der jĂŒngeren Vergangenheit fĂŒhrt die Versicherung in ihrem Papier Schwergewitter und HagelstĂŒrme in Italien im Juli 2023 an, die 6,3 Milliarden Euro Schaden verursachten. "Wir sehen auch in Europa zunehmende Gefahren, speziell in Richtung Alpen und Norditalien", sagt Bruch.
Besonders gefÀhrdet: Flugzeuge, GebÀude, Solaranlagen
In einer Hinsicht gilt fĂŒr Firmen nichts anderes als fĂŒr private Hausbesitzer: "DĂ€cher sind natĂŒrlich besonders gefĂ€hrdet, gerade wenn es dort Glaskuppeln oder sonstige Einbauten gibt", sagt Bruch. "Der Schaden am Dach ist das eine, aber eintretendes Wasser kann zu noch weitaus gröĂeren SchĂ€den fĂŒhren." Doch sind keineswegs nur GebĂ€ude gefĂ€hrdet: "DarĂŒber hinaus ist alles, was drauĂen steht, ein groĂes Thema", sagt Bruch. "Von Autos ĂŒber Maschinen bis zu Solarfarmen und anderen empfindliche Anlagen. Hinzu kommen Flugzeuge und groĂe Lagerhallen."
Flugzeuge sind besonders exponiert, weil sie meistens drauĂen geparkt werden und ihre AuĂenhĂŒllen dĂŒnn sind. Und weil Flugzeuge sehr teuer sind, stehen sie auch in der Rangliste der WirtschaftsgĂŒter mit den höchsten SchĂ€den an erster Stelle: Nach den Berechnungen der Allianz Commercial-Fachleute entfiel in den zehn Jahren von 2016 bis 2025 ein Anteil von 16 Prozent der gesamten HagelschĂ€den allein auf Flugzeuge, gefolgt von GebĂ€uden - kaputte DĂ€cher und sonstige SchĂ€den addiert - mit 14 Prozent. Danach kamen dann schon die ebenfalls empfindlichen Solaranlagen mit einem Anteil von sechs Prozent.
"Unternehmen sollten sich genau anschauen, wo und wie sie gefĂ€hrdet sein könnten", meint Risikoberater Bruch. "Wir nennen das eine standortspezifische VulnerabilitĂ€tsanalyse." Diese berĂŒcksichtigt neben lokalen WetterphĂ€nomenen wie Hagel, Tornados oder Starkwind beispielsweise auch bauliche Schwachstellen oder die AnfĂ€lligkeit kritischer Anlagen. Und wie in fast allen Bereichen kann auch hier KĂŒnstliche Intelligenz helfen, kĂŒnftige Klimaszenarien zu simulieren und PrioritĂ€ten fĂŒr "ResilienzmaĂnahmen" zu setzen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
