Frankfurt-News, MĂ€rkte

Börse Frankfurt-News: Die MÀrkte haben schon vieles vorweggenommen (Anleihen)

05.01.2024 - 16:42:54 | dpa.de

Die Richtung scheint klar: Die Leitzinsen dĂŒrften 2024 deutlich fallen.

Das muss aber nicht zwingend sinkende Renditen und damit steigende Kurse an den AnleihemÀrkten bedeuten.

5. Januar 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die 2023 ungewöhnlich starken Kursschwankungen an den AnleihemĂ€rkten setzen sich zu Beginn des neuen Jahres weiter fort. Die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen ist in den ersten Handelstagen 2024 von 2,02 Prozent auf rund 2,17 Prozent gestiegen. Zuvor war es hier innerhalb von nur gut zwei Monaten zu einem massiven RĂŒckgang von ĂŒber 2,9 Prozent auf unter 1,9 Prozent gekommen.

Nun also die Wende nach oben. "Die Zinssenkungseuphorie der Finanzmarktteilnehmer hat um die Weihnachtsfeiertage ihren vorlĂ€ufigen Höhepunkt erreicht", konstatieren die Analysten der LBBW. Auftrieb erhielten die Renditen durch wieder gestiegene Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone. "Die Inflations-Kuh ist auch im neuen Jahr keineswegs vom Eis", warnt die DZ Bank. Der Anstieg beruhe allerdings zum Großteil auf Basiseffekten aus dem Vorjahr. Daher gehen die Strategen davon aus, dass die Teuerung in der Eurozone nach 5,5 Prozent im Vorjahr im Jahresdurchschnitt 2024 auf 3,0 Prozent sinkt.

Die Inflation steht weiterhin im Fokus

FĂŒr Arthur Brunner von der ICF Bank ist Inflation der entscheidende Faktor fĂŒr die weitere Entwicklung an den AnleihemĂ€rkten. "In dieser Woche wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt", erklĂ€rt der RentenhĂ€ndler den deutlichen Anstieg der Renditen. Den Optimismus vieler Analysten bezĂŒglich der Zinspolitik der Notenbanken teilt Brunner nicht. "Die MĂ€rkte haben seit November schon vieles vorweggenommen." Im Jahresverlauf könnten die anhaltenden politischen Spannungen womöglich erneut zu Lieferketten-Problemen und wieder steigenden Preisen fĂŒhren. "Es bleibt mit Blick auf die Inflation und die davon abhĂ€ngenden Zinsentscheidungen daher spannend."

Auch Tim Oechsner von der Steubing AG rechnet mit einem spannenden Anleihejahr und einer zudem nochmals steigenden Nachfrage von Seiten der Kundschaft. Auf dem aktuellen Niveau ist es nach Ansicht des HĂ€ndlers noch sinnvoller, auf Anleihen zu setzen als vor einem Jahr. "Es können nach Abzug der Inflation wieder reale Renditen erzielt werden, was zu echten Chancen an den AnleihemĂ€rkten fĂŒhrt", begrĂŒndet Oechsner seine Zuversicht. Mit Leitzinssenkungen rechnet er in der Eurozone erst zur Jahresmitte - "und auch dann eher zögerlich".

Keine klare Tendenz bei den Renditen

Anleger*innen sollten sich seiner Meinung nach bewusst sein, "dass der Jahresstart noch durch Renditesteigerungen geprĂ€gt sein könnte, bevor dann im weiteren Jahresverlauf die Renditen wieder sinken und die Kurse steigen." Bei der zehnjĂ€hrigen Bundesanleihe hĂ€lt er einen zwischenzeitlichen Hochlauf auf 2,5 bis 2,6 Prozent fĂŒr möglich. Am Jahresende sollte die Rendite dann wieder bei rund 2,0 Prozent liegen. WĂ€hrend vor diesem Hintergrund zunĂ€chst eher KurzlĂ€ufer gefragt sein dĂŒrften, könnten Anleihen guter QualitĂ€t mit lĂ€ngeren Restlaufzeiten, d.h. ĂŒber 10 Jahre, im Jahresverlauf "sehr attraktive Renditen abwerfen".

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank rechnet ebenfalls mit einem volatilen Jahr und warnt vor "ĂŒberraschenden Ereignissen, die alles durcheinanderbringen". Beim Blick auf die Zinsprognosen sieht er nach dem deutlichen RĂŒckgang der Renditen seit dem SpĂ€therbst ein gewisses EnttĂ€uschungspotenzial. "Es wĂ€re zu einfach, wenn alles so laufen wĂŒrde, wie es die Analysten erwarten". Sollten die am Markt eingepreisten Zinsschritte der Notenbanken nicht im erwarteten Ausmaß kommen, könnten die Renditen auch schnell wieder auf ihre jĂŒngsten Hochs steigen. Seiner Meinung nach wird sich gerade die EZB eher noch etwas Zeit lassen mit Zinssenkungen. "Alles andere wĂŒrde mich sehr ĂŒberraschen."

Starke Nachfrage nach zahlreichen Neuemissionen

FĂŒr Anleger*innen hofft der HĂ€ndler "auf ein paar Neuemissionen" und damit neue Anlagemöglichkeiten auf der Rentenseite. Und hier sieht es zum Jahresstart schon sehr gut aus. Das Rententeam von Hauck AufhĂ€user Lampe berichtet von einer "Flut an Neuemissionen", die weiterhin stark nachgefragt werden. "Nahezu alle Emissionen waren mindestens 1,5-fach ĂŒberzeichnet". Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank war konkret eine fĂŒnfjĂ€hrige Anleihe der Renault Bank (FR001400N3F1) gesucht, die mit einer 1.000er StĂŒckelung angeboten wurde und eine Rendite von ca. 4 Prozent ermöglicht. Bei der Steubing AG geht man davon aus, dass das aktuell gute Sentiment nach dem RĂŒckgang der Renditen auch weiterhin zu einer regen EmissionstĂ€tigkeit fĂŒhren wird. "Der Markt ist dafĂŒr gerade offen", erklĂ€rt Oechsner die sich in den vergangenen Monaten verĂ€nderte Ausgangslage.

Von Thomas Koch, 5. Januar 2024 © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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