EU-KI-Verordnung: Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI könnten sich verschieben
12.04.2026 - 15:19:28 | boerse-global.de
Die EU will Unternehmen mehr Zeit geben, um strenge KI-Regeln einzuhalten. Kurz vor der entscheidenden Verhandlungsrunde zum sogenannten Digital Omnibus zeichnet sich eine Verschiebung der Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI ab â von 2026 auf 2027 oder sogar 2028. Grund ist die Verzögerung bei technischen Standards, die fĂŒr die Umsetzung unerlĂ€sslich sind.
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Die Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Rat sind in die heiĂe Phase getreten. Bis Ende April soll eine politische Einigung stehen. Im Kern geht es darum, die Compliance-Fristen fĂŒr KI-Systeme mit hohem Risiko deutlich nach hinten zu verschieben. Der ursprĂŒngliche Stichtag, der 2. August 2026, droht sonst tausende europĂ€ische Unternehmen in einen RechtsĂŒbertritt zu stĂŒrzen.
VerlÀngerung bis 2028 im GesprÀch
Der aktuelle Vorschlag der Kommission sieht eine gestaffelte Verschiebung vor. FĂŒr eigenstĂ€ndige Hochrisiko-KI, wie sie in Bildung, Personalwesen oder Strafverfolgung zum Einsatz kommt, soll die Frist auf den 2. Dezember 2027 rutschen. Noch lĂ€nger Zeit bekĂ€men Hersteller, wenn die KI als Sicherheitskomponente in regulierten Produkten wie MedizingerĂ€ten steckt: Hier ist der 2. August 2028 im GesprĂ€ch.
Der Grund fĂŒr die AufschĂŒbe ist pragmatisch. Die Entwicklung der harmonisierten technischen Normen, anhand derer KonformitĂ€t nachgewiesen werden muss, hinkt dem Zeitplan hinterher. âOhne diese Standards stehen Unternehmen vor vagen rechtlichen Vorgaben ohne konkrete technische Benchmarksâ, erklĂ€rt ein Verhandlungsteilnehmer. Es drohe ein Compliance-Vakuum.
Streitpunkte: KI-Kompetenz und Kennzeichnung
Trotz Einigkeit ĂŒber den Zeitaufschub gibt es weiter Reibungspunkte. Ein zentraler Streit dreht sich um KI-Kompetenz (AI Literacy) fĂŒr BeschĂ€ftigte. Das Parlament pocht auf eine verbindliche Schulungspflicht fĂŒr Unternehmen. Der Rat favorisiert dagegen freiwillige Leitlinien.
Uneinigkeit herrscht auch beim Zeitplan fĂŒr die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Der Rat will diese Transparenzregeln erst ab Februar 2027 in Kraft setzen. Das Parlament drĂ€ngt auf einen frĂŒheren Termin im November 2026. Zudem wird die Rolle der neuen EU-KI-Behörde verfeinert, die kĂŒnftig stĂ€rker in die Aufsicht von Systemen mit General-Purpose-AI-Modellen eingebunden sein soll.
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Unternehmen sollten nicht abwarten
Rechtsexperten raten Firmen trotz der wahrscheinlichen FristverlÀngerung von einer Abwartehaltung ab. Solange der Omnibus nicht beschlossen ist, bleibt der 2. August 2026 der einzige rechtlich sichere Stichtag. Unternehmen sollten ihre UmsetzungsplÀne weiterverfolgen.
âDie technischen Anforderungen und Risikomanagement-Pflichten Ă€ndern sich durch die VerlĂ€ngerung nichtâ, betont eine auf EU-Recht spezialisierte AnwĂ€ltin. Viele Unternehmen konzentrieren sich derzeit darauf, die Einstufung ihrer Systeme gemÀà Artikel 6(3) der Verordnung akribisch zu dokumentieren. Diese Regelung erlaubt es, bestimmte Systeme als nicht hochriskant einzustufen, wenn sie nur eng definierte Aufgaben erfĂŒllen.
Bereits in Kraft sind indes andere Teile des KI-Gesetzes. Seit Februar 2025 sind verbotene KI-Praktiken wie Social Scoring unter Strafe gestellt. Seit August 2025 gelten zudem Pflichten fĂŒr Anbieter von General-Purpose-AI-Modellen. VerstöĂe können mit BuĂgeldern in Millionenhöhe geahndet werden.
Enger Zeitplan bis zum Sommer
Der Weg zur KI-Verordnung begann 2021. Nach ihrem Inkrafttreten im August 2024 zeigt sich nun, dass die technische Umsetzung komplexer ist als gedacht. Die schnelle Entwicklung generativer KI machte eine Nachjustierung notwendig.
Der Zeitplan bleibt ambitioniert. Gelingt die politische Einigung Ende April, könnte der finalisierte Text nach juristischer PrĂŒfung im Juni verabschiedet und im Juli im Amtsblatt veröffentlicht werden â just in time, bevor die ursprĂŒngliche Frist greifen wĂŒrde.
Scheitern die Verhandlungen, warnen BranchenverbĂ€nde vor einem Chaos. KI-Dienste könnten vorĂŒbergehend vom europĂ€ischen Markt genommen werden, wĂ€hrend Unternehmen um juristische Absicherung ringen. Angesichts der breiten UnterstĂŒtzung fĂŒr eine FristverlĂ€ngerung gehen die meisten Beobachter jedoch davon aus, dass vor der Sommerpause ein Kompromiss gefunden wird.
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