Duale, Ausbildung

Duale Ausbildung: NeuzugÀnge brechen 2025 erneut ein

14.04.2026 - 18:32:03 | boerse-global.de

Die Zahl neuer AusbildungsvertrĂ€ge sank 2025 um 2,8 Prozent. Strukturelle Probleme wie Geschlechterungleichheit und unbesetzte Lehrstellen treten deutlich zutage, wĂ€hrend auslĂ€ndische Azubis das System stĂŒtzen.

Duale Ausbildung: NeuzugĂ€nge brechen 2025 erneut ein - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Damit endet die kurze Erholung nach der Pandemie – und die strukturellen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt treten wieder deutlich zutage.

Laut vorlĂ€ufigen Daten des Statistischen Bundesamtes schlossen im vergangenen Jahr rund 461.800 Menschen einen neuen dualen Ausbildungsvertrag ab. Das sind 13.300 oder 2,8 Prozent weniger als 2024. Der RĂŒckgang fiel damit stĂ€rker aus als im Vorjahr (-1,0 Prozent) und beendet den leichten AufwĂ€rtstrend der Jahre 2021 bis 2023. Insgesamt befanden sich Ende 2025 nur noch etwa 1,21 Millionen Menschen in einer dualen Berufsausbildung.

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Klaffende LĂŒcke zwischen Geschlechtern und Branchen

Die Daten offenbaren ein hartnĂ€ckiges Ungleichgewicht: MĂ€nner stellten mit 64 Prozent (295.400) erneut die deutliche Mehrheit der neuen Azubis, Frauen nur 36 Prozent (166.400). Langfristig betrachtet ziehen sich Frauen sogar immer weiter aus dem System zurĂŒck – ihr Anteil lag 2014 noch bei 40 Prozent.

Die Spaltung setzt sich in den Branchen fort. Im Handwerk und in der Landwirtschaft sind 81 bzw. 74 Prozent der neuen Auszubildenden mĂ€nnlich. Frauen dominieren dagegen die „Freien Berufe“ wie Medizinische oder Rechtsanwaltsfachangestellte (89 Prozent), die Hauswirtschaft (80 Prozent) und den öffentlichen Dienst (63 Prozent). Beliebte Berufe bleiben Kfz-Mechatroniker bei den MĂ€nnern und Medizinische Fachangestellte bei den Frauen.

Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt

Der RĂŒckgang bei den VertragsabschlĂŒssen spiegelt kein geringeres Angebot wider. Im Gegenteil: Der Markt hat sich lĂ€ngst zu einem Bewerbermarkt gewandelt. Studien zeigten bereits im Herbst 2025, dass fast ein Drittel aller angebotenen AusbildungsplĂ€tze unbesetzt blieb.

Der Hauptgrund sind „Matching-Probleme“. Die Lehrstellen liegen oft nicht dort, wo die Bewerber wohnen. Oder die Qualifikationen der SchulabgĂ€nger passen nicht zu den Anforderungen der Betriebe. Vor allem Kleinstunternehmen melden, dass sie auf ihre Stellenanzeigen oft gar keine Bewerbungen erhalten. Besonders kritisch ist die Lage im Baugewerbe und in personenbezogenen Dienstleistungen wie dem Friseurhandwerk.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Ausbildungsreife. ArbeitgeberverbĂ€nde beklagen, dass vielen Jugendlichen nach den pandemiebedingten Schulschließungen grundlegende Kompetenzen fehlen. WĂ€hrend die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss unter 35 Jahren auf etwa 2,9 Millionen steigt, finden Betriebe fĂŒr ihre technischen Stellen oft niemanden.

AuslĂ€ndische Azubis als StĂŒtze des Systems

Ein wichtiger Gegen-Trend ist die steigende Zahl auslĂ€ndischer Auszubildender. WĂ€hrend die VertrĂ€ge mit deutschen Staatsangehörigen 2024 um 4 Prozent sanken, stiegen sie bei auslĂ€ndischen Azubis um 17 Prozent. Diese Entwicklung setzte sich 2025 fort und wirkt stabilisierend. Bewerber aus LĂ€ndern wie Vietnam, Syrien und der Ukraine fĂŒllen zunehmend LĂŒcken auf dem Arbeitsmarkt.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl auslĂ€ndischer Azubis in neuen VertrĂ€gen fast verdoppelt. FĂŒr viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Integration internationaler Talente lĂ€ngst ĂŒberlebenswichtig. Doch es gibt HĂŒrden: unzureichende Deutschkenntnisse, fehlender bezahlbarer Wohnraum und komplexe Visumverfahren fĂŒr Drittstaatsangehörige. Die Abbruchquote bleibt mit fast 30 Prozent besorgniserregend hoch.

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Reformdruck wĂ€chst – Demografie verschĂ€rft die Lage

Als Reaktion auf den angespannten Markt hat die Bundesregierung 2024 die Ausbildungsgarantie auf den Weg gebracht. Sie sieht unter anderem geförderte Berufsorientierung, MobilitĂ€tszuschĂŒsse und flexiblere Einstiegsqualifikationen vor.

Die Wirtschaft steht Teilen der Reform skeptisch gegenĂŒber. Organisationen wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betonen, dass die betriebliche Ausbildung fĂŒr die langfristige Integration unersetzlich sei. Ein Rechtsanspruch auf eine außerbetriebliche Ausbildung sollte nur das letzte Mittel sein.

Die demografische Entwicklung verschĂ€rft den Druck weiter. Wenn die geburtenstarken JahrgĂ€nge in Rente gehen, konkurrieren die Betriebe um eine schrumpfende Zahl junger SchulabgĂ€nger. Analysten erwarten, dass Unternehmen stĂ€rker in die AttraktivitĂ€t ihrer Ausbildungsprogramme investieren mĂŒssen – mit besserer VergĂŒtung, digitalen Lernumgebungen und einer verbesserten Work-Life-Balance, um mit dem akademischen Sektor mithalten zu können.

Die Debatte darĂŒber, wie das traditionsreiche duale System fĂŒr eine sich wandelnde Wirtschaft fit gemacht werden kann, dĂŒrfte mit den jetzt vorliegenden Zahlen fĂŒr 2025 neuen Schwung erhalten.

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