Abschied vom Ăl? KlimaschĂŒtzer spĂŒren RĂŒckenwind
21.04.2026 - 14:24:38 | dpa.deDrinnen klang Umweltminister Carsten Schneider fast genauso deutlich. Die AbhĂ€ngigkeit von fossiler Energie wie Ăl, Gas oder Kohle sei ein nicht zu kalkulierendes Risiko, auch fĂŒr Deutschland, sagte der SPD-Politiker zur Eröffnung des 17. Petersberger Klimadialogs. "Erneuerbare Energiequellen sind dagegen Sicherheitsenergien."
Der Klimadialog, der die nĂ€chste Weltklimakonferenz in der TĂŒrkei im November vorbereitet, fĂ€llt zusammen mit der weltweiten Energiepreiskrise wegen des Iran-Kriegs. Nach Jahren mit vielen RĂŒckschlĂ€gen im Kampf gegen die Ăberhitzung der Erde fĂŒhlen KlimaschĂŒtzer in Deutschland und andere "Willige" so etwas wie den RĂŒckenwind der besseren Argumente: Ăkostrom helfe eben nicht nur dem Klima, sondern auch der UnabhĂ€ngigkeit von teuren Importen.
"Klimapolitik liefert Lösungen"
So argumentierte Schneider schon kurz vor Beginn der zweitÀgigen Konferenz mit etwa 30 Staaten. "Die Klimapolitik liefert die Lösungen, damit die nÀchste fossile Energiekrise weniger weh tut", sagte der SPD-Politiker. LÀngst gebe es mit erneuerbaren Energien, ElektromobilitÀt und WÀrmepumpen gute Gegenmittel. Auf einer Pressekonferenz formulierte Schneider es so: "Ich bin mir deshalb sicher: Diese aktuelle fossile Energiekrise wird als Beschleuniger wirken."
UN-Klimachef Simon Stiell sieht das Ă€hnlich. "Die Zusammenarbeit fĂŒr das Klima ist der SchlĂŒssel, um die doppelte Gefahr der globalen ErwĂ€rmung und des Kostenchaos durch fossile Energien abzuwehren", sagte Stiell. "Saubere Energie bietet Sicherheit und Bezahlbarkeit und gibt den Nationen und Völkern ihre SouverĂ€nitĂ€t zurĂŒck. Nie war es wichtiger, schneller ins Handeln zu kommen." Wie Schneider bezeichnete Stiell die Wende hin zu sauberen Energien als unumkehrbar.
Erheblicher Zuwachs an Ăkostrom
Die Internationale Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien Irena lieferte passend dazu Rekordzahlen fĂŒr den Ausbau von Ăkostrom weltweit. 2025 seien global 15,5 Prozent oder 692 Gigawatt zugebaut worden, so dass die insgesamt installierte Leistung nun bei 5.149 Gigawatt liege, erklĂ€rte Irena-Chef Francesco La Camera. "Heute basiert die HĂ€lfte der weltweit installierten StromkapazitĂ€t auf erneuerbaren Energien."
Drei Viertel der neuen KapazitÀt nutze Solarenergie, gefolgt in weitem Abstand von Windkraft, erklÀrte er weiter. Die Preise seien drastisch gesunken. Nummer eins bei Erneuerbaren sei Asien mit 2.891 Gigawatt KapazitÀt, dahinter komme Europa mit 934 Gigawatt.
BemĂŒhungen reichen nicht
Die KlimaschĂŒtzer machen sich also Mut. Im Konkreten ist der internationale Prozess aber seit Jahren schwierig, nicht erst seit US-PrĂ€sident Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 erneut aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ausstieg. Die bisherigen BemĂŒhungen aller LĂ€nder zur Senkung ihrer Treibhausgase reichen bei weitem nicht aus fĂŒr das Ziel, die ErderwĂ€rmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Bei der Klimakonferenz im brasilianischen BelĂ©m im November 2025 gelang kein konkreter Fahrplan fĂŒr den Ausstieg aus fossilen Energien. Offen ist, ob eine fĂŒr nĂ€chste Woche geplante Konferenz zum selben Thema im kolumbianischen Santa Rosa viel bringen wird.
NĂ€chste Runde in Antalya
Der tĂŒrkische Umweltminister Murat Kurum, der gemeinsam mit seinem australischen Kollegen Chris Bowen die nĂ€chste UN-Klimakonferenz in Antalya vorbereitet, nutzte die Berliner BĂŒhne fĂŒr eine Mahnung. Er appellierte an alle LĂ€nder, die fĂ€lligen Meldungen fĂŒr ihre nationalen Klimaziele einzureichen - 43 Staaten fehlten noch. Zugleich mĂŒssten die Geldgeber ihre Finanzierungszusagen fĂŒr den globalen Klimaschutz einhalten und die Finanztöpfe auffĂŒllen.
UN-Klimachef Stiell nannte weitere konkrete Schritte: die Beschleunigung des Netzausbaus, die Verminderung von Methan als besonders schÀdliches Klimagas und die Versorgung mit klimaresistenten Lebensmitteln kombiniert mit weniger Lebensmittelverschwendung.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres formulierte es in einer kurzen Videobotschaft an die Teilnehmer des Klimadialogs plakativ: "Wir können die Fehler der Vergangenheit wiederholen, oder wir können eine Revolution der Erneuerbaren von der Kette lassen. Lassen Sie uns die richtige Wahl treffen, fĂŒr die StabilitĂ€t des Klimas, fĂŒr Energiesicherheit, fĂŒr eine lebenswerte Zukunft."
"Menschen wollen Fortschritte"
Gastgeber Schneider weiĂ, dass noch nicht ausgemacht ist, ob der vermeintliche RĂŒckenwind in der Krise stĂ€rker trĂ€gt als der politische Gegenwind. Der Druck gegen Klimapolitik sei ĂŒberall spĂŒrbar, sagte der SPD-Politiker. "Gleichzeitig wollen die Menschen, dass wir Fortschritte beim Klimaschutz machen." In Deutschland hĂ€tten in einer Umfrage kĂŒrzlich 70 Prozent der Menschen gesagt, es sei richtig, bis 2045 klimaneutral zu werden. "Nur weil die Gegner oft lauter sind, heiĂt es nicht, dass sie die Mehrheit sind", sagte Schneider.
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